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08.07.2016

16:00 Uhr

Tool der Woche – Baugeld

Es kann noch billiger werden

VonReiner Reichel

Für Deutschlands Bauherren ist die Abkehr der Briten von Europa bares Geld wert. Der Brexit zieht die ohnehin niedrigen Baugeldzinsen auf ein Rekordtief. Hauskäufern bleibt deshalb mehr Geld in der Haushaltskasse.

Baugeld für 15 Jahre gibt es zurzeit für weniger als 1,5 Prozent Zinsen pro Jahr. Imago

Geld zum Bauen bleibt günstigGeld zum Bauen bleibt günstig

Baugeld für 15 Jahre gibt es zurzeit für weniger als 1,5 Prozent Zinsen pro Jahr.

DüsseldorfBritische Hausbesitzer zittern, deutsche Immobilienkäufer sind tiefenentspannt. Auf der Insel droht die Wirtschaft nach dem „Nein“ zur Europäischen Union in eine Rezession zu geraten, die auch Immobilienwerte vernichten könnte. Hierzulande hat der Brexit vor allem Folgen für die Baugeldzinsen: Sie sinken Tag für Tag weiter nach unten. Der FMH-Index für Baugeld der FMH Finanzberatung zeigt für Baudarlehen mit zehnjähriger Zinsbindung rekordtiefe 1,15 Prozent an. Der Index bildet den Mittelwert der Baugeldkonditionen von 40 ausgewählten Instituten ab.

Mittelwert, wohlgemerkt – was bedeutet: Es lässt sich noch billiger finanzieren. Das zeigt der Vergleich von Baugeldkonditionen. Wer drei Prozent Anfangstilgung wählt und sein Häuschen oder Apartment mit nicht mehr als 60 Prozent beleiht, findet Banken, die Baugeld für weniger als ein Prozent Effektivzins verleihen. Weniger als drei Prozent Tilgung sollten es angesichts des niedrigen Zinsniveaus aber auch nicht sein. „Wir raten angesichts der Billigzinsen weiterhin zu hohen Anfangstilgungen von möglichst drei und mehr Prozent, um die Kreditkosten und die Darlehenslaufzeit zu minimieren“, empfiehlt Michiel Goris, Chef des Baufinanzierungsvermittlers Interhyp.

Mit Niedrigzinsen zum Eigenheim

Warum lohnt sich derzeit der Bau oder Kauf eines Hauses besonders?

Langfristige Baukredite mit festen Zinsen für zehn Jahre gibt es derzeit mit einer Verzinsung von deutlich unter zwei Prozent. Allerdings haben die Preise für Immobilien besonders in Großstädten in den vergangenen Jahren deutlich angezogen.

Sind Immobilien eine gute Geldanlage?

Immobilien gelten nicht als Renditeknüller. Allerdings sind sie gerade in Krisenzeiten Verbraucherexperten zufolge eine solide Geldanlage. Der Wert einer Immobilie ist vergleichsweise sicher - vorausgesetzt, Preis, Qualität und Lage stimmen. In jedem Fall sollte ein Immobilienkauf gut überlegt sein.

Wie finde ich den günstigsten Kredit?

Hier hilft nur ein Vergleich der verschiedenen Anbieter, wobei die Auswahl an Krediten laut Stiftung Warentest derzeit besonders groß ist. Bauherren und Käufer können dafür Vergleichsrechner im Internet nutzen. Auch Verbrauchermagazine und Zeitungen liefern häufig aktuelle Zinskonditionen. Die Hausbank kann ein wichtiger Ansprechpartner sein - ist jedoch nicht immer zwingend die erste Wahl. Ein Anbietervergleich kann teils mehrere zehntausend Euro sparen.

Wie funktioniert ein Baudarlehen?

Kredite für Häuser oder Wohnungen laufen meist über zehn, 20 oder 30 Jahre. Hierbei werden die Zinsen in aller Regel nur für einen begrenzten Zeitraum von mehreren Jahren festgelegt. Läuft diese sogenannte Zinsbindungsfrist ab, verhandeln Bank und Kunde die Verlängerung des Darlehens. Der Bauherr kann dann auch umschulden und zu einem günstigeren Anbieter wechseln. Verbraucher sollten mehrere Monate vor Auslaufen der Frist neue Angebote einholen. Wegen der historisch niedrigen Zinsen gibt es derzeit auch besonders günstige Anschlusskredite.

Sind die Kreditraten immer festgeschrieben?

An sich werden feste monatliche Raten vereinbart. Baukredite geben oft aber auch das Recht auf Sondertilgung, das heißt die Rückzahlung von Geld zusätzlich zu den vereinbarten Raten. Auch kann ausgehandelt werden, dass der Bauherr die Raten anpassen kann, etwa wenn sich das Einkommen verändert.

Wie viel Geld muss ich selbst aufbringen?

Finanzexperten sehen ein Eigenkapital von 20 bis 30 Prozent des Immobilienpreises als eine solide Basis an. Für ihre angebotenen Top-Zinsen wollen die Banken häufig allerdings 40 Prozent Eigenkapital sehen. Teils sind Banken auch bereit, den vollen Kaufpreis zu finanzieren. Dafür verlangen sie aber oft happige Risikoaufschläge beim Zins.

Gibt es Geld vom Staat?

Bei der staatlichen Förderbank KfW gibt es Darlehen etwa für den Kauf selbstgenutzten Wohneigentums, energieeffizientes Bauen und Sanieren oder auch für altersgerechtes Wohnen. Daneben zahlt der Staat die Wohnungsbauprämie von 8,8 Prozent beim Bausparen. Auch gibt es in Form des sogenannten Wohn-Riesters staatliche Unterstützung für den Kauf selbstgenutzter Immobilien zur Altersvorsorge.

Was passiert, wenn ich arbeitslos oder arbeitsunfähig werde?

Risiken wie diese können mit Versicherungen ganz oder zumindest teilweise abgedeckt werden. So gibt es Versicherungen gegen Berufsunfähigkeit, Arbeitslosigkeit, Lebensversicherungen oder Restschuld-Versicherungen. Verbraucher sollten sich vor Abschluss einer Police und eines Baudarlehens gut über einen Versicherungsschutz beraten lassen. Die Stiftung Warentest rät zu Versicherungen für den Todesfall.

Wer die niedrigen Zinsen nicht dazu nutzt, höher zu tilgen, tappt in eine Zeitfalle. Denn je niedriger die Zinsen sind, desto länger dauert es bei unveränderter Tilgungsquote bis die Schulden abbezahlt sind. Zusätzlich riskiert der Immobilienkäufer eine teure Anschlussfinanzierung. Deshalb empfehlen Finanzierungsprofis auch lange Zinsbindungsfristen.

Interhyp befragt regelmäßig andere Marktteilnehmer, um ein Trendbarometer für die Zinsentwicklung zu erstellen. Die jüngste Umfrage ergab, dass langfristig die positiven Aussichten für die Weltkonjunktur und die Aussicht auf steigende Leitzinsen in den USA dafür sprechen, dass die Zinsen auch in Deutschland wieder steigen. Kurzfristig aber trübt der Brexit die Konjunkturaussichten sowohl in Großbritannien wie in Kontinentaleuropa ein – und das spricht vorerst gegen Zinserhöhungen. Aber das gilt eben nur kurzfristig.

Kommentare (16)

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Frau Pia Paff

08.07.2016, 16:17 Uhr

50% der heute erworbenen Immobilien werden in der Insovenz landen ... wenn der Zins sich wieder um die 4% einpendelt. Dann kann man günstig kaufen.

Baron v. Fink

08.07.2016, 16:18 Uhr

Kredit für die Behausungen des Prekariats, wie lächerlich.
Der übliche Sozialbau ist doch schon zu großzügig.
Container sollten hier bevorzugt werden, preiswert und wieder verwertbar.

Account gelöscht!

08.07.2016, 16:30 Uhr

In Zeiten von Geldanlagenotstand, Immobilienkredite doch bitte nur aus steuerlichen Gesichtspunkten.

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