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07.09.2011

12:34 Uhr

Umwandlung

Aus Büroklötzen werden Wohnoasen

In vielen deutschen Großstädten paart sich akute Wohnungsnot mit einem Überschuss an leerstehenden Gewerbeflächen. Eine Umwandlung von Büros in Wohnräume kann den Eigentümern helfen - doch häufig sträuben sie sich.

Bonjour tristesse: Wo über Jahre der Leerstand gähnt, könnten schon bald lebhafte Studenten wohnen - wenn der Eigentümer mitspielt. dpa

Bonjour tristesse: Wo über Jahre der Leerstand gähnt, könnten schon bald lebhafte Studenten wohnen - wenn der Eigentümer mitspielt.

FrankfurtTheoretisch könnte alles so einfach sein: Gerade in Städten mit besonders hoher Wohnraum-Nachfrage wie München, Hamburg oder Frankfurt stehen haufenweise Büro-Immobilien leer, die keiner mehr haben will. Ein Umbau könnte helfen, dringend benötigte Wohnungen zu schaffen. Aber längst nicht alle Standorte sind geeignet, zahlreiche Hindernisse architektonischer wie ökonomischer Art stehen dagegen.

Günter Hägele, Geschäftsführer des Immobilienentwicklers Dreyer und Kollegen, ist mächtig stolz auf seine „Skyline Apartments“ in der Frankfurter Bürostadt Niederrad. „Wir haben gemacht, wovon andere nur reden.“ Nach jahrelangem Leerstand wurde der 14-stöckige Büroklotz in der Lyoner Straße komplett umgebaut und in 98 Wohnungen aufgeteilt, von denen nur noch sechs zu vermieten sind. Allerdings zum hohen Quadratmeterpreis von 13,20 Euro, was teils deutlich über den Büromieten an diesem Standort liegt. Etwa jeder dritte Quadratmeter in der angegrauten Bürostadt steht leer oder wird umgebaut.

In ganz Frankfurt gibt es fast zwei Millionen Quadratmeter Büro-Leerstand, rechnerisch die Fläche von fast 27.000 Wohnungen à 75 Quadratmeter. Auf 1,8 Millionen Quadratmeter Bürobrache kommt nach Makler-Schätzungen München. Die Hansestadt Hamburg hat 1,2 Millionen leere Büros zu bieten.

Das Beispiel aus dem flughafennahen Frankfurter Stadtteil am Stadtwald ist aber keineswegs typisch: Am einfachsten lässt sich die baulich anspruchsvolle Umwandlung in innerstädtischen Gründerzeitvierteln durchziehen. Wo in den 70er-Jahren die Frankfurter Spontis teils vergeblich gegen die weitere Zerstörung von Wohnraum demonstrierten, werden immer noch die höchsten Mieten der Stadt gezahlt. „Das Gebäude sollte in einer nachgefragten Lage stehen und eine gesunde Rohbaustruktur haben“, sagt der Hamburger Architekt Carsten Venus vom Büro „Blauraum“, der in der Bogenallee in Hamburg-Harvestehude aus einem nüchternen Büroblock eine preisgekrönte Wohnimmobilie gemacht hat.

Das Publikum ist anspruchsvoll: Aus Umwandlungen an guten Standorten - auch kleine Fabrikgebäude kommen in Frage - entstehen nicht selten Luxuswohnungen mit spektakulären Raumhöhen und raumgreifenden Grundrissen. Hier sparen sich die Planer aufwendige Verkehrswege und teure Nasszellen für zahlreiche kleine Einheiten. Den anderen Weg gehen Investoren „wohnähnlicher Nutzungen“: Ein Hostel oder ein Studentenwohnheim wie in der Frankfurter Adickesallee entlasten ebenfalls den lokalen Wohnungsmarkt. Im vergangenen Jahr kamen immerhin neue 590 Wohneinheiten aus der Umnutzung auf den Wohnungsmarkt. Das war ein gutes Viertel aller neuen Wohnungen in Hessens größter Stadt.

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