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21.01.2007

12:27 Uhr

Shopping-Center

Airports profitieren von Kauflust der Fluggäste

VonAnne Wiktorin

Flughäfen haben ein neues Geschäftsmodell entdeckt: Shopping-Center. Die boomen; Betreibern und Investoren winken lukrative Renditen.

HB KÖLN. Wirklich gute Stimmung herrscht nicht im deutschen Einzelhandel. Zwar ist der Handel mit dem Weihnachtsgeschäft des vergangenen Jahres "sehr zufrieden", aufs gesamte Jahr bezogen gab es jedoch wieder keine realen Umsatzzuwächse. Und die erhöhte Mehrwertsteuer, so die Befürchtung, dürfte auch im neuen Jahr die Kauflust der Kundschaft nicht fundamental beflügeln. Die Zeiten bleiben also schwierig für Einzelhändler in der City und erst recht in den Randlagen der Städte. Und doch gibt es ihn noch, den boomenden Einzelhandel. Ausgerechnet an den deutschen Flughäfen brummt das Geschäft: Der fliegende Kunde, so scheint es, ist derzeit der beste Kunde. Die deutschen Airports setzen deshalb auf den Ausbau von Shopping-Flächen - und erwarten für die Zukunft glänzende Geschäfte.

Beispiel Hamburg: In Fuhlsbüttel dreht sich seit diesem Sommer ein Kran der besonderen Art. Einen wie ihn - 53 Meter hoch, Ausleger 75 Meter lang, 20 Tonnen mittlere Tragkraft - gibt es schließlich nur dreimal in Europa. Grund für seinen Einsatz ist der Bau der so genannten Airport-Plaza: Sie markiert die vorerst letzte Etappe des Projekts "Ham 21", wie das 350 Millionen Euro teure Ausbauprogramm des Hamburger Flughafens genannt wird. Nach ihrer Fertigstellung im Herbst 2008 wird das neue Gebäude - Kostenpunkt 80 Mill. Euro - als Verbindung zwischen den Terminals eins und zwei die zentrale Sicherheitskontrolle aufnehmen und zudem auf 4 450 Quadratmetern "entspanntes Einkaufen vor dem Start oder nach der Landung" bieten, wie es in der offiziellen Ankündigung des Flughafens heißt.

Mit anderen Worten: Wer künftig von Hamburg aus in die Welt fliegt oder hier ankommt, wird automatisch die Auslagen der Flughafen-Einzelhändler studieren können. "Bei zwölf Millionen Passagieren im vergangenen Jahr sind das zwischen20 000 und 25 000 Menschen pro Tag", rechnet Hamburgs Flughafensprecherin Stefanie Harder vor. Ein Potenzial, nach dem sich Einzelhändler - und deren Vermieter - nur die Finger lecken können.

Denn was der Kundschaft beim Einkaufen daheim offenbar fehlt, hat sie auf Flughäfen nicht selten im Überfluss: Zeit. Das Warten nach dem Check-in oder vor dem Anschlussflug versüßen sich viele Reisende mit Geldausgeben. Hinzu komme, so Karin Frick, Mitautorin einer Studie zum Thema "Airport Shopping" des Schweizer Gottlieb-Duttweiler-Instituts (GDI) in Rüschlikon, dass eine große Mehrheit der Reisenden das Fliegen immer noch als eine Art "special event" sehe. Und das steigert offenbar die Kauflust. In der Branche ist es daher ein offenes Geheimnis, dass die Umsätze in Flughafenshops um ein Vielfaches höher liegen als selbst in den hoch frequentierten Lagen der innerstädtischen Einkaufsmeilen.

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