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16.06.2014

12:42 Uhr

Trendviertel 2014: Kiel

Wo Wohnen am Wasser günstig ist

VonReiner Reichel

Für Wassersportler ist die Stadt an der Ostsee ein Paradies. Vergleichbar günstig kann man in keiner deutschen Großstadt in der Nähe von Sporthäfen wohnen. Kapitalanleger sollten jedoch vorsichtig sein: Die fetten Jahre sind vorbei.

Hafenblick: Kiellockt mit maritimen Flair. dpa

Hafenblick: Kiellockt mit maritimen Flair.

Kiel"Wo kommen Kreuzfahrtschiffe bis in die Stadt?", fragt Bernd Hollstein, Verkaufschef des Kieler Maklers Hans Schütt, seinen Besucher. Die Antwort gibt ein Blick aus dem Bürofenster: Über die Häuserdächer hinaus ragt eines der schwimmenden Hotels, das am Morgen im Hafen festgemacht hat. Die schleswig-holsteinische Hauptstadt ist der dritthäufigste Anlaufpunkt für Kreuzfahrtschiffe in Nordeuropa und Ausgangspunkt einer ganzen Reihe von Fährverbindungen nach Skandinavien und ins Baltikum.

"Pöttekieken" ist Volkssport in Kiel und am schönsten von der Terrasse eines Hauses im Stadtteil Düsternbrook. Doch dieses Vergnügen ist gewiss nicht zu volkstümlichen Preisen zu haben. Was es wirklich kostet, von Villen auf parkähnlichen Grundstücken zwischen alten Bäume hinab auf die Förde zu schauen, lässt sich nur schwer sagen. Solche Immobilien werden nur sehr selten verkauft. Internet-Immobilienportale boten über Pfingsten eine großzügige Altbauvilla für 1,5 Millionen Euro an.

Immobilien

Stadtplan: Die Trendviertel von Kiel als .pdf

Der Preis würde einen gut verdienenden Hamburger, der für sein Drei-Zimmer-Apartment in der Hafencity schon mehr als eine Million Euro gezahlt hat, nicht schockieren. Aber Kiel ist nicht Hamburg. Schließlich gibt es in Kiel in guten Wohnlagen bereits Einfamilienhäuser für weniger als 250.000 Euro, Reihenhäuser sind nochmals 20 000 Euro preiswerter.

Wer auf eine Mietwohnung spekuliert, wie sie auf der durch das Wäldchen Düsternbrooker Gehölz getrennten weiter westlichen Seite des Stadtteils zu finden sind, braucht Beziehungen. "Die gehen unter der Hand weg", weiß Bernd Hoffmeister, Geschäftsführer des Bauträgers Kieler Stadthaus.

So wurde gerechnet

Datenbasis (Teil 1)

Für die diesjährige Trendviertel-Erhebung sind reale Kaufpreise für Eigenheime und Eigentumswohnungen relevant, die von einem der 37 Mitgliedsinstitute des Verbands deutscher Pfandbriefbanken (vdp) finanziert wurden.

Datenbasis (Teil 2)

Die Banken übermitteln die anonymisierten Immobilien-Verkehrswerte, die sie ihren Kreditgutachten zugrunde legten, an das Analysehaus vdp Research. Die Berliner Experten bereinigten diese Daten nach einem statistischen Verfahren und werteten sie für jeden Postleitzahlbereich der ausgewählten 15 Städte exklusiv für das Handelsblatt aus.

Trendviertel

Trendviertel, so die Definition, sind danach all jene Stadtteile, in denen die Preise für Wohneigentum zwischen 2010 und 2013 stärker gestiegen sind als im Durchschnitt der gesamten Stadt.

Auch im Vergleich mit Städten ähnlicher Größe ist das Wohnen in Kiel günstig. Das Marktanalysehaus Bulwien-Gesa hat ausgerechnet, dass ein durchschnittlich verdienender Kieler im Jahr 2013 rechnerisch 5,7 Jahresgehälter hinlegen musste, um in die eigenen vier Wände einziehen zu können. Über alle deutschen C-Städte betrachtet, waren sechs Jahreseinkommen nötig.

Verständlich, dass viele Kieler, die in Hamburg im Vergleich zu Kiel besser bezahlte Arbeit finden, lieber pendeln und weiterhin in ihrer Heimat wohnen. Erst recht, wenn sie Wassersportler sind. An der Kiellinie und dem Hindenburgufer entlang bis zum Stadtteil Wik reihen sich Ruder- und Segelvereine. Alljährlich in der letzten Juni-Woche verteidigt die Stadt mit der "Kieler Woche" ihren Ruf als Mekka der Ostseesegler.

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