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22.06.2017

11:44 Uhr

Studie

Steigende Wohnungsnot außerhalb der Großstädte

VonAndreas Neuhaus

Nicht nur in den Großstädten werden Wohnungen knapp, auch außerhalb der Ballungsräume wächst die Wohnungsnot. Eine neue Studie stuft die Situation in 138 Städten und Kreisen als problematisch ein.

Wohnungsnot in Deutschland

„Es wurden einfach zu wenige Mietwohnungen gebaut“

Wohnungsnot in Deutschland: „Es wurden einfach zu wenige Mietwohnungen gebaut“

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BerlinWohnung sind nicht mehr nur in Ballungsräumen knapp und teuer. Mittlerweile ist in einem Drittel der regionalen Wohnungsmärkte der Wohnraum knapp. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Gutachterinstituts Prognos.

Wie Prognos mitteilte, ist die Situation in 138 Städten und Kreisen problematisch – also in jeder dritten Kommune. Und die Situation könnte sich noch weiter verschärfen, denn die Nachfrage nach Wohnraum steigt in diesen Gebieten deutlich stärker als der neue Wohnraum. „Die Wohnungsampel steht auf Hell- oder sogar schon Dunkelrot“, heißt es deshalb in den Studie. Selbst für Haushalte mit mittleren Einkommen werde es immer schwieriger, bezahlbare Wohnungen zu finden. „Das Phänomen des Wohnungsmangels geht dabei deutlich über die Metropolen und Ballungsräume hinaus“, heißt es in der Analyse weiter. In Auftrag gegeben hat die Studie das Verbändebündnis Wohnungsbau, zu dem sieben Verbände und Organisationen der Bau- und Immobilienbranche gehören.

Charakterisierung der regionalen Wohnungsmarkttypen

Top-Sieben

Anzahl: 7
Beispiele: Berlin, München, Hamburg, Düsseldorf, Köln, Frankfurt, Stuttgart
Charakteristika: sehr starke Bevölkerungszunahme, durchschnittliche Angebotsentwicklung, extremer Wohnungsnachfrageüberhang (38 Prozent der Wohnungsbaulücke seit 2011), sehr starkes Beschäftigungswachstum, höchste Arbeitsplatzdichte, sehr große Kaufkraft

Quelle: Prognos 2017

Sehr angespannte Wohnungsmärkte (B-Standorte)

Anzahl: 35
Beispiele: Münster, Freiburg, Karlsruhe, Leipzig, Potsdam, Darmstadt, Fürstenfeldbruck, Offenbach, Ulm, Regensburg, Trier
Charakteristika: starkes Bevölkerungswachstum insb. durch Zuzug, höchste relative Angebotsentwicklung (3,3 Prozent), deutlicher Nachfrageüberhang führt zu geringem Deckungsgrad (46 Prozent), sehr hohe Arbeitsplatzdichte und starke Beschäftigungsentwicklung, deutlich erhöhte Kaufkraft

Angespannte Wohnungsmärkte (C-Standorte)

Anzahl: 96
Beispiele: Dresden, Erfurt, Kiel, Schwerin, Ravensburg, Freising, Emsland, Harburg, Mainz-Bingen, Neuss
Charakteristika: Deutlicher Anstieg der Haushaltsentwicklung, überdurchschnittliche Angebotserweiterung, verringerter Deckungsgrad (64 Prozent) der Wohnungsnachfrage seit 2011, hohe Arbeitsplatzdichte und überdurchschnittliche Beschäftigungsentwicklung, durchschnittliche Kaufkraft

Relativ ausgeglichene Wohnungsmärkte

Anzahl: 93
Beispiele: Dortmund, Rostock, Solingen, Soest, Verden, Fulda, Waldshut, Germersheim, Havelland
Charakteristika: Durchschnittlicher Anstieg der Haushaltsentwicklung sowie des Wohnungsbestands, relativ ausgeglichener Deckungsgrad von 90 Prozent, durchschnittliche Kaufkraft, leicht überdurchschnittliche Beschäftigungsentwicklung

Wohnungsmärkte mit stagnierender Nachfrage

Anzahl: 101
Beispiele: Hildesheim, Celle, Duisburg, Höxter, Ostholstein, Hof, Chemnitz, Oder-Spree
Charakteristika: Stagnierende Wohnungsnachfrage bei leichter Zunahme des Angebots, Deckungsgrad von über 100 %, geringe Arbeitsplatzdichte, leicht unterdurchschnittliche Beschäftigungsentwicklung sowie geringe Kaufkraft

Wohnungsmärkte mit rückläufiger Nachfrage

Anzahl: 70
Beispiele: Uckermark, Gera, Goslar, Kyffhäuserkreis, Anhalt-Bitterfeld, Pirmasens, Herne, Vogtland
Charakteristika: Rückläufige Wohnungsnachfrage und Angebotsüberhang, keine Wohnungsbaulücke, Abwanderung, geringe Arbeitsplatzdichte und deutlich unterdurchschnittliche Beschäftigungsentwicklung sowie sehr geringe Kaufkraft

Insbesondere in den wirtschaftlichen Ballungsräumen und Universitäts- und Großstädten stieg die Wohnungsnachfrage überproportional stark. Besonders prekär ist die Lage weiterhin in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, München und Stuttgart. In diesen sieben Städten kann sich laut der Studie eine Familie mit einem mittlerem Einkommen von 2168 Euro netto weniger als 70 Quadratmeter leisten. Die Experten gehen dabei davon aus, dass eine Familie 35 Prozent des Haushaltseinkommens für die Warmmiete ausgibt. Im Bundesdurchschnitt bekäme man für 759 Euro warm 77 Quadratmeter.

Auch Leipzig, Trier, Offenbach und Landshut gehören zu den Wohnungsmärkten mit dem stärksten Anstieg der Wohnungsnachfrage. Gleiches gilt für Städte und Landkreise im Umland wachstumsstarker Ballungsräume (u. a. München, Stuttgart, Ulm/Bodensee/Oberschwaben, Südlicher Oberrhein, Rhein-Neckar, Rhein-Main, Hamburg und Berlin) – zumeist das Ergebnis eines starken Pendleraufkommens. Allerdings ging auch fast in jedem fünften regionalen Wohnungsmarkt die Wohnungsnachfrage zurück. Davon betroffen sind in erster Linie ländliche Teilräume in Ostdeutschland und strukturschwache Landkreise in Westdeutschland.

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„In vielen Orten können sich selbst Durchschnittsverdiener einen Umzug nicht mehr erlauben. Die Bezahlbarkeit von Wohnraum ist für mehr als die Hälfte der Bevölkerung eine finanzielle Herausforderung“, sagte der Chef der Gewerkschaft IG Bauen-Agrar-Umwelt, Robert Feiger, der Deutschen Presse-Agentur. „Der Wohnungsmangel ist damit in der Mitte der Gesellschaft angekommen.“

Kommentare (3)

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Herr Heinz Keizer

22.06.2017, 09:41 Uhr

Eine Familie mittleren Einkommens? Wieviele Kinder hat die Familie denn? Bei einem Kind reichen die 70 qm doch. Zu dem Nettoeinkommen kommen noch Kindergeld und Wohngeld. Also etwas konkreter wäre nicht schlecht. Wenn der Staat ständig dafür sorgt, dass bauen immer teurer wird, müssen wir uns doch nicht über unbezahlbare Mieten wundern. Hinzu kommt, dass sich ein Privatmann das Vermieten kaum noch antut bei der Gesetzgebung und Rechtssprechung.

Rainer von Horn

22.06.2017, 15:46 Uhr

Ooch, beengt wird es in Deutschland doch erst, wenn mehr als 500 Mio hierhin gefunden haben....

Frau Annette Bollmohr

22.06.2017, 17:32 Uhr

Den in diesem Artikel aufgezeigten Lösungsansatz – eine Art Austauschs des vorhandenen Wohnraums - finde ich im Prinzip auch auf den hiesigen Immobilienmarkt insgesamt übertragen gar nicht schlecht:
http://www.rp-online.de/nrw/panorama/duesseldorfer-wohnungskonzern-leg-senioren-sollen-platz-fuer-familien-machen-aid-1.6895545, hier ein Ausschnitt daraus:

„… gibt es immer mehr Senioren, die mit zunehmendem Alter von ihrer inzwischen zu groß gewordenen Wohnung überfordert sind. Eventuell auch finanziell …"

Aber n u r, wenn dahinter keinerlei Zwang steht (in Form von Vorschriften, Gesetzen etcpp.).

Heißt, man macht den Leuten ein Angebot bzw. einen Vorschlag (in Form von einer Struktur aus Hinweisen und Informationen, auf die sie sonst wahrscheinlich gar nicht kommen würden) und überlässt es dann jedem selbst, ob und ggfs. in welcher Form er davon Gebrauch machen will.

Natürlich kann ein solcher Ansatz das Problem auch nur etwas mildern, nicht es lösen.

Aber bedenkenswert wäre er m.E. durchaus.

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