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03.10.2011

15:01 Uhr

Schuldenkrise

An den Immobilienmärkten herrscht wieder Angst

VonAnne Wiktorin

Die Ruhe auf den europäischen Immobilienmärkten ist längst verflogen. Die Staatsschuldenkrise versetzt die Branche erneut in Unruhe. Noch sind keine negativen Einflüsse real spürbar. Die Betonung liegt auf „noch“.

Blick auf das Banken- und Versicherungsviertel von London. dpa

Blick auf das Banken- und Versicherungsviertel von London.

KölnWenn am kommenden Dienstag, wie immer am Morgen nach dem Oktoberfest-Finale, die Herbstmesse der internationalen Immobilienwirtschaft in München eröffnet wird, dürfte eher keine Feierlaune herrschen. Die Branche bedrückt die Sorge um mögliche Folgen der aktuellen Euro- und Staatsschuldenkrise auf das Geschäft mit Gewerbeimmobilien. "Vermutlich hat derzeit jeder ein flaues Gefühl im Magen", beschreibt Christian Schulz-Wulkow, Partner bei Ernst & Young Real Estate, die Gemütslage bei Investoren, Projektentwicklern, Vermittlern und Finanzierern von Bürohäusern, Einkaufszentren, Lagerhallen oder Hotels. Claus Thomas, Deutschlandchef des internationalen Investmenthauses Lasalle Investment bestätigt: "Die Stimmung ist seit dem Sommer wieder stärker von Furcht geprägt."

Die Unsicherheit über die Folgen der Staatsschuldenkrisen in Griechenland, Irland, Italien, Portugal und Spanien führt seit Juli zu heftigen Turbulenzen auf den internationalen Kapitalmärkten. Und nicht nur das: Auch die Konjunkturerholung in vielen europäischen Ländern, darunter in Deutschland, könnte sich merklich abschwächen. All das wird Konsequenzen für die Immobilienmärkte haben - nur welche dies sein werden und wie heftig die Reaktionen ausfallen, das zu beurteilen sei schwierig, so die Beobachter.

"Die extreme Nervosität auf den Kapitalmärkten hat nach unserer Beobachtung noch keine negativen Auswirkungen auf die Immobilieninvestmentmärkte", sagt etwa Claus-Jürgen Cohausz, Vorstandsmitglied der Immobilienbank Westimmo. Doch er schränkt ein: "Die Betonung liegt auf dem Wort noch." Auch Matthias Danne, Immobilienvorstand der Frankfurter Deka Bank und damit unter anderem zuständig für die offenen Immobilienfonds der Sparkassentochter, bleibt vorsichtig: "Im Moment kann man die Auswirkungen der aktuellen Staatsschuldenkrise auf die Immobilienmärkte noch nicht wirklich abschätzen."
Bloß kein Risiko eingehen.

Eine erste Krisenfolge sei allerdings durchaus erkennbar, sagt Stefan Wundrak, Chefanalyst des Investmenthauses Henderson Global Investors in London: "Gerade begann sich die Risikoaversion der Immobilieninvestoren abzuschwächen, das ist nun wieder gestoppt." Noch vor einem halben Jahr hatten die Henderson-Assetmanager ihren Kunden - darunter große internationale Pensionskassen, Versorgungswerke und Versicherungen - empfohlen, bei ihren Investitionsentscheidungen mutiger zu werden: Auch Gebäude außerhalb der 1-A-Lagen oder aber Bürohäuser, aus denen Mieter schon in drei oder vier Jahren ausziehen und die dann modernisiert werden müssen, böten dank gestiegener Mietnachfrage und rückläufiger Leerstandsquoten wieder Wertsteigerungspotenzial.

Bei den Risikomanagern der institutionellen Investoren stößt dieses Argument zurzeit allerdings auf wenig Gegenliebe. Sie setzen lieber ihre seit 2008 bewährte Strategie fort und kaufen Core-Immobilien, also langfristig vermietete, moderne Gebäude in guten und sehr guten Lagen. "Daran hat sich nichts geändert", bestätigt Westimmo-Vorstand Cohausz.

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