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23.01.2014

09:55 Uhr

Tool der Woche

Wo Strom teurer wird

Trotz ehrgeiziger Reformpläne der neuen Bundesregierung steigen die Strompreise. Typische Haushalte müssen im Schnitt bereits knapp 2000 Euro pro Jahr zahlen. Wo Strom am teuersten ist und wo Kunden sparen können.

Stromzähler in Funktion: Bei einem Wechsel können Kunden einige hundert Euro sparen. dpa

Stromzähler in Funktion: Bei einem Wechsel können Kunden einige hundert Euro sparen.

Die Jahre kommen und gehen, doch eines bleibt gewiss: Die Strompreise steigen. Diese scheinbar ewige Wahrheit gilt nicht nur für Deutschland, sondern sogar europaweit. Die Strom- und Gaspreise für europäische Verbraucher seien von 2008 bis 2012 im Schnitt „beträchtlich“ angestiegen, erklärte die EU-Kommission. Die Steigerung habe in den meisten EU-Ländern höher gelegen als die Inflationsrate. Den Angaben zufolge kletterten die Strompreise für Privatkunden jährlich um vier und die Gaspreise um drei Prozent.

Viele Gründe sorgen für steigende Preise: Auf dem Markt herrsche zu wenig Wettbewerb, die Kunden seien wenig wechselfreudig und sparen sie zu wenig Energie, die Steuern und Abgaben steigen.

Das Vergleichsportal Verivox ermittelte zum Jahreswechsel regionale Kostensteigerungen von bis zu drei Prozent. Je nach Bundesland gibt es nach der Untersuchung große Unterschiede.

Was Strom in den Bundesländern kostet

Deutschland

Bundesdurchschnitt: 1133 Euro, davon 252 Euro Netzentgelt
Neue Bundesländer: 1173 Euro, davon 301 Euro Netzentgelt
Álte Bundesländer: 1125 Euro, davon 242 Euro Netzentgelt
Hinweis: Preise für einen Jahresverbrauch von 4000 Kilowatt pro Stunde, alle Angaben in Euro, brutto und gerundet. Quelle: Verivox.

Baden-Württemberg

1114 Euro, davon 231 Euro Netzentgelt

Bayern

1121 Euro, davon 247 Euro Netzentgelt

Berlin

1116 Euro, davon 223 Euro Netzentgelt

Brandenburg

1187 Euro, davon 339 Euro Netzentgelt

Bremen

1092 Euro, davon 203 Euro Netzentgelt

Hamburg

1114 Euro, davon 256 Euro Netzentgelt

Hessen

1141 Euro, davon 250 Euro Netzentgelt

Mecklenburg-Vorpommern

1161 Euro, davon 318 Euro Netzentgelt

Niedersachsen

1115 Euro, davon 252 Euro Netzentgelt

Nordrhein-Westfalen

1126 Euro, davon 235 Euro Netzentgelt

Rheinland-Pfalz

1161 Euro, davon 250 Euro Netzentgelt

Saarland

1126 Euro, davon 256 Euro Netzentgelt

Sachsen

1166 Euro, davon 290 Euro Netzentgelt

Sachsen-Anhalt

1177 Euro, davon 285 Euro Netzentgelt

Schleswig-Holstein

1130 Euro, davon 265 Euro Netzentgelt

Thüringen

1173 Euro, davon 282 Euro Netzentgelt

Am teuersten ist Strom in den neuen Bundesländern. Ein Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4.000 Kilowattstunden zahlt laut Verivox in Brandenburg im Schnitt 1.187 Euro. Das sind neun Prozent mehr als in Bremen. Stromkunden müssen auch in Sachsen-Anhalt, Thüringen und in Sachsen tief in die Tasche greifen. Zu den günstigen Ländern zählen neben Bremen auch Baden-Württemberg, Hamburg, Niedersachsen und Berlin.

Ein Grund für die unterschiedlichen Preise sind die differierenden Netzentgelte. Laut Verivox werden bei einem Jahresverbrauch von 4.000 Kilowattstunden im Schnitt 252 Euro fällig, knapp ein Viertel des Strompreises. Die Bundesnetzagentur reguliert die Kosten für die Stromleitungen, alle Stromanbieter müssen den gleichen Abschlag entrichten.

Stadtstaaten wie Bremen sind mit 203 Euro besonders günstig, die neuen Bundesländer wie etwa in Brandenburg mit 339 Euro besonders teuer. Die Zahlen zeigen das scheinbares Paradox, dass der Strom in Brandenburg eigentlich sehr günstig ist, die Kunden aber wegen der Durchleitungsgebühren insgesamt am meisten zahlen müssen.

„An den regionalen Unterschieden der Netzentgelte können Verbraucher nichts ändern, denn diese werden staatlich reguliert“, sagt Jan Lengerke, Mitglied der Geschäftsleitung bei Verivox. „Doch die Gesamtkosten können durch einen Wechsel des Stromanbieters deutlich gesenkt werden“. Das Einsparpotenzial läge bei einem Verbrauch von 4.000 Kilowattstunden bei durchschnittlich 356 Euro. Mit dem Vergleichsrechner von Handelsblatt Online lässt sich der günstigste Stromanbieter individuell ermitteln.

Ob die Preise weiter steigen hängt vor allem an den Plänen der Politik. „Wir sind an der Grenze dessen, was wir verantworten können", sagte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel auf dem Energiekongress des Handelsblattes in Berlin. Derzeit würden die erneuerbaren Energien mit bis zu 24 Milliarden Euro im Jahr gefördert.

Kommentare (17)

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HofmannM

23.01.2014, 10:26 Uhr

Überall wird der Strom teuerer. Nicht nur direkt über die Stromrechnung, sondern überall im täglich leben werden wir die EEG-Stromsubentions Abgabenzwang spüren. Lebensmittel werden teuerer, der E-Transport von Menschen und Gütern, das Kulturleben, das Konsumieren usw.usw.
Strompreis ist der Brotpreis des 21. Jahrh. Wer den Strompreis durch eine Energiewende/EEG verteuert, der spielt mit dem Wohlstand und dem Leben des Bürger!

Bild-Leser

23.01.2014, 10:59 Uhr

2000€ im Jahr bedeuten ja 7500kwH an Stromverbrauch wenn ich mit dem teuren Naturstrom und 26,75ct rechne.

Das ist also ein "typischer Haushalt" ??

Bitte nicht GANZ so populistisch. Das fällt ja selbst dem einfachen BILD Leser auf.

Account gelöscht!

23.01.2014, 11:30 Uhr

Zitat : „Wir sind an der Grenze dessen, was wir verantworten können"

- Das jährliche verprassen des Volksvermögens ( Geld der Stromverbraucher ) von 24 Mrd. € hat alle Grenzen längst überschritten !

Die Verantwortlichen sollten vor den Kadi ! Vorneweg der "Superminister" !

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