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01.10.2014

16:15 Uhr

Studenten ohne Wohnung

Die Ochsentour in den großen Städten

VonRoman Tyborski, Marcel Reich, Timo Steppat, Jens Hagen

Die Wohnungsmärkte in den Metropolen spielen verrückt. Darunter leiden Studenten, die jetzt eine Bleibe suchen. In welchen Städten die Wohnungssuche aussichtslos erscheint. Und wie Studenten trotzdem fündig werden.

Schwarzes Brett: Bei der Wohnungssuche trennt sich die Spreu vom Weizen. Imago

Schwarzes Brett: Bei der Wohnungssuche trennt sich die Spreu vom Weizen.

Solche Nachrichten hört kein Student gerne. Die Wohnsituation für Studenten habe sich zum Wintersemester noch einmal deutlich verschärft, meldet der Berliner Immobilienentwickler GBI. Vor allem die Metropolen seien betroffen. In fünf der Top-Sieben-Städte habe sich die Lage für wohnungsuchende Studenten verschlechtert und das von einem bereits miserablen Niveau.

Beispiel München, der schlimmste Wohnungsmarkt für Studenten. 13,40 Euro kostet der Quadratmeter durchschnittlich. 490 Euro zahlen Studierende im Schnitt für ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft. Kein Pappenstiel bei durchschnittlichen Einnahmen von insgesamt 890 Euro. Und gerade mal jeder zehnte Studierende ergattert einen Platz in einem günstigeren Wohnheim.

Der Münchner Markt kann die knapp 18.000 neuen Studenten kaum aufnehmen. Im Saldo ziehen jedes Jahr mehr als 21.000 jungen Menschen neu nach München. Gerade einmal 15 Prozent der Studierenden haben eine eigene Wohnung. Auch in Hamburg und Frankfurt ist die Wohnungssituation für Studierende verheerend. Selbst in Städten wie Berlin, lange Jahre Mekka für günstigen Wohnraum, verschärft sich die Lage, ebenso in klassischen Unistädten wie Konstanz, Freiburg und Darmstadt.

„Diese Ergebnisse zeigen, wie stark die allgemeine Steigerung der Immobiliennachfrage die Wohnsituation der Studierenden beeinflusst“, sagt Stefan Brauckmann, Leiter Research der GBI. „Der dadurch entstehende Verdrängungswettbewerb trifft Studierende und andere junge Menschen in der Ausbildungsphase besonders hart.“

Der studentische Wohnungsmarkt in Zahlen

Mainz

Mietniveau (2014): 9,30 Euro
WG-Preis: 333 Euro
Monatliche Einnahmen eines Studenten*: 871 Euro
Wanderungssaldo der 18- bis 29-Jährigen pro Jahr: 2483
Studierendenzahl: 41.007
Erstsemester: 4566
Unterbringungsquote Wohnheim: 10,7 Prozent
Unterbringungsquote Wohnung alleine: 18 Prozent
*darin enthalten sind unter anderem Löhne von Studentenjobs, Bafög, Unterstützung durch die Eltern usw. Quelle: GBI.

Düsseldorf

Mietniveau: 9,40 Euro pro Quadratmeter
WG-Preis: 366 Euro
Monatliche Einnahmen: 889 Euro
Wanderungssaldo: 6148
Studierendenzahl: 36.407
Erstsemester: 6532
Wohnheim: 10,6 Prozent
Wohnung alleine: 19 Prozent

Münster

Mietniveau: 8,90 Euro pro Quadratmeter
WG-Preis: 310 Euro
Monatliche Einnahmen: 889 Euro
Wanderungssaldo: 3820
Studierendenzahl: 48.854
Erstsemester: 6826
Wohnheim: 13,4 Prozent
Wohnung alleine: 19 Prozent

Tübingen

Mietniveau: 9,40 Euro
WG-Preis: 340 Euro
Monatliche Einnahmen: 857 Euro
Wanderungssaldo: 1565
Studierendenzahl: 26.419
Erstsemester: 4697
Wohnheim: 17,3 Prozent
Wohnung alleine: 13 Prozent

Karlsruhe

Mietniveau: 8,70 Euro pro Quadratmeter
WG-Preis: 320 Euro
Monatliche Einnahmen: 857 Euro
Wanderungssaldo: 4652
Studierendenzahl: 39.632
Erstsemester: 8259
Wohnheim: 11,1 Prozent
Wohnung alleine: 13 Prozent

Darmstadt

Mietniveau: 9,30 Euro pro Quadratmeter
WG-Preis: 350 Euro
Monatliche Einnahmen: 848 Euro
Wanderungssaldo: 2366
Studierendenzahl: 42.230
Erstsemester: 6181
Wohnheim: 7,8 Prozent
Wohnung alleine: 14 Prozent

Freiburg

Mietniveau: 9,50 Euro pro Quadratmeter
WG-Preis: 350 Euro
Monatliche Einnahmen: 857 Euro
Wanderungssaldo: 3482
Studierendenzahl: 31.763
Erstsemester: 5698
Wohnheim: 14,1 Prozent
Wohnung alleine: 13 Prozent

Konstanz

Mietniveau: 10,90 Euro pro Quadratmeter
WG-Preis: 370 Euro
Monatliche Einnahmen: 857 Euro
Wanderungssaldo: 1377
Studierendenzahl: 15.504
Erstsemester: 3251
Wohnheim: 17,5 Prozent
Wohnung alleine: 13 Prozent

Heidelberg

Mietniveau: 10,00 Euro pro Quadratmeter
WG-Preis: 358 Euro
Monatliche Einnahmen: 857 Euro
Wanderungssaldo: 2217
Studierendenzahl: 37.301
Erstsemester: 5921
Wohnheim: 15,8 Prozent
Wohnung alleine: 13 Prozent

Berlin

Mietniveau: 8,20 Euro pro Quadratmeter
WG-Preis: 350 Euro
Monatliche Einnahmen: 922 Euro
Wanderungssaldo: 36.399
Studierendenzahl: 156.848
Erstsemester: 24.158
Wohnheim: 5,7 Prozent
Wohnung alleine: 21 Prozent

Stuttgart

Mietniveau: 10,20 Euro pro Quadratmeter
WG-Preis: 375 Euro
Monatliche Einnahmen: 857 Euro
Wanderungssaldo: 7805
Studierendenzahl: 53.051
Erstsemester: 11.340
Wohnheim: 13,5 Prozent
Wohnung alleine: 13 Prozent

Köln

Mietniveau: 9,40 Euro pro Quadratmeter
WG-Preis: 365 Euro
Monatliche Einnahmen: 889 Euro
Wanderungssaldo: 10.999
Studierendenzahl: 85.487
Erstsemester: 12.054
Wohnheim: 7,5 Prozent
Wohnung alleine: 19 Prozent

Frankfurt am Main

Mietniveau: 11,70 Euro pro Quadratmeter
WG-Preis: 414 Euro
Monatliche Einnahmen: 848 Euro
Wanderungssaldo: 9025
Studierendenzahl: 56.383
Erstsemester: 7206
Wohnheim: 6,7 Prozent
Wohnung alleine: 14 Prozent

Hamburg

Mietniveau: 10,40 Euro
WG-Preis: 400 Euro
Monatliche Einnahmen: 954 Euro
Wanderungssaldo: 17.059
Studierendenzahl: 80.847
Erstsemester: 12.405
Wohnheim: 8,8 Prozent
Wohnung alleine: 14 Prozent

München

Mietniveau: 13,40 Euro pro Quadratmeter
WG-Preis: 490 Euro
Monatliche Einnahmen: 891 Euro
Wanderungssaldo: 21.611
Studierendenzahl: 105.965
Erstsemester: 18.922
Wohnheim: 10,9 Prozent
Wohnung alleine: 15 Prozent

Die Lage scheint prekär. Aber wie gehen die Studenten selbst damit um? Drei studentische Aushilfen des Handelsblatts berichten, wie sie in den Brennpunkten des Immobilienbooms eine Wohnung ergattert haben oder abgeblitzt sind. Alle drei sind bestens ausgebildet und haben eine hervorragende Karriereperspektive.

Roman Tyborski versuchte in Köln eine Wohnung zu finden, Marcel Reich schildert seine Versuche in Düsseldorf. und Timo Steppat aus München. Die Erfahrungsberichte der drei Studenten zeigen den alltäglichen Wahnsinn des deutschen Mietmarktes, auf dem sich die Hochbegabten bei der Wohnungssuche mächtig quälen müssen.

Kommentare (9)

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Kai Betke

01.10.2014, 16:51 Uhr

Ich bin selbst seid Jahren Berliner Student und da ich ich viele Studis an diversen Hochschulen in Berlin kenne, kenne ich auch deren Vorstellungen. Meistens frage ich als erstes die Studis warum sie nach Berlin gekommen sind. Dann kommen Antworten weil große Stadt, viele unterschiedliche Leute, Parties und immer was los. Meist kommt dann der Grund Studium an 5 Stelle. Dann frage ich wo sie gerne in Berlin wohnen wollen. Dann heißt es zentral am besten Friedrichhain, Mitte, Kreuzberg ggf. Neuköln. Dann sage ich dann musste aber mindestens 50 Euro Zentrumszuschlag zahlen. Das ist dann den Leuten egal. In Bezirken wie Hellersdorf, Marzahn, Treptow Köpenick wo die Miete die hälfte kostet und die Wohnungen dabei ruhiger und sicherer gelegen sind und oft gleichzeitig in besserem Zustand da will keiner wohnen.

Herr Gerhard Schoen

01.10.2014, 17:18 Uhr

Kann zu den Berichten nur den Kopf schütteln: wer kurz vor Toresschluss noch eine bezahlbare und akzeptable Wohnung bekommen will, dem ist nicht mehr zu helfen. Wenn ich weiß, dass ich in XY, also einer Großstadt, studieren will, dann muss ich mindestens ein viertel, besser ein halbes Jahr vorher zu suchen anfangen. Richtig: Mundpropaganda ist (meist) besser als Internet. Und: ich als Vater bin mit Sohnemann gegangen und ICH habe geklingelt und ICH unterschreibe den Mietvertrag. Soviel zum (finanziellen) Vertrauen schaffen. OK: für Party machen und nebenbei vielleicht studieren kriegt Sohnemann nichts.

Herr Ylander Ylander

01.10.2014, 17:55 Uhr

Wenn wir halb so viele Studenten hätten, wäre es noch zu viel. Wir haben nicht so viele Akademiker-Jobs.

Also: Messlatte höher hängen, Seuche Sozialismus ausräuchern, und die Wohnungslage entspannt sich.

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