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02.01.2014

10:22 Uhr

Tool der Woche

Wann die Zinsen für Baugeld steigen

VonJens Hagen

Trotz teilweise stark steigender Preise sind Immobilien wegen der niedrigen Zinsen noch bezahlbar. Das könnte sich ändern. Eine Umfrage unter Analysten, Vermittlern und Bankern zeigt, wann die Zinsen steigen könnten.

Darlehenszinsen sind so niedrig wie nie. Doch nicht alle profitieren von den niedrigen Zinsen. Getty Images

Darlehenszinsen sind so niedrig wie nie. Doch nicht alle profitieren von den niedrigen Zinsen.

Die Angst vor dem Immobilienboom geht in Deutschland um. Sieben von zehn Deutschen seien zwar mit ihrer Mietwohnung zufrieden, ermittelte der Kreditvermittler Interhyp in einer Umfrage unter 1800 Bundesbürgern. Allerdings wäre für 35 Prozent der Befragten eine hohe Miete der wichtigste Grund für einen Umzug. Wichtiger als Baumängel, Platzmangel oder Ärger mit Vermietern oder Nachbarn.

Da die Mieten in Zukunft weiter steigen – das Analysehaus Feri Eurorating prognostiziert in den nächsten beiden Jahren in den Metropolen Frankfurt, München und Hamburg etwa einen Anstieg um neun Prozent – wächst der Wunsch nach einem Eigenheim mit der Garantie auf lebenslanges mietfreies Wohnen.

Mit Niedrigzinsen zum Eigenheim

Warum lohnt sich derzeit der Bau oder Kauf eines Hauses besonders?

Langfristige Baukredite mit festen Zinsen für zehn Jahre gibt es derzeit mit einer Verzinsung von deutlich unter zwei Prozent. Allerdings haben die Preise für Immobilien besonders in Großstädten in den vergangenen Jahren deutlich angezogen.

Sind Immobilien eine gute Geldanlage?

Immobilien gelten nicht als Renditeknüller. Allerdings sind sie gerade in Krisenzeiten Verbraucherexperten zufolge eine solide Geldanlage. Der Wert einer Immobilie ist vergleichsweise sicher - vorausgesetzt, Preis, Qualität und Lage stimmen. In jedem Fall sollte ein Immobilienkauf gut überlegt sein.

Wie finde ich den günstigsten Kredit?

Hier hilft nur ein Vergleich der verschiedenen Anbieter, wobei die Auswahl an Krediten laut Stiftung Warentest derzeit besonders groß ist. Bauherren und Käufer können dafür Vergleichsrechner im Internet nutzen. Auch Verbrauchermagazine und Zeitungen liefern häufig aktuelle Zinskonditionen. Die Hausbank kann ein wichtiger Ansprechpartner sein - ist jedoch nicht immer zwingend die erste Wahl. Ein Anbietervergleich kann teils mehrere zehntausend Euro sparen.

Wie funktioniert ein Baudarlehen?

Kredite für Häuser oder Wohnungen laufen meist über zehn, 20 oder 30 Jahre. Hierbei werden die Zinsen in aller Regel nur für einen begrenzten Zeitraum von mehreren Jahren festgelegt. Läuft diese sogenannte Zinsbindungsfrist ab, verhandeln Bank und Kunde die Verlängerung des Darlehens. Der Bauherr kann dann auch umschulden und zu einem günstigeren Anbieter wechseln. Verbraucher sollten mehrere Monate vor Auslaufen der Frist neue Angebote einholen. Wegen der historisch niedrigen Zinsen gibt es derzeit auch besonders günstige Anschlusskredite.

Sind die Kreditraten immer festgeschrieben?

An sich werden feste monatliche Raten vereinbart. Baukredite geben oft aber auch das Recht auf Sondertilgung, das heißt die Rückzahlung von Geld zusätzlich zu den vereinbarten Raten. Auch kann ausgehandelt werden, dass der Bauherr die Raten anpassen kann, etwa wenn sich das Einkommen verändert.

Wie viel Geld muss ich selbst aufbringen?

Finanzexperten sehen ein Eigenkapital von 20 bis 30 Prozent des Immobilienpreises als eine solide Basis an. Für ihre angebotenen Top-Zinsen wollen die Banken häufig allerdings 40 Prozent Eigenkapital sehen. Teils sind Banken auch bereit, den vollen Kaufpreis zu finanzieren. Dafür verlangen sie aber oft happige Risikoaufschläge beim Zins.

Gibt es Geld vom Staat?

Bei der staatlichen Förderbank KfW gibt es Darlehen etwa für den Kauf selbstgenutzten Wohneigentums, energieeffizientes Bauen und Sanieren oder auch für altersgerechtes Wohnen. Daneben zahlt der Staat die Wohnungsbauprämie von 8,8 Prozent beim Bausparen. Auch gibt es in Form des sogenannten Wohn-Riesters staatliche Unterstützung für den Kauf selbstgenutzter Immobilien zur Altersvorsorge.

Was passiert, wenn ich arbeitslos oder arbeitsunfähig werde?

Risiken wie diese können mit Versicherungen ganz oder zumindest teilweise abgedeckt werden. So gibt es Versicherungen gegen Berufsunfähigkeit, Arbeitslosigkeit, Lebensversicherungen oder Restschuld-Versicherungen. Verbraucher sollten sich vor Abschluss einer Police und eines Baudarlehens gut über einen Versicherungsschutz beraten lassen. Die Stiftung Warentest rät zu Versicherungen für den Todesfall.

Trotz steigender Kauf- und Baupreise bleiben Immobilien vielerorts erschwinglich. „Die höheren Preise am deutschen Immobilienmarkt werden durch historisch niedrige Bauzinsen und steigende Einkommen ausgeglichen“, sagt Eva Grunwald, Leiterin Baufinanzierung bei der Deutschen Bank.

Wie das Zinstief in der Finanzierung wirkt, zeigt ein Rechenbeispiel für eine Immobilie im Wert von 300.000 Euro. Käufer, die vor zwölf Jahren einen Kredit vereinbarten, zahlten im Schnitt noch einen Zins von rund sechs Prozent. Mit einer Finanzierung zu aktuellen Sätzen von gut 2,6 Prozent sparen Kunden bis zum Ende der Zinsbindung bei einer Tilgung von zwei Prozent laut Rechnung der FMH-Finanzberatung rund 12.400 Euro. Wo es den individuell günstigsten Kredit gibt, zeigt der Baugeldrechner von Handelsblatt Online.

Die Zinsen an den Anleihemärkten könnten bald steigen. Nach einer Umfrage des Handelsblatts unter 32 Banken sollen die Zinsen für zehnjährige Bundesanleihen im Jahr 2014 im Schnitt um 0,36 Prozentpunkte auf 2,29 Prozent steigen. Zum Jahresende 2013 lag die Rendite für diese Papiere bei 1,929 Prozent.

Kaufinteressenten, Häuslebauer und Immobilienbesitzer, deren Zinsbindung bald ausläuft, fragen sich angesichts solcher Summen, wie lange das Zinstief noch anhält. Der Hypotheken-Ausblick von Handelsblatt Online für das nächste Jahr zeigt, wann die Zinsen wahrscheinlich wieder steigen.

Kommentare (12)

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patric

02.01.2014, 10:53 Uhr

Wieder mal sehr Überzeugend diese "Milchmädchenrechnung" der sog. Experten der FHM-Finanzberatung....bei einer Immobilie von EUR 300.000 und kauf vor 12 Jahren spart man bei den aktuellen Zinsen ca. 12.400 EUR während der Bindungszeit.....wie viel muss ich denn für eine vergleichbare Immobilie heute zahlen?

Mit EUR 300.000 komm ich da schon seit ein paar Jahren nicht mehr hin und muss sicherlich mind. EUR 350.000 oder mehr effektiv bezahlen und damit hätte ich nichts in diesem Vergleich gespart, sondern sogar mind. EUR 37.600 effektiv mehr bezahlt...

suennerklaas

02.01.2014, 11:21 Uhr

Der Immobilienkauf hat sich in Deutschland gelohnt, als Bankberater noch wegen einer solchen Investition Schaum vor dem Mund bekamen und die Immobilienpreise im Keller waren.
Der Immobilienmarkt folgt dem sogenannten "Schweinezyklus" - das ist 1. Semester VWL... Und beim Schweinezyklus ist es so, dass man in solche Produkte nicht mehr investieren sollte, wenn der Preis steigt. Der Preisanstieg ist nämlich Kennzeichen für den garantiert kommenden Preisverfall...

petervonbremen

02.01.2014, 12:07 Uhr

Überall Mathegenies, wow. So ich 1% mehr Zinsen bezahlen muss, wäre die Mehrbelastung pro Jahr bei 300.000 Kreditbetrag - 3.000 € (dreitausend). Ja, ja, Plastiktüten tragen und Treppen steigen gleichzeitig - kann halt nicht jeder ;-)

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