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11.09.2014

16:18 Uhr

Schweizer Immobilienmarkt

„Weniger Immigration wird der Markt zu spüren bekommen“

Die Schweiz will die Anzahl neuer Zuwanderer aus der EU begrenzen. Immobilienexperten sehen das als Risiko für das Wachstum des Schweizer Immobilienmarktes. Die Wirtschaft sei das geringere Problem.

„Zu verkaufen“ steht auf einem Schild vor einem Haus. Weniger Immigration könnte zu weniger Nachfrage bei größeren Wohnungen führen. dpa

„Zu verkaufen“ steht auf einem Schild vor einem Haus. Weniger Immigration könnte zu weniger Nachfrage bei größeren Wohnungen führen.

ZürichEinwanderungsbeschränkungen könnten nach den Worten von Thomas Wolfensberger das Wachstum des Immobilienmarktes in der Schweiz bedrohen. „Die Gesetze bezüglich der Masseneinwanderung sind langfristig mehr Grund zur Sorge“ als Probleme wie das kurzfristig stagnierende Wirtschaftswachstum, sagte der Chief Executive Officer bei Peach Property in einem Interview in Zürich, wo der Immobilienentwickler und Investor seinen Sitz hat. „Wir hätten es lieber gesehen, wenn die Grenzen offener geblieben wären.“

Die Schweiz will die Anzahl neuer Zuwanderer aus der Europäischen Union begrenzen, um das Ergebnis eines Votums zur Immigration von Ausländern vom Februar umzusetzen. Eine Initiative, über die im November abgestimmt werden soll, würde die Einwanderungsrate auf 0,2 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung begrenzen.

„Die Nachfrage nach größeren Wohnungen ist eine wichtige treibende Kraft im Immobiliengeschäft“ und weniger Immigration werde zu spüren sein, sagte Wolfensberger am Donnerstag. „Im mittleren Marktsegment ist die Nachfrage einfach größer, wenn mehr Leute da sind, und im Luxussegment haben wir beispielweise vom Zustrom der Deutschen profitiert, der sich nun verlangsamt.“

Die Preise am Schweizer Luxus-Immobilienmarkt haben sich wegen der flauen Nachfrage abgekühlt, sagte Giacomo Balzarini, Finanzvorstand bei PSP Swiss Property, der zweitgrößten börsennotierten Immobiliengesellschaft in der Schweiz, am 19. August.

Die attraktivsten Immobilienmärkte Europas

Die Umfrage

Wie attraktiv sind die Immobilienmärkte Europas - das hat die Unternehmensberatung Ernst & Young 500 Investoren gefragt, die in den vergangenen Jahren auf ihrem nationalen Markt aktiv waren. Dabei sind folgende Ergebnisse herausgekommen:

Platz 1

Polen

Deutschlands östlicher Nachbar bietet der Umfrage zufolge den attraktivsten Standort für Immobilieninvestments. 67 Prozent der Befragten hielten Polens Immobilienmarkt für attraktiv, 33 Prozent gar für sehr attraktiv. Im Europäischen Vergleich sieht die Situation ähnlich aus: 85 Prozent der Befragten fanden beurteilten den Standort als gut oder sehr gut.

Platz 2

Deutschland

Auch Deutschland scheint Immobilienanlegern ein guter Standort zu sein. 67 Prozent der Befragten hielten den Immobilienmarkt hierzulande für attraktiv, nur ein Prozent gab sich skeptisch. Im Europäischen Vergleich hielten 59 Prozent der Befragten Deutschland für besonders attraktiv für Immobilienanlage.

Platz 3

Großbritannien

96 Prozent der Anleger beurteilten Immobilieninvestments auf der britischen Insel als attraktiv oder als sehr attraktiv. Auch im europäischen Vergleich war die Mehrheit dieser Meinung - lediglich zwei Prozent hielten den Markt für weniger lukrativ.

Platz 4

Schweden

30 Prozent der Befragten hielten Immobilieninvestments in Schweden für sehr attraktiv, weitere 65 Prozent zumindest für lohnend. Im Europäischen Vergleich schneidet das skandinavische Land weniger gut ab: Dort halten immerhin zehn Prozent der Befragten es für einen unattraktiven Standort.

Platz 5

Österreich

94 Prozent der Anleger hielten Investments auf dem österreichischen Immobilienmarkt für attraktiv oder sehr attraktiv, so die EY-Umfrage. Im europäischen Vergleich waren es 97 Prozent.

Platz 6

Russland

Rund ein Drittel der Befragten fand, dass sich das Investieren in den russischen Immobilienmarkt lohne. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern scheint das Land jedoch weniger attraktiv zu sein, lediglich 16 Prozent der Befragten fanden, dass sich auch im Europa-Vergleich Russland-Investments besonders lohnen.

Platz 7

Spanien

Für kein anderes Land in der Umfrage sind so viele Investoren der Meinung, dass sich Immobilienkauf lohne, wie für Spanien. 49 Prozent beurteilen den Standort als sehr attraktiv, im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sind 47 Prozent der Befragten dieser Meinung.

Platz 8

Luxemburg

Luxemburg beurteilen 35 Prozent der Befragten als besonders attraktiv, weitere 47 Prozent als attraktiv. Im Europavergleich sehen die Zahlen ähnlich aus: 92 Prozent finden den Standort sehr gut oder gut.

Platz 9

Türkei

Gerade im europäischen Vergleich schneidet die Türkei bei Immobilieninvestoren gut ab. 55 Prozent beurteilen den Markt als besonders attraktiv. Für sich genommen, beurteilen 45 Prozent den Markt als besonders gut. Rund ein Fünftel findet allerdings, dass sich das Investieren in die Türkei weniger lohnt.

Platz 10

Schweiz

Deutlich skeptischer blicken Investoren auf den Schweizer Markt. 20 Prozent halten ihn für sich genommen für wenig attraktiv, im Vergleich zu anderen EU-Staaten gar 30 Prozent. Zugleich sind 35 Prozent der Befragten der Meinung, dass sich Investments in die Schweiz lohnen.

Platz 11

Belgien

Über die Hälfte (54 Prozent) der befragten Investoren findet den belgischen Immobilienmarkt attraktiv, im Europavergleich 58 Prozent. Für besonders attraktiv halten den Markt ein Viertel der Befragten (Europavergleich: 21 Prozent).

Platz 12

Niederlande

Für nicht besonders attraktiv halten 33 Prozent der Befragten den niederländischen Immobilienmarkt - sowohl für sich genommen, als auch im Europavergleich. Immerhin: Über die Hälfte sind der Meinung, dass sich das Anlegen in dortige Häuser und Wohnungen lohne.

Platz 13

Ukraine

Wenn es um den Vergleich zu anderen Ländern Europas geht, ist die Ukraine für die Befragten das schlechteste Land. 44 Prozent halten es für weniger attraktiv. Für sich genommen steht die Ukraine aber gar nicht so schlecht da: Immerhin sind 57 Prozent der Immobilieninvestoren der Meinung, Anlegen würde sich in diesem Land lohnen.

Platz 14

Italien

61 Prozent der Befragten halten den italienischen Immobilienmarkt für attraktiv oder se, 39 Prozent sind der gegenteiligen Meinung. Im Europavergleich steht Italien weniger schlecht da: Dort finden 27 Prozent der Investoren, dass sich der Markt besonders lohne.

Platz 15

Frankreich

Das Schlusslicht im EY-Rating ist Frankreich. 40 Prozent der Investoren halten den Markt für sich genommen für unattraktiv. Im Europavergleich sinkt diese Zahl allerdings auf 18 Prozent.

Aus diesem Grund habe Peach Property seine Bestände diversifiziert. So hat die Gesellschaft ihre Investments in Schweizer und deutschen Immobilien, beispielsweise Wohnimmobilien, verdoppelt und sich aus Luxusprojekten zurückgezogen, sagte Wolfensbergerd.

Diese Strategie habe dem Unternehmen geholfen, den Nettogewinn zu steigern. Im ersten Halbjahr zog der Gewinn um 17 Prozent auf 4,4 Millionen Franken (3,65 Millionen Euro) an.

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