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13.01.2010

13:15 Uhr

Spanische Banken

Immobilienmultis über Nacht

VonAnne Grüttner

Die tiefgreifende Krise auf dem spanischen Immobilienmarkt hat für die Banken des Landes weit reichende Folgen. Weil immer mehr Schuldner aus der Immobilienbranche ihre Kredite nicht zahlen können, sitzen die Institute auf hohen Immobilienbeständen. Inzwischen verkaufen sie mehr Wohnungen und Häuser als die Immobilienmakler.

Zu verkaufende Büroimmobilie in Madrid. Die spanischen Banken sitzen inzwischen auf hohen Immobilienbeständen. dpa

Zu verkaufende Büroimmobilie in Madrid. Die spanischen Banken sitzen inzwischen auf hohen Immobilienbeständen.

MADRID. Über mangelnde Arbeit kann sich Marco Rodríguez nicht beklagen. Acht Besichtigungstermine hat der junge Immobilienmakler heute für das Wohnstudio in einem Neubaukomplex im exklusiven Madrider Viertel Ventas, direkt neben der Stierkampfarena. Das 56 Quadratmeter kleine Studio mit hellem Parkettfußboden, edel ausgestatteter Küchenzeile und einem Whirlpool in der Badewanne ist die letzte von den rund 30 Wohnungen in diesem Komplex, die er noch an den Kunden bringen muss. Und das trotz der schweren Immobilienkrise, die Spaniens Wirtschaft seit über einem Jahr zusetzt.

Spürbar ist die Krise dennoch: Nämlich daran, dass Marcos Auftraggeber und der Besitzer des ganzen Wohnkomplexes nicht etwa eine Immobilienfirma, sondern Spaniens größte Bank Banco Santander ist. Und Santander ist damit keine Ausnahme: Inzwischen verkaufen die Banken mehr Wohnungen und Häuser als die Immobilienmakler des Landes.

Die Gebäude stammen entweder von insolvenzbedrohten Bauträgern oder Immobilienunternehmen, die im Tausch gegen die Immobilien ihre Kredite bei der Bank tilgen konnten. Oder sie kommen von Hypothekenkreditnehmern, die ihre Raten nicht mehr zahlen konnten und ihre Wohnung verloren. Die Banken verkaufen die Wohnungen und Häuser dann mit zum Teil enormen Preisabschlägen weiter. Damit machen sie immer noch weniger Verlust, als wenn sie die Darlehen komplett abschreiben müssten.

Der Neubaukomplex an der Madrider Stierkampfarena etwa gehörte ursprünglich dem Bauträger Nozar. Hätte Santander die Kredite der Immobiliengruppe nicht vorzeitig gegen solche Aktiva abgelöst, müsste die Bank jetzt lange auf eine Rückzahlung ihrer Darlehen warten. Denn Mitte September meldete Nozar Konkurs an, nachdem die Firma monatelang mit zumeist ausländischen Gläubigerbanken vergeblich über eine Refinanzierung ihrer rund 700 Mio. Euro Schulden verhandelt hatte.

Preise im Sinkflug

Santander ist schon kräftig im Preis runtergegangen: Vor einigen Monaten kostete das Wohnstudio, für das die Bank einen Käufer sucht, noch 300 000 Euro, jetzt ist es schon für rund 263 000 Euro zu haben. Santander muss ihre Immobilien möglichst schnell loswerden, denn sind sie nach einem Jahr noch nicht verkauft, fordert die spanische Zentralbank zusätzliche Rückstellungen in Höhe von zehn Prozent des Immobilienwertes. Außerdem "ist es für die Banken sehr teuer dieses enorme Volumen an unproduktiven Aktiva zu halten", sagt Jesús Martínez, Bankenspezialist von Standard & Poor's in Madrid. Allein Banco Santander, unter den Kreditinstituten der größte Player im Immobiliengeschäft, besaß Ende des dritten Quartals Wohnungen, Läden, Büros, Garagen oder Bauland im Wert von rund vier Mrd. Euro.

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