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06.03.2014

16:22 Uhr

Tool der Woche

Wenn das Finanzamt beim Umzug mit anpackt

VonBenedikt Miketta

Umzüge können ganz schön teuer sein. Billiger wird es, wenn das Finanzamt mit anpackt. Wer aus beruflichen oder privaten Gründen seinen Wohnort wechselt, kann entstehende Kosten von den Steuern absetzen.

Sollen die Werbungskosten geltend gemacht werden, braucht der Arbeitnehmer alle Quittungen und Belege. Andernfalls ist ein Erlass der Steuerschuld nicht möglich. dpa

Sollen die Werbungskosten geltend gemacht werden, braucht der Arbeitnehmer alle Quittungen und Belege. Andernfalls ist ein Erlass der Steuerschuld nicht möglich.

DüsseldorfKisten schleppen bis die Handflächen glühen, Schränke auf- und abbauen, schwere Möbel stemmen – ein Umzug in die neuen vier Wände ist meist sehr aufwendig und kostet Nerven. Wer Pech hat, muss auch noch tief ins Portemonnaie greifen. Maklergebühren, Fahrtkosten oder die doppelte Miete lassen grüßen. Ein Standortwechsel kann teuer werden, muss er aber nicht. Denn das Finanzamt beteiligt sich an den Kosten – sowohl bei beruflich bedingten als auch bei privaten Umzügen.

Zwischen beruflichen und privaten Ortswechseln gibt es aber enorme Unterschiede, die beim Erlass der Steuerschuld entscheidend sind. Oft lohnt sich ein durch den Job begründeten Umzug deutlich mehr. „Es ist nur wichtig, dass der Standortwechsel beruflich bedingt ist und nicht privat“, erklärt Steuerberater Franz Plankermann vom Steuerberaterverband Düsseldorf.

Wenn die Firma umzieht oder der Arbeitsweg sich um eine Stunde pro Tag verkürzt, fallen sogenannte Werbungskosten an, die der Arbeitnehmer in der Steuererklärung geltend machen kann. Bedingung dafür ist ein Nachweis der Firma.

Bleibt die Frage, was der Bürger steuerlich absetzen kann. „Dazu zählen alle Kosten, die man selber verursacht“, sagt Plankermann. „Die meisten Leute wissen gar nicht, dass sogar die Anfahrtskosten anerkannt werden.“ Deshalb rät der Steuerberater, bereits vor Beginn des Standortwechsels Quittungen zu sammeln und sich Experten-Rat zu holen – zumal sich das Steuerrecht ständig verändert. „Das kann ganz schön kompliziert werden mit der Anrechnung“, so der Steuerberater, der die Tücken kennt.

Pauschalkosten

Ledige

Der Pauschbetrag für sonstige Umzugsauslagen beträgt für Ledige bei Beendigung des Umzugs...

...ab 1. März 2012 679 Euro;

...ab 1. Januar 2013 687 Euro;

...ab 1. August 2013 695 Euro.

Quelle: Bundesfinanzministerium

Verheiratete

Der Pauschbetrag für sonstige Umzugsauslagen beträgt für Verheiratete bei Beendigung des Umzugs...

...ab 1. März 2012 1.357 Euro;

...ab 1. Januar 2013 1.374 Euro;

...ab 1. August 2013 1.390 Euro.

Jede weitere Person

Der Pauschbetrag erhöht sich für jede bezeichnete weitere Person mit Ausnahme des Ehegatten...

...zum 1. März 2012 um 299 Euro;

...zum 1. Januar 2013 um 303 Euro;

...zum 1. August 2013 um 306 Euro.

Unterrichtskosten für ein Kind

Der Höchstbetrag, der für die Anerkennung umzugsbedingter Unterrichtskosten für ein Kind maßgebend ist, beträgt bei Beendigung des Umzugs ab...

...1. März 2012 1.711 Euro;

...1. Januar 2013 1.732 Euro;

...1. August 2013 1.752 Euro.

Nicht nur die Fahrtkosten werden vom Finanzamt anerkannt. Auch die Rechnung vom Spediteur, die Vermittlungsgebühren des Maklers und die Reparatur von Transportschäden müssen nicht am Arbeitnehmer hängen bleiben. Gleiches gilt für die doppelte Haushaltsführung. „Wer zweifach zahlt, kann auch diese Kosten von bis zu drei Monaten geltend machen lassen“, so Plankermann. Selbst umzugsbedingte Unterrichtskosten für ein Kind werden laut Bundesfinanzministerium anerkannt.

Für alle „sonstigen Kosten“, die bei einem beruflich bedingten Umzug nicht unter die Werbungskosten fallen, greift die Umzugskostenpauschale. Dazu gehören das An- und Abbauen der Küche oder Fahrten zu Behörden. „Das Nummernschild muss man immerhin nicht mehr ändern“, erklärt Plankermann. Wer seinen Wohnsitz bis Ende Juli 2013 gewechselt hat, kann als Lediger dafür pauschal 695 Euro geltend machen. Bei Verheirateten oder Alleinerziehenden beträgt die Summe 1390 Euro. Für jede weitere Person, die dem Haushalt beiwohnt, lassen sich 306 Euro angeben. „Bis zu einem Betrag unter 1000 Euro muss man keine Belege einreichen“, sagt Plankermann. Denn: Das zu versteuernde Einkommen reduziere sich automatisch um die Werbungskostenpauschale.

Kommentare (1)

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07.03.2014, 09:10 Uhr

"Kosten von den Steuern absetzen"... das klingt so, als würde der Fiskus was dazubezahlen. So ist es aber nicht. Man muß diese Kosten schon selbst tragen, aber nur nicht versteuern. Von dem legalisiertem Raub des Staates wird dem Bürger also ein wenig mehr bei sich belassen als es sonst der Fall gewesen wäre.

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