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01.09.2012

13:45 Uhr

Touristikkonzern

Tui plant Touri-Dorf in der Toskana

VonChristian Hunziker

Das Unternehmen Tui plant in einem italienischen Örtchen Hotels, Ferienwohnungen und Villen zu bauen. das Investitionsvolumen liegt bei 250 Millionen Euro. Experten sind allerdings skeptisch.

Bald soll aus dem Dorf Castelfalfi ein schickes Urlaubsressort werden. Christian Wyrwa

Bald soll aus dem Dorf Castelfalfi ein schickes Urlaubsressort werden.

CastelfalfiGenau so stellt man sich die Toskana vor: Olivenhaine, Pinienwälder und auf einer Hügelkuppe ein malerisches Dorf. Castelfalfi heißt dieses Dorf - und es ist Schauplatz eines Experiments mit offenem Ausgang: Wo bis vor einigen Jahrzehnten Bauern lebten, soll in wenigen Jahren eine Urlaubsanlage mit Hotels, Sportanlagen, Läden, Gastronomie sowie gut 200 Eigentumswohnungen und Ferienhäusern gut situierte Gäste anlocken.

Martin Schlüter, Geschäftsführer der Tui-Tochtergesellschaft Tenuta di Castelfalfi, steht vor der aus dem 12. Jahrhundert stammenden Kirche des Dorfes und erläutert die Pläne für das elf Quadratkilometer große Areal - "sechs Mal so groß wie Monaco", wie er betont: Vom Frühjahr 2013 an wird das Boutique-Hotel mit 32 Zimmern Gäste empfangen; ebenfalls 2013 soll der erste Bauabschnitt mit 41 Wohnungen im Borgo, dem mittelalterlichen Dorf, fertig sein; und bis 2016 soll die gesamte touristische Infrastruktur mit Sportanlagen, Restaurants und zwei größeren Hotels stehen.

Bereits jetzt in Betrieb sind zwei Golfplätze und eine Trattoria. Banken finanzieren zurzeit nur ungern Projekte in Italien. Es ist nicht der erste Versuch, das seit den 1960er-Jahren verlassene Dorf in der Nähe von San Gimignano in ein Touristenziel zu verwandeln. Doch der letzte Investor, ein Mailänder Unternehmer, scheiterte, so dass Tui 2007 von ihm das Dorf erwerben konnte. Fünf Jahre später sind die Zeiten für die Verwirklichung des 250 Millionen Euro teuren Vorhabens nicht die besten. "Es ist im Moment schwer, in Italien Projekte zu realisieren, da die Banken bei der Finanzierung sehr zurückhaltend sind", sagt Schlüter.

Umso wichtiger ist für die Projektgesellschaft der Verkauf der Ferienwohnungen und -häuser. "Dieser leistet einen wichtigen Finanzierungsbeitrag", erläutert Olaf Steinhage, der als Chef der Berliner Hospitality Competence die Tui bei der Entwicklung von Castelfalfi berät. Zum Verkauf stehen Wohnungen im historischen Dorf, Häuser und Apartments in neu zu bauenden kleinen Siedlungen, Golfvillen und frei stehende Casali.

Das sind ehemalige Bauernhäuser, die nach Wunsch der Käufer ausgebaut werden und die dann bis zu 3,5 Millionen Euro kosten können - bei einer Wohnfläche von 1 000 Quadratmetern. Golfvillen sind ab 1,2 Millionen Euro zu haben, eine 122- Quadratmeter-Wohnung kostet 420 000 Euro. Dazu gibt es das Rundum-sorglos-Paket: "Wir bieten alle denkbaren Dienstleistungen von der Reinigung über die Gartenpflege bis zur Objektüberwachung an", wirbt Projektentwickler Schlüter für sein Konzept. Die Nachfrage nach Immobilien in der Toskana ist eingebrochen. 90 Prozent der Wohnungen will Schlüter an Kunden aus Italien, Deutschland und Großbritannien verkaufen. Gut 20 Prozent der 41 Wohnungen und zwei Villen sind verkauft, weitere Apartments reserviert. Doch die Vermarktung wird nicht einfacher.

Seit über den Austritt Italiens aus der Euro-Zone spekuliert wird, spüren Makler eine starke Kaufzurückhaltung: So sagt Nicola Sieber, Auslandsexpertin bei Uta Fleckenstein Exquisite Immobilien in München: "Die Nachfrage nach Ferienimmobilien in der Toskana ist regelrecht eingebrochen."

Kommentare (4)

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republikaner

01.09.2012, 18:02 Uhr

ziemlich abstruses Projekt. Das italienische Baurecht ist das komplizierteste der Welt. Sie wissen nicht wer ihre Baufirma ist und wer irgendetwas genehmigt zu welchem Preis. Die Mafia ist ihr Nachbar und sie wissen nicht einmal ob es der lokale Poliziepräfekt ist, oder der Bügermeister. Wer hier investiert muß ziemlich bescheuert sein.

orlandofurioso

01.09.2012, 19:37 Uhr

Ich hätte eher umweltbezogene Bedenken. Hier wird eine einzigartigze Kulturlandschaft kaputt gemacht, und lokale Politiker klatschen Beifall.

EUmude

02.09.2012, 09:26 Uhr

Castelfalfi's Lage ist idyllisch. Aber Ferienwohnungen ohne Swimmingpool in Italien? Als Besitzer müsste man in die Hotelanlage zum Schwimmen.

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