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20.01.2015

11:48 Uhr

Stiftung Warentest und Bausparen

Das Bauspar-Fiasko

Stiftung Warentest schickte seine Tester zu 20 deutschen Bausparkassen. Und die Prüfer wurden fündig: Die Angebote der Vermittler passen nicht zum Kunden. Welche Kassen durchfallen und welche „gut“ sind.

Getty Images

Das Testergebnis spricht nicht gerade für die Bausparkassen. „Kunden von Bausparkassen müssen durch Beratungsfehler und schlechte Angebote oft Tausende Euro zu viel zahlen oder ihren Immobilienkauf um Jahre verschieben“, erklären die Bauspar-Experten der Stiftung Warentest.

Das staatlich finanzierte Institut aus Berlin hatte anonyme Testkunden zu Geschäftsstellen von 20 Bausparkassen geschickt. Die Vermittler sollten am Telefon einen einfachen Modellfall für den Testkunden berechnen.

Viele scheiterten offenbar an der Aufgabe. „Nur drei der 20 Bausparkassen in Deutschland überzeugten im Test“, sagt Heinz Landwehr, kommissarischer Chefredakteur von Finanztest. „Der Unterschied zwischen einer guten und schlechten Leistung einer Bausparkasse machte im Modellfall mehr als 13.000 Euro aus.“

Das Ergebnis betrübt die Tester. „Ein Bausparvertrag ist sinnvoll, wenn man mittel- bis langfristig eine Immobilie bauen, kaufen oder modernisieren möchte und sich gegen steigende Zinsen absichern will“, betont Landwehr. Der Bausparvertrag müsse aber auf die individuellen Ziele abgestimmt sein. Daran hapere es.

Der Blick auf die Testergebnisse ist in der Tat kein Ruhmeszeugnis für die Branche. Keine Kasse wurde mit „sehr gut“ bewertet, nur drei der 20 Kassen erhielten ein „gut“. Auf der unteren Seite der Tabelle stehen drei Bausparkassen mit „ausreichend“ und vier mit „mangelhaft“. Unter den schwarzen Schafen finden sich bekannte Namen, etwa die LBS West und Rheinland Pfalz oder die Deutsche Bank Bauspar. Alle Ergebnisse stehen in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Finanztest“.

Diese Bausparkassen sollten Sie lieber meiden

Die schlechtesten Bausparkassen

Wenn Ihre Kundendaten kaum erfasst werden, ihr Bausparwunsch unberücksichtigt bleibt, die Finanzierungskosten unnötig hoch sind, Informationen in der Angebotsbroschüre fehlen und beim Beratergespräch auf Diskretion kein Wert gelegt wird, dann sind Sie mit Sicherheit bei einer Bausparkasse, die durch die Test von „Finanztest“ durchgefallen ist. Auf den folgenden Klappen finden Sie die schlechtesten Bausparkassen im Vergleich.

Platz 7

Deutsche Ring
Erfassung Kundenstatus: Ausreichend (4,5)
Qualität des Angebots: Ausreichend (3,6)
Kundeninformation: Ausreichend (3,6)
Begleitumstände: Sehr gut (0,9)
Gesamtnote: Ausreichend (3,6)

Platz 6

Bausparkasse Mainz
Erfassung Kundenstatus: Befriedigend (3,3)
Qualität des Angebots: Befriedigend (3,4)
Kundeninformation: Mangelhaft (5,0)
Begleitumstände: Befriedigend (2,9)
Gesamtnote: Ausreichend (3,9)

Platz 5

BHW
Erfassung Kundenstatus: Ausreichend (3,7)
Qualität des Angebots: Ausreichend (4,0)
Kundeninformation: Mangelhaft (5,1)
Begleitumstände: Sehr gut (1,5)
Gesamtnote: Ausreichend (4,2)

Platz 4

LBS West
Erfassung Kundenstatus: Ausreichend (3,7)
Qualität des Angebots: Mangelhaft (4,6)
Kundeninformation: Mangelhaft (5,0)
Begleitumstände: Gut (1,8)
Gesamtnote: Mangelhaft (4,6)

Platz 3

Aachener
Erfassung Kundenstatus: Befriedigend (3,5)
Qualität des Angebots: Mangelhaft (4,9)
Kundeninformation: Befriedigend (3,4)
Begleitumstände: Befriedigend (2,6)
Gesamtnote: Mangelhaft (4,9)

Platz 2

Deutsche Bank Bauspar
Erfassung Kundenstatus: Befriedigend (2,7)
Qualität des Angebots: Mangelhaft (5,5)
Kundeninformation: Sehr gut (1,5)
Begleitumstände: Gut (1,8)
Gesamtnote: Mangelhaft (4,9)

Platz 1

LBS Rheinland-Pfalz
Erfassung Kundenstatus: Ausreichend (3,6)
Qualität des Angebots: Mangelhaft (5,4)
Kundeninformation: Mangelhaft (4,9)
Begleitumstände: Sehr gut (1,4)
Gesamtnote: Mangelhaft (5,4)

Quelle: Finanztest.

Das Urteil der Stiftung fällt vernichtend aus. „Gepatzt haben die Berater in allen Disziplinen“, sagt Holger Brackemann, Bereichsleiter Untersuchungen bei Stiftung Warentest. „Wäre der Bausparvertrag ein Anzug, hätte er in vielen Fällen ähnlich gut gepasst wie in dem legendären Loriot-Sketch zum Anzugkauf: entweder viel zu knapp oder viel zu groß.“

Die Branche versucht sich zu rechtfertigen. „In einzelnen Beratungen wurden aber offenbar Fehler gemacht, dies gilt es jetzt genauer zu analysieren“, erklärt ein Sprecher des Verbandes der Privaten Bausparkassen. Für ein abschließendes Urteil sei es noch zu früh. „Ziel ist es selbstverständlich, durchgängig nicht nur eine hohe Produktqualität, sondern auch eine hohe Beratungsqualität zu gewährleisten“, sagt der Sprecher. In der Vergangenheit hätte seine Branche dafür „erhebliche Anstrengungen für Schulungen und die technische Unterstützung unternommen“.

Woran scheiterten so viele Bauspar-Berater? Die Vorgaben erscheinen nicht sehr komplex. In zehn Jahren sollte eine Immobilie finanziert werden. Vom Nettoeinkommen von 2.200 Euro pro Monat kann der Testkunde 400 Euro monatlich ansparen. Zusätzlich lagen 15.000 Euro auf einem Tagesgeldkonto. Und mit genau der gleichen Legende gingen die Tester bereits im Jahr 2012 an den Start. „Es wurden wieder die gleichen Fehler wie im letzten Test gemacht“, sagt Brackemann.

Kommentare (10)

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Herr Karsten Schiefelbein

20.01.2015, 12:13 Uhr

Während die ganze Finanzbranche mittlerweile überreguliert ist und vor lauter Belehrungen, Protokollen u.s.w. kaum noch ein flüssiges Beratungsgespräch möglich ist, schließt der Gesetzgeber seit Jahren nicht die Lücke bei der Darstellung des effektiven Jahreszinses bei vorfinanzierten Bausparverträgen. Ein Schelm, der da an die Macht einer starken Bausparlobby denkt.

Regelmäßig fallen dadurch Kunden auf Effektivzinsen bei vorfinanzierten Bausparmodellen herein, die zwar juristisch gesehen korrekt dargelegt sind, mathematisch jedoch nicht, weil der Margenverlust in der Ansparphase nach wie vor nicht transparent gemacht werden muss.

Nur wenige Bausparkassen veröffentlichen den Zinssatz nach Zahlungsstrommodell freiwillig. Diese veröffentlichen vorbildlich den Sollzinssatz, den effektiven Jahreszins nach PangV und den Vergleichszinssatz zur Tilgungshypothek, und nur letzterer ist für einen objektiven Vergleich dienlich (und i.d.R. ca. 0,3% bis 0,5% höher als der gesetzlich vorgeschriebene Effektivzins).

Noch komplizierter wird es dann, wenn der Wohnriester ins Spiel kommt. Die dem Kunden zufließende Förderung wird werbewirksam unterstrichen, ebenso die ggf. wirksame Steuerrückerstattung, die Belastung im Alter durch die Versteuerung des Wohnförderkontos hingegen nur am Rande und oft nur unkonkret erwähnt.

Ich treffe regelmäßig auf diese mathematisch hochkomplexe Kombination aus vorfinanziertem Bausparvertrag und Förderung nach Wohnriester, und aus derartigen Modellen wirklich einen Effektivzins herauszuarbeiten gelingt nur mit anspruchsvoller Software, die den ganzen Zahlungsstrom auseinander nimmt.

Das ganze Problem wäre bei konsequenter Anwendung der Mathematik ganz einfach lösbar, leider verstricken sich die Gesetzgeber in Brüssel und Berlin stattdessen in Juristerei, weil sie meist selbst nicht rechnen können.

Die neuen Richtlinien die ab 2016/2017 für Immobilienfinanzierer gültig werden, geben da leider wenig Raum für Hoffnung, dass sich das ändern wird...

Herr Heinz Keizer

20.01.2015, 12:52 Uhr

leider ist es auch bei konsequenter Anwendung der Mathematik nicht einfach lösbar, wenn unterschiedliche Tatbestände verglichen werden. Der Effektivzins ist z.B. nur aussagefähig, wenn ich gleiche Laufzeiten mit gleicher Zinsfestschreibung vergleiche. Ansonsten taucht als verständlichstes Problem die angenommene Verzinsung nach Ablauf der Zinsbindung auf. Rechne ich mit dem derzeitigen Zinssatz z.B. für 10 Jahre auf die nächsten 10 Jahre weiter, oder nehme ich z.B. den derzeitigen (niedrigeren) Zinssatz für variable Darlehen. Wenn keine neue Zinsfestschreibung erfolgt, wird es ja variabel weitergeführt und den Zinssatz in 10 Jahren kennt keiner. Dass dabei aber unterschiedliche Effektivzinssätze rauskommen, kann noch jeder nach voll ziehen. Die sonstigen mathematischen Probleme des Effektivzinssatzes verstehen nur Finanzmathematiker, keinesfalls Verbraucher oder Politiker, auch keine Bank- oder Bausparkassenberater.

Herr Manfred Zimmer

20.01.2015, 13:16 Uhr

Korrekt!

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