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20.06.2015

10:13 Uhr

Immobilien und Trendviertel in Potsdam

Berlins charmante Schwester

VonChristian Hunziker

In der brandenburgischen Landeshauptstadt ist Wohnraum knapp - da müsste bei Vermietern und Investoren eigentlich Champagnerlaune herrschen. Trotzdem steigen Mieten und Kaufpreise nicht ungebremst.

In Potsdam kommen momentan zahlreiche Wohnungen im gehobenen Bereich auf den Markt. dpa

Landtag Brandenburg

In Potsdam kommen momentan zahlreiche Wohnungen im gehobenen Bereich auf den Markt.

Frankfurt"Stadt für alle - Mieten runter! Verdrängung stoppen!" Das waren die Schlagworte von gut tausend Demonstranten, die am vergangenen Samstag durch die Potsdamer Innenstadt zogen. Tatsächlich weist Potsdam - mit rund 165.000 Einwohnern die kleinste der in der Trendviertel-Serie untersuchten Städte - wohnungswirtschaftliche Daten auf, die denen der Metropolen kaum nachstehen: Weniger als ein Prozent der Wohnungen stehen leer, und Eigentumswohnungen kosten laut VDP Research im Durchschnitt 2.980 Euro pro Quadratmeter und damit fast so viel wie im nahe gelegenen Berlin.

Von einem "angespannten Wohnungsmarkt" spricht denn auch Jörn-Michael Westphal. "Wer ein geringes Einkommen hat, findet nicht sofort eine Wohnung", sagt der Geschäftsführer der stadteigenen Wohnungsholding Pro Potsdam. Deutliches Zeichen dafür: Jährlich wechselt nur noch bei 8,5 Prozent der Pro-Potsdam-Wohnungen der Mieter; vor 15 Jahren, als die Situation deutlich entspannter war, betrug die Fluktuationsquote 14,5 Prozent. Gleichzeitig steigt seit Jahren die Nachfrage: Allein 2014 erhöhte sich die Einwohnerzahl der Stadt um 1,6 Prozent.

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Steigende Nachfrage, geringes Angebot - da müsste bei Vermietern und Investoren eigentlich Champagnerlaune herrschen. Doch erstaunlicherweise hält sich die Euphorie der Profis in Grenzen. "Die positive Entwicklung Potsdams kann leicht dazu führen, dass man den Standort überschätzt", gibt Ralf Lenfers, Makler bei Dahler & Company, zu bedenken. Und Anja Farke, Leiterin des Potsdamer Büros von Engel & Völkers, stellt fest, dass bei Preisen und Mieten "im höheren Segment eine gewisse Stagnation eingetreten ist".

Der Grund dafür liegt darin, dass momentan zahlreiche Wohnungen im gehobenen Bereich auf den Markt kommen. Speicherstadt, Nikolaigärten, Villa Hegel, Charlotte & Luise - das sind einige der Projekte, die Kaufpreise von um die 4000 Euro pro Quadratmeter und Mieten von deutlich über zehn Euro pro Quadratmeter aufrufen. "Wer in diesem Segment sucht, hat die Auswahl", sagt Anja Farke. Das dämpft nach ihrer Ansicht den Aufwärtstrend bei Preisen und Mieten nur für begrenzte Zeit: Sobald die aktuellen Projekte vermarktet seien, würden die Preise wieder zulegen.

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Die Nachfrage nach Domizilen für höchste Ansprüche steigt – 35.000 Euro pro Quadratmeter sind da keine Seltenheit. Ausländische Käufer beleben den Luxusmarkt – besonders in Berlin.

Für diese These spricht, dass die Einwohnerzahl laut einer Prognose der Stadt bis zum Jahr 2020 auf 176.000 steigen wird. "Potsdam ist ein Kleinod mit hoher Wohn- und Lebensqualität sowie einer ausgezeichneten Infrastruktur", sagt Makler Lenfers. Tatsächlich bestätigten fast 90 Prozent der Einwohner in einer Umfrage der Stadtverwaltung, dass sie gern in Potsdam leben. Hinzu kommt der vielleicht wichtigste Vorteil der Stadt: die unmittelbare Nähe zur Metropole Berlin, die es erlaubt, in der Freizeit die Vorzüge von Potsdam zu genießen und sein Geld in der Hauptstadt zu verdienen. "Ohne Berlin wäre Potsdam nicht so stark", betont Farke.

Doch der gute Ruf Potsdams hallt über die Hauptstadtregion hinaus. "Auch Kunden aus München und Hamburg schätzen den Standort Potsdam sehr positiv ein", sagt Andreas Cornelißen, Leiter Immobilien bei der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (Apobank). Er vermarktet die Neubauwohnungen im Brockesschen Palais, einem aus einem Baudenkmal und mehreren Ergänzungsbauten bestehenden Ensemble in der Innenstadt.

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