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19.07.2017

15:40 Uhr

Studie

Deutschland wohnt zur Miete

VonAndreas Neuhaus

Nirgendwo sonst in Europa wohnen so viele Menschen zur Miete wie in Deutschland. Doch dafür sind nicht etwa überhöhte Immobilienpreise verantwortlich, zeigt eine aktuelle Studie.

Deutsche Wohnunterkünfte sind auch bei nationalen und internationalen Investoren zunehmend beliebt. dpa

Mietwohnungen in Hamburg

Deutsche Wohnunterkünfte sind auch bei nationalen und internationalen Investoren zunehmend beliebt.

FrankfurtDie meisten Deutschen wünschen sich Wohneigentum: viele als Altersabsicherung, manche auch als Statussymbol. Doch tatsächlich leben etwas mehr als die Hälfte der Deutschen zur Miete. Nirgendwo anders in Europa ist die Quote auch nur annähernd so hoch. Dabei sind die Bedingungen für den Erwerb von Wohneigentum fast nirgendwo so gut wie in Deutschland. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Deloitte Property Index.

54,4 Prozent der Deutschen leben zur Miete. Europaweit ist das einsame Spitze, auf Platz zwei folgt Dänemark mit einem Wert von 34,4 Prozent. So richtig erklären, kann sich Michael Müller, Partner und Leiter Real Estate & Construction bei Deloitte, diesen extremen Unterschied nicht. „In den meisten europäischen Ländern gilt das selbstgenutzte Wohneigentum als Normalfall. Deutschland ist europaweit die große Ausnahme – trotz vielfältiger Finanzierungsmöglichkeiten, niedriger Zinsen und einer insgesamt guten wirtschaftlichen Lage der meisten Bürger“, erklärt Müller.

Immobilien in Deutschland – Tops und Flops

Geteilter Markt

In Ballungsgebieten und attraktiven Universitätsstädten steigen die Preise rasant. Strukturschwache Regionen erleben Bevölkerungs- und Wertverluste.

Freiburg: +8%

Hohe Lebensqualität, die Universität und attraktive Technologie- und Dienstleistungs-Arbeitsplätze ziehen Menschen an. Wohnungen sind knapp und teuer.

Erlangen: +8%

+7,7 Prozent. An diesem wichtigen Medizintechnikstandort treiben hochqualifizierte Arbeitnehmer mit hohen Einkommen Wohnungsnachfrage und -preise.

Hier finden Sie die Trendviertel von Erlangen, Nürnberg und Fürth.

Darmstadt: +7%

Die angesehene technische Universität und die Chemie- und Pharmabranche sowie die Nähe zur Metropole Frankfurt machen die Stadt attraktiv.

Eisenach: -2%

Die Wartburg, Wahrzeichen der Stadt, und die hübsch restaurierte Altstadt ziehen Touristen an, aber keine Menschen, die dort dauerhaft leben möchten.

Salzgitter: -0,4%

Die erst 1942 gegründete Stadt hing lange Zeit am Stahl. Seit die Zahl der Beschäftigten sinkt verliert sie Einwohner. Wo Nachfrage fehlt, fallen die Preise.

Deloitte stellt in seiner Studie für Deutschland auch ein durchaus starkes Interesse an Wohnimmobilien fest – allerdings nicht nur aus privater und inländischer Sicht. Deutsche Wohnunterkünfte sind demnach auch bei nationalen und internationalen Investoren zunehmend beliebt. Ausschlaggebend dafür seien die positiven ökonomischen Perspektiven in Deutschland im allgemeinen, die günstigen Aussichten für den Wohnungsmarkt und eine zunehmende Konzentration auf die prosperierenden Städte.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch eine Analyse des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) und nennt als Beispiel München. Dort träfen die höchste Siedlungsdichte und die geringsten Flächenpotenziale mit einem starken Bevölkerungswachstum zusammen. „Für viele Wohnungssuchende bleiben oft nur zwei Möglichkeiten: Entweder sie reduzieren die Wohnfläche oder suchen sich eine Bleibe im Umland“, erklärt BBSR-Expertin Brigitte Adam. Ähnlich sei die Situation in anderen Metropolen wie Hamburg, Köln und Frankfurt.

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