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15.06.2011

21:32 Uhr

Sinkende Häuserpreise

Die Immobilienkrise kehrt zurück

Die Häuserpreise in den USA und Teilen Europas sinken wieder kräftig. Experten fürchten, dies könnte den Banken erneut große Probleme bereiten.

Ein Haus in Queens steht zum Verkauf. Quelle: dpa

Ein Haus in Queens steht zum Verkauf.

New York/LondonEine neue Immobilienkrise kündigt sich an. Amerikanischen und europäischen Banken steht womöglich ein Déjà-vu der Ereignisse des Jahres 2008 bevor. Denn in den USA und in Teilen Europas rechnen Experten in naher Zukunft mit einem erneuten Einbruch der Häuserpreise von mehr als zehn Prozent. Allein in den USA könnte das dem Bankensektor nach Berechnungen der Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) bis zu 80 Milliarden Dollar an Abschreibungen und Einnahmeverlusten bescheren. „Wenn sich dieses Szenario bestätigt, erwarten wir Herabstufungen von Bonitätsnoten“, schreibt S&P-Analystin Devi Aurora in ihrer jüngsten Studie.

Die immer noch anhaltende Finanzkrise war durch das Platzen der Preisblase am US-Immobilienmarkt ausgelöst worden. Diese zwang die US-Institute zu Abschreibungen von 150 Milliarden Dollar allein auf Hypotheken. Hunderte vor allem kleinerer Institute gingen pleite, die meisten Großbanken mussten vom Staat gerettet werden. Zwischendurch sah es so aus, als würde sich die Lage entspannen. Gestützt von Konjunkturprogrammen und Steueranreizen für den Hauskauf, stiegen die Preise wieder. Doch als diese Maßnahmen ausliefen, fiel die Erholung wieder in sich zusammen.

Der S&P-Case-Shiller-Hauspreisindex fiel zuletzt unter den Tiefpunkt nach der Krise. Einig sind sich Experten darüber, dass es weiter nach unten gehen wird. Während S&P ein Minus von fünf Prozent für wahrscheinlich hält und schlimmstenfalls 15 Prozent erwartet, sind andere pessimistischer. „Ein Absacken im zweistelligen Prozentbereich steht zu erwarten“, meint dagegen die Staranalystin Meredith Whitney, die als eine der wenigen die Finanzkrise zumindest teilweise vorhergesagt und mit dieser Reputation im Rücken eine eigene Firma aufgebaut hat. Sie begründet ihre Prognose mit der neuerlichen Wachstumsschwäche der US-Wirtschaft und der steigenden Zahl drohender Zwangsversteigerungen.

In Europa hat Irland eine verheerende Immobilienkrise hinter sich, und der Preisrutsch ist noch immer nicht zum Stillstand gekommen. Im April sackten die irischen Hauspreise noch einmal um 1,6 Prozent ab. Damit summieren sich die Verluste seit dem Platzen der Blase im Jahr 2007 auf etwa 40 Prozent. Die Analysten von Barclays Capital rechnen mit einem weiteren Einbruch von bis zu 20 Prozent.
Die Krise sorgte bei den Banken für eine Flut von Kreditausfällen, die das irische Finanzsystem an den Rand des Kollapses brachten. Etwa 70 Milliarden Euro, mehr als 40 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung, musste die Regierung in die Sanierung der maroden Institute stecken. Bis auf die Bank of Ireland sind mittlerweile alle größeren irischen Geldhäuser verstaatlicht. Ein Ende der schlechten Nachrichten für die Banken ist bislang nicht abzusehen.

Auch in Großbritannien ist der Immobilienmarkt wieder ins Rutschen geraten. Die US-Investmentbank Morgan Stanley geht davon aus, dass die Hauspreise 2011 um zehn Prozent nachgeben werden. Das sind schlechte Nachrichten für die britischen Banken, vor allem für den Marktführer am Hypothekenmarkt, Lloyds. Aber auch die Royal Bank of Scotland dürfte leiden, sollte sich die Morgan-Stanley-Prognose bewahrheiten.

Morgan Stanley geht davon aus, dass etwa 60 Prozent des Kreditengagements von Lloyds auf britische Hypotheken entfällt. Sollten die Hauspreise tatsächlich noch einmal um zehn Prozent absacken, wären nach Berechnung der US-Bank bei Krediten im Wert von 90 Milliarden Pfund die Schulden der Eigentümer höher als der Wert ihrer Häuser. Die daraus resultierenden Ausfälle könnten nach Schätzungen der Analysten innerhalb von zwei Jahren ein Loch von 1,4 Milliarden Pfund in die Lloyds-Bilanz reißen.

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