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20.01.2010

11:12 Uhr

Umkehrhypothek

Wie das Eigenheim zur Geldquelle wird

VonChristoph Sandt

In anderen Ländern gibt es sie schon lange. In Deutschland ist die Umkehrhypothek noch nicht angekommen. Für viele Kunden ist das Beleihen ihres abbezahlten Hauses als Geldquelle noch ungewohnt. Die Anbieter wiederum wollen kein Lehrgeld bezahlen. Dabei lockt ein Milliarden-Markt.

Für viele Rentner ist das eigene Haus der größte Vermögenswert. ZBSP

Für viele Rentner ist das eigene Haus der größte Vermögenswert.

FRANKFURT. So viel Pioniergeist gehört belohnt, dachte sich der Frankfurter Finanzexperte Max Herbst und zeichnete das Unternehmen Immokasse für das "innovativste Produkt" des Jahres 2009 aus. Dabei handelt es sich um eine Umkehrhypothek. Die Qual der Wahl gab es zumindest in dieser Produktkategorie nicht. Denn das in Grünwald bei München angesiedelte Unternehmen ist bislang der erste Anbieter auf dem deutschen Markt. Hierzulande ist das Modell des Immobilienverzehrs für Institute und Interessenten noch sehr gewöhnungsbedürftig.

Das Modell ist in Deutschland neu. Der Hauseigentümer beleiht sein schuldenfreies Haus und bekommt Rente oder eine Einmalzahlung. Zinsen und Tilgung werden erst bei Auszug oder Tod des Rentners fällig und mit dem Haus beglichen. "Die potenziellen Anbieter warten ab, welche Erfahrungen die ersten Mitbewerber machen. Sie wollen kein Lehrgeld zahlen", kommentiert Klaus Fleischer, Professor für Finanzwirtschaft an der Hochschule München.

Insofern steht die Immokasse im Rampenlicht. Das Unternehmen bietet seit dem vergangenen Jahr eine Umkehrhypothek namens "Immo-Renten-Plus" an, berichtet über Tausende von Anfragen, schweigt sich über die Zahl der Abschlüsse aber noch aus. Die Immokasse arbeitet mit der BayernLB-Direktbanktochter DKB zusammen und vermarktet derzeit lediglich Einmalauszahlungen. Das Modell auf Rentenbasis sei aber noch für dieses Jahr geplant, sagt eine Sprecherin. Das Unternehmen hält bereits ab 2012 rund 30000 Abschlüsse pro Jahr möglich - und freut sich nach eigenen Angaben bereits auf geschäftsbelebende Konkurrenz.

Die lässt auf sich warten. Zwar hatte die Investitionsbank Schleswig-Holstein schon in der ersten Jahreshälfte 2009 mit der "Immorente" loslegen wollen. Das landeseigene Förderinstitut will vor dem Marktstart jetzt aber noch eine Expertendiskussion veranstalten. "Damit soll sichergestellt werden, dass die Beratung und das Produkt seniorengerecht ausgestaltet sind", sagt Axel Vogt, Leiter des Bereiches Immobilien. "Wenn sich keine unüberwindbaren Hürden zeigen, kann die Immobilienrente im April auf den Markt kommen."

Potenzial gibt es reichlich. Der Verband öffentlicher Banken, nach deren Modell auch die Förderbank ihre Umkehrhypothek strickt, beziffert das Kreditvolumen für die angepeilte Zielgruppe mit einem Einkommen von um die 1500 Euro im Monat auf gut 90 Mrd. Euro. Unabhängig vom Einkommen vervielfacht sich diese Summe.

Kommentare (8)

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Olaf Varlemann

20.01.2010, 14:42 Uhr

Die Produkte der immokasse und der investitionsbank Schleswig-Holstein sind mir (uns)gut bekannt. bei uns melden sich pro Tag durchschnittlich 4-5 ältere Mitbürger, die sich für das Produkt "Umkehrhypothek" interessieren. Das Problem: die Auszahlungen -egal ob Einmalbetrag oder Rente (wenn es sie denn geben wird)- sind im Verhältnis zum Objektwert- so gering, dass es für die meisten Menschen am Ende doch uninteressant ist. Dies mag sicher auch an der Erwartungshaltung liegen, die oft von einer völligen Fehleinschätzung des tatsächlichen immobilienwertes genährt wird.

Nicht vergessen werden sollte auch, dass die immokasse (bzw. die DKb bank als tatsächlich finanzierende bank) nicht in allen Regionen finanziert und die i-bank Schleswig-Holstein entsprechende Abschläge für strukturschwache Regionen vornimmt. Und gerade in den Regionen, in denen beide institute nicht finanzieren, ist die Nachfrage am größten. Der Grund liegt auf der Hand: die Rentenhypothek ist vor allem für Hausbesitzer interessant, die ihre immobilie aufgrund von Lage, Alter, Nachfrage usw. nicht verkaufen können.

Letztlich wird die Renten- oder Rückwärtshypothek in der bisher hier bekannten Form nur ein -sehr klägliches- Nieschendasein fristen. Das wiederum wird die Motivation von potentiellen Mitbewerbern kaum steigern. ich selbst gehe davon aus, dass das Produkt spätestens Ende dieses Jahres wieder vom Markt genommen wird.

Jonas

20.01.2010, 15:27 Uhr

Eine Hypothek auf ein eigentlich abbezahltes Haus gibt es schon immer.
Nur Hypotheken, bei denen das Haus am Ende in den besitz der bank übergeht, die sind neu.
Neu und niedrig bewertet weil die bank natürlich ganz fetten Reibach machen möchte, man ist ja gierig und selbst mit 25% Rendite nicht zufrieden.
Es gibt KEiNEN Grund, sein Haus an die bank zu verschenken.
Wenn Sie mal Geld brauchen, beleihen Sie ihr Haus mit einer normalen Hypothek, die sie wieder abbezahlen.
Aber den Verkauf eines Hauses, den machen sie besser selbst (bzw. ihre Erben), und schenken es nicht ihrer bank.

Ulf

21.01.2010, 01:09 Uhr

ich sehe es von der Seite:
Zuerst verdient die bank an den Zinsen bei der Finazierung des Hauses. Dann verdient sie nochmls bei der Unkehrhypothek.
Also ich hätte keine Lust soviel meiner Lebenzzeit für die bank zu schuften.
Dieses Konzept ist allenfalls eine Notlösung für Rentner ohne Nachkommen, die "vergessen" haben, neben der immobilie Gelder zu anzusparen.
besser kleiners/kein Wohneigentum und den Lebensbend genießen.

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