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27.10.2015

13:47 Uhr

Schwieriger Wohnungsmarkt

„Wir müssen hier richtig ackern“

VonJulia Löffelholz

Immobilienpreise klettern ins Unermessliche? Nicht in Pirmasens. Dort steht jede zehnte Wohnung leer, Häuser ab 150.000 Euro gelten als unverkäuflich. Jetzt spricht ein Makler – über eine Stadt, in der kaum jemand leben will.

So günstig wie in der rheinland-pfälzischen Stadt kommt man in Deutschland selten an ein Haus oder eine Wohnung. picture alliance

Tristesse in Pirmasens

So günstig wie in der rheinland-pfälzischen Stadt kommt man in Deutschland selten an ein Haus oder eine Wohnung.

PirmasensDer Putz bröckelt von den Hauswänden, die Fußgängerzone ist wie leergefegt, Neubauten sucht man vergeblich. Willkommen im „ Osten vom Westen“ – wie Pirmasens auch genannt wird. Dabei liegt die 40.000-Einwohner Stadt nur 15 Autominuten von der französischen Grenze entfernt. Doch kaum ein anderer Ort in den alten Bundesländern ist so strukturschwach wie das Städtchen im Südwesten von Rheinland-Pfalz. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, die Einkommen niedrig. In den vergangen vierzig Jahren ist die Einwohnerzahl um ein Drittel gesunken.

Hinterlassen haben die Weggezogenen ihre Wohnungen und Häuser, ihre Geschäfte und Büros. Nachmieter? Fehlanzeige. Rund zehn Prozent der Immobilien in Pirmasens stehen leer. Sie wieder mit Leben zu füllen, ist die Aufgabe von Alexander Schaaf. Er ist Immobilienmakler in Pirmasens. „Ich bin nicht verwöhnt“, sagt er über seinen Job. Hier reißt sich niemand um freie Wohnungen.

Der Makler arbeitet in Pirmasens hart für sein Geld.

Alexander Schaaf

Der Makler arbeitet in Pirmasens hart für sein Geld.

Schaaf entspricht so gar nicht dem Klischee des geschniegelten Maklers. Statt Anzug trägt er ein weißes Shirt über der schwarzen Jeans, dazu Turnschuhe. Die braunen Haare sind nicht ordentlich zurückgegelt, sondern fallen locker über die Ohren. „Ich bin kein Büromensch“, sagt er. „Im Büro verdient ein Makler kein Geld.“ Am liebsten ist er unterwegs. Wenn er mit seinen Kunden telefoniert, verfällt er häufig in den Pfälzer Dialekt. Sein ganzes Leben hat der 46-Jährige hier in Pirmasens verbracht. Auch den Wandel von einer der reichsten Städte Deutschlands zum Sorgenkind des Westens hat er miterlebt.

Als Schuhmetropole Deutschlands war Pirmasens einst bekannt. Von hier aus wurden Schuhe in die ganze Welt exportiert. Der Bildungsstand war niedrig, aber die Löhne hoch. Arbeit gab es genug. Doch an diese Zeit erinnert heute nur das Deutsche Schuhmuseum in der Innenstadt. Die großen Fabriken sind längst dort, wo die Arbeitskräfte billig und die Bestimmungen laxer sind: in Osteuropa, China oder Indien.

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Von den einst mehr als 300 Betrieben sind nur noch knapp 30 geblieben, von 22.000 Arbeitsplätzen in der Schuhindustrie sind heute noch 1200 übrig – ein großer Teil davon bei den Firmen Peter Kaiser und Kennel und Schmenger. Mit den Fabriken verschwand auch das Geld aus Pirmasens. In der Stadt, die einst die höchste Millionärsdichte Deutschlands besaß, lebt heute jedes dritte Kind unter 15 Jahren unterhalb der Armutsgrenze. In kaum einer anderen Stadt Deutschlands sind die Menschen so hoch verschuldet.

Kommentare (14)

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Herr Thomas Ebert

27.10.2015, 13:58 Uhr

Na dann ist doch Pirmasens optimal für die Integration von "Flüchtlingen"! Es gibt zwar keine Arbeit, aber das ist ja immer so: Wo Arbeit ist gibt keine Wohnungen, wo Leerstand ist keine Arbeit!

Account gelöscht!

27.10.2015, 14:17 Uhr

 
Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Ingo Tietz

27.10.2015, 14:17 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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