Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.05.2014

13:56 Uhr

Tool der Woche

Wie Sie sich die niedrigen Bauzinsen sichern

VonJens Hagen

Die Zinsen für Baugeld erreichen einen neuen historischen Tiefstand. Auch Immobilienbesitzer, deren Kredite erst in einigen Jahren auslaufen, können sich die Minizinsen sichern. Die günstigsten Offerten im Vergleich.

Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank sorgt für niedrige Zinsen. ap

Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank sorgt für niedrige Zinsen.

Mario Draghi hat wieder den Finger am Abzug. Gestern meldete die Nachrichtenagentur Reuters mit Bezug auf Insider, dass die Europäische Zentralbank (EZB) für Juni eine Zinssenkung vorbereite. Der Leitzins könnte nach Darstellung eines der Insider beispielsweise von derzeit 0,25 Prozent auf 0,15 oder 0,1 Prozent sinken. So sollen Euro-Stärke und drohende Deflation bekämpft werden.

Laut EZB-Direktor Yves Mersch arbeitet die Zentralbank „mit Hochdruck“ an neuen Instrumenten für ihren Werkzeugkasten. Im Juni könnte die EZB Banken, die überschüssiges Geld bei der Zentralbank parken, mit einem Strafzins drohen. Aktuell liegt dieser Einlagensatz noch bei null Prozent.

Wenn EZB-Präsident Mario Draghi die Bazooka herausholt, dann hoffen auch die Immobilienbesitzer in Deutschland auf nochmals sinkende Zinsen. Diesmal könnten die Kreditnehmer bei einer möglichen EZB-Aktion aber leer ausgehen. „Diese Maßnahmen würden bei privaten Baufinanzierungen bestenfalls eine Absenkung der Hypothekenzinsen um einige Basispunkte zur Folge haben“, sagt Gudrun Rehwald, Zinsexpertin bei Feri Eurorating in Bad Homburg.

Mit Niedrigzinsen zum Eigenheim

Warum lohnt sich derzeit der Bau oder Kauf eines Hauses besonders?

Langfristige Baukredite mit festen Zinsen für zehn Jahre gibt es derzeit mit einer Verzinsung von deutlich unter zwei Prozent. Allerdings haben die Preise für Immobilien besonders in Großstädten in den vergangenen Jahren deutlich angezogen.

Sind Immobilien eine gute Geldanlage?

Immobilien gelten nicht als Renditeknüller. Allerdings sind sie gerade in Krisenzeiten Verbraucherexperten zufolge eine solide Geldanlage. Der Wert einer Immobilie ist vergleichsweise sicher - vorausgesetzt, Preis, Qualität und Lage stimmen. In jedem Fall sollte ein Immobilienkauf gut überlegt sein.

Wie finde ich den günstigsten Kredit?

Hier hilft nur ein Vergleich der verschiedenen Anbieter, wobei die Auswahl an Krediten laut Stiftung Warentest derzeit besonders groß ist. Bauherren und Käufer können dafür Vergleichsrechner im Internet nutzen. Auch Verbrauchermagazine und Zeitungen liefern häufig aktuelle Zinskonditionen. Die Hausbank kann ein wichtiger Ansprechpartner sein - ist jedoch nicht immer zwingend die erste Wahl. Ein Anbietervergleich kann teils mehrere zehntausend Euro sparen.

Wie funktioniert ein Baudarlehen?

Kredite für Häuser oder Wohnungen laufen meist über zehn, 20 oder 30 Jahre. Hierbei werden die Zinsen in aller Regel nur für einen begrenzten Zeitraum von mehreren Jahren festgelegt. Läuft diese sogenannte Zinsbindungsfrist ab, verhandeln Bank und Kunde die Verlängerung des Darlehens. Der Bauherr kann dann auch umschulden und zu einem günstigeren Anbieter wechseln. Verbraucher sollten mehrere Monate vor Auslaufen der Frist neue Angebote einholen. Wegen der historisch niedrigen Zinsen gibt es derzeit auch besonders günstige Anschlusskredite.

Sind die Kreditraten immer festgeschrieben?

An sich werden feste monatliche Raten vereinbart. Baukredite geben oft aber auch das Recht auf Sondertilgung, das heißt die Rückzahlung von Geld zusätzlich zu den vereinbarten Raten. Auch kann ausgehandelt werden, dass der Bauherr die Raten anpassen kann, etwa wenn sich das Einkommen verändert.

Wie viel Geld muss ich selbst aufbringen?

Finanzexperten sehen ein Eigenkapital von 20 bis 30 Prozent des Immobilienpreises als eine solide Basis an. Für ihre angebotenen Top-Zinsen wollen die Banken häufig allerdings 40 Prozent Eigenkapital sehen. Teils sind Banken auch bereit, den vollen Kaufpreis zu finanzieren. Dafür verlangen sie aber oft happige Risikoaufschläge beim Zins.

Gibt es Geld vom Staat?

Bei der staatlichen Förderbank KfW gibt es Darlehen etwa für den Kauf selbstgenutzten Wohneigentums, energieeffizientes Bauen und Sanieren oder auch für altersgerechtes Wohnen. Daneben zahlt der Staat die Wohnungsbauprämie von 8,8 Prozent beim Bausparen. Auch gibt es in Form des sogenannten Wohn-Riesters staatliche Unterstützung für den Kauf selbstgenutzter Immobilien zur Altersvorsorge.

Was passiert, wenn ich arbeitslos oder arbeitsunfähig werde?

Risiken wie diese können mit Versicherungen ganz oder zumindest teilweise abgedeckt werden. So gibt es Versicherungen gegen Berufsunfähigkeit, Arbeitslosigkeit, Lebensversicherungen oder Restschuld-Versicherungen. Verbraucher sollten sich vor Abschluss einer Police und eines Baudarlehens gut über einen Versicherungsschutz beraten lassen. Die Stiftung Warentest rät zu Versicherungen für den Todesfall.

Die Zinsen für Baugeld orientieren sich an den Konditionen für lang laufende Anleihen und Pfandbriefe. Und die sind historisch niedrig. Seit mehr als einem Monat liegt der Zins von Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit bei unter 1,5 Prozent, aktuell liegt der Satz nur noch bei 1,38 Prozent. „Da ist kaum noch Luft nach unten“, sagt Rehwald.

Deutsche Staatsanleihen sind wegen der Krise in der Ukraine und weiterer geopolitischer Unsicherheiten als sicherer Hafen gefragt. „Wenn sich in der Ukraine-Krise eine Lösung abzeichnet, werden die langfristigen Zinsen und damit auch die Sätze für Baufinanzierungen leicht steigen“, sagt Rehwald.

Mittelfristig seien aber keine Schwankungen um mehr als 0,5 Prozentpunkte zu erwarten. „Erst im weiteren Verlauf von 2015 wird es wieder etwas spannender“, sagt Rehwald. „Wenn die US-Konjunktur besser läuft und die Fed die Zinsen anhebt, wird das dort zu anziehenden Renditen für Staatsanleihen führen. Das hätte auch Einfluss auf die Entwicklung in Europa“.

Bislang zeigt die Zinskurve bei Baufinanzierungen aber nach unten. Nach einer Analyse der FMH Finanzberatung unter 40 Banken beträgt der Zins für ein Darlehen mit einer Zinsbindung von zehn Jahren aktuell im Schnitt 2,3 Prozent.

Gestern wurde bei allen Laufzeiten zwischen 5 und 20 Jahre neue, historische Tiefststände erreicht. Im Schnitt verlangen die Banken gut einen halben Prozentpunkt weniger als noch im September vergangenen Jahres.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×