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06.11.2012

10:37 Uhr

Schuldenkrise

Die Russen kommen

Die Immobilien- und Schuldenkrise beutelt Italien und Frankreich. Beide Länder buhlen um Milliardäre aus Russland. Die Magnaten lassen sich nicht lange bitten. Welche Paläste und Luxusobjekte die Superreichen kaufen.

Toplage: Der Palazzo Grassi am Canale Grande in Venedig.

Toplage: Der Palazzo Grassi am Canale Grande in Venedig.

Geldnot macht erfinderisch. Italien und Frankreich liefern sich einen Wettstreit um eine zahlungskräftige Klientel. Beide Länder umwerben russische Milliardäre, die als Käufer für Luxusimmobilien ebenso willkommen sind wie als Interessenten für einheimische Unternehmen.

“Es ist unglaublich”, sagte Riccardo Monti, Leiter der italienischen Handelsagentur, im Oktober auf einer Werbetour durch Russland, in der er einen zum Verkauf stehenden Palast am venezianischen Canale Grande und eine Villa, die einst dem König von Neapel gehörte, anpries. “Prestige-Objekte stehen bei großen russischen Unternehmern wirklich hoch im Kurs.”

Die Agentur hat ihn seit Mai dreimal nach Russland geschickt. Im Oktober besuchten Vertreter der französischen Stadt Nizza das Land. Auch ihnen geht es um Investments von Russen, deren Käufe von ausländischen Vermögenswerten sich seit 2007 auf 12 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt haben. Die zehn reichsten Russen kommen nach Bloomberg-Schätzungen zusammen auf ein Vermögen von 150 Milliarden Dollar.

“Es wird gekauft was das Zeug hält”, berichtet Georgi Kaschamzow, Leiter Analyse bei Tranio.ru in Moskau, einem Branchenbeobachter, der seine Informationen von mehr als 200 russischen Immobilienmaklern in 43 Ländern einholt. “Die beliebtesten Orte für Luxus-Domizile sind London, gefolgt von der Côte d'Azur. Danach kommen das spanische Marbella, die italienische Riviera und die Toskana.”

Italien, das die vierte Rezession seit 2001 durchmacht, will mit Immobilienverkäufen die Schuldenlast des Landes senken, die zweitgrößte nach Griechenland. Zum Verkauf stehen 46.000 in Staatsbesitz befindliche Objekte im Gesamtwert von 55 Milliarden Euro.

Im Angebot ist etwas das mittelalterliche Schloss Orsini in der Nähe von Rom, das für einen Papst erbaut wurde und als Kulisse für die Hochzeit der Hollywood-Stars Tom Cruise und Katie Holmes diente. Oder eine Villa auf Sizilien, die im 19. Jahrhundert von Ferdinand IV. von Neapel im orientalischen Stil umgebaut wurde.

Scenari Immobiliari, eine italienische Immobilienanalysegesellschaft, rechnet in diesem Jahr mit einem Rekordvolumen von 4.600 Immobilientransaktionen durch Ausländer im Wert von 2,1 Milliarden Euro. Russen, die 2005 nur zwei Prozent der Käufer stellten, kamen im ersten Halbjahr auf 13 Prozent, nach den Briten und Deutschen. “Durch die Krise ergeben sich Gelegenheiten”, sagte Monti.

Kommentare (16)

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Schaarschmidt

06.11.2012, 11:04 Uhr

Und Kanzler Schröder hat damals den Russen großzügig 7,2 Mrd Euro Schulden erlassen.Dabei war schon damals klar,dass die russische Krise bald vorbei geht.Vielen Dank Herr Altkanzler !

Vicario

06.11.2012, 11:11 Uhr

Zitat : die Russen kommen !

Die werden auch wieder gehen, wenn das Russische Volk das Gaunerpack ( Oligarchen ) wieder entmachtet hat, und ihnen das Geklaute wieder abnimmt. Dann werden diese Immobilien wieder zu haben sein, wahrscheinlich auch zu einem viel günstigeren Preis ! [...]! Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Account gelöscht!

06.11.2012, 11:22 Uhr

Prima weiter so, halb Zürich und München gehören schon den Russen. Genial einfach wie Geld gewaschen werden kann und die Nationen buhlen noch um diese "Investoren"
verrückte Welt.

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