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12.06.2015

13:00 Uhr

Immobilienmarkt

Leben mit dem Boom

VonTobias Just

Die Wende am deutschen Immobilienmarkt hat enorme gesellschaftliche und volkswirtschaftliche Auswirkungen. Auch Investoren bieten sich neue und lukrative Chancen - Preisblasen sind noch nicht in Sicht. Eine Analyse.

Noch nicht in Sicht am Immobilienmarkt: Preisblasen. Imago

Noch nicht in Sicht am Immobilienmarkt: Preisblasen.

FrankfurtAus Sicht vieler Investoren waren die deutschen Wohnungsmärkte viele Jahre lang völlig unattraktiv. Sie galten schlichtweg als "No-go-Areas". Über mehr als zehn Jahre hinweg gab es selbst in den Metropolregionen kaum Preissteigerungen. Gleichzeitig lagen die Mietrenditen zwischen 1999 und 2009 in der Regel unterhalb der Verzinsung von sicheren Staatsanleihen. Hinzu kam eine Gesetzgebung, die aus Sicht der Investoren ausgeprägt mieterfreundlich war.

Während die meisten europäischen Wohnungsmärkte in dem Jahrzehnt vor Ausbruch der Finanzkrise 2007 einen historischen Boom erlebten, der schließlich zu einer Blase führte, herrschte hierzulande Tristesse. Deutschland galt vielen Anlegern als "fertig gebaut".

Doch dann kam die Wende. Institutionelle und private Käufer stürzten sich geradezu auf deutsche Wohnungen. Seit 2009 stiegen Preise und Mieten jährlich immerhin um vier Prozent - in einigen Städten und Quartieren sogar deutlich stärker. Dabei kletterten die Wohnungspreise zuletzt sogar kräftiger als die Mieten. Doch auch wenn Anleger nun länger warten müssen als früher, um aus den Mieteinnahmen ihre Anschaffung zu erwirtschaften - der Boom hält an. Schließlich liegt die Mietrendite sogar in guten innerstädtischen Lagen anders als vor zehn Jahren deutlich über der Rendite für Staatsanleihen.

Die Wende am deutschen Immobilienmarkt ist beeindruckend, wirft aber viele Fragen auf - sowohl in volkswirtschaftlicher als auch in gesellschaftlicher Hinsicht. Wie solide und nachhaltig ist dieser Aufschwung? Müssen wir mit einer ähnlichen Übertreibung rechnen, wie es sie in Spanien, Irland oder den USA vor 2007 gegeben hat? Mit einer Übertreibung also, die ganze Volkswirtschaften in die Depression stürzen kann. Was bedeutet der Trend zur Immobilie in einer Gesellschaft, die zunehmend Mobilität einfordert? Einer Gesellschaft überdies, die zumindest in Teilen verstärkt statt auf Besitz-Ökonomie auf Sharing-Ökonomie setzt?

Die neu erwachte Begeisterung für deutsche Wohnungen hat viele Ursachen, einige davon reichen lange zurück. Letztlich konnten die Wohnungsmieten in deutschen Städten nur steigen, weil Wohnraum knapper geworden ist. Dies wiederum lag an der erstarkten deutschen Wirtschaft. Denn der wichtigste Grund für die rasante Wohnungsnachfrage ist die positive Entwicklung der verfügbaren Einkommen. In den vergangenen Jahren ist die Arbeitslosigkeit stark zurückgegangen.

Doch das absolute Einkommenswachstum allein erklärt die Mietdynamik nicht hinreichend. Mindestens ebenso wichtig ist die relative Einkommensentwicklung im Vergleich zu anderen europäischen Ländern. Die Aussicht auf eine gut bezahlte Arbeit zog Hunderttausende Menschen aus Süd- und Osteuropa nach Deutschland. Insgesamt sind seit 2009 knapp 1,5 Millionen Menschen mehr nach Deutschland gezogen, als das Land verlassen haben. Die meisten Zuwanderer suchen Wohnraum in den Städten. Sie folgen den Arbeitsplätzen.

Kommentare (3)

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Herr Peter Lorenz

12.06.2015, 13:17 Uhr

Nach täglicher Werbung für Aktien nun tägliche Werbung für Immobilien?

Herr Josef Schmidt

12.06.2015, 13:33 Uhr

Neue Schuldner braucht das Land. Finden sich keine Deppen mehr stürzt das ganze Kartenhaus zusammen.

Die margin debt sind schon beim 500 Mia angekommen und Immobilien werden noch ungesehen weggekauft. Eine hemmungslose Verschuldungsparty die ihren Kater schon noch bekommen wird.

Herr Fritz Yoski

12.06.2015, 14:30 Uhr

Immobilien sind ein gute Anlage, besonders fuer den Staat. Wenn der Geld braucht weiss er wo es was zu holen gibt, denn Immobilien koennen sich nicht verstecken oder ins Ausland fluechten. Bei den Rettungsorgien im Euro-Raum geht den Rettern irgendwann das Geld aus, dann kommt die Zwangsanleihe.

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