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10.02.2015

17:05 Uhr

Umzugsprämie für Senioren

Belohnung für Barrierefreiheit?

VonNiklas Dopheide

Sollen Senioren eine Prämie bekommen, damit sie ihre großen Wohnungen für junge Familien räumen? Der Vorstoß des IG Bau-Chef stößt auf viel Kritik. Er verkennt das wirkliche Problem, meint ein Experte.

Immobilienexperte Michael Held sieht einen Mangel an Wohnungen, die den Bedürfnissen alter Menschen entsprechen. Deshalb verbleiben sie in ihren großen Wohnungen. dpa

Immobilienexperte Michael Held sieht einen Mangel an Wohnungen, die den Bedürfnissen alter Menschen entsprechen. Deshalb verbleiben sie in ihren großen Wohnungen.

DüsseldorfUm Senioren zu einem Auszug aus ihren großen Wohnungen zu bewegen, kam Robert Feiger, Gewerkschaftschef der IG Bau, in der vergangenen Woche mit einem polarisierenden Vorschlag daher: Wenn sie ihre große Wohnung räumen, sollen Senioren eine Umzugsprämie von bis 5000 Euro erhalten – finanziert aus staatlichen Zuschüssen. Der Gewerkschaftschef will damit das Problem lösen, dass viele junge Familien keine große Wohnung finden und sich deshalb mit einer zu kleinen begnügen müssen. Die älteren Leute würden nicht ausziehen, weil ihnen „finanziell“ und „organisatorisch“ die „Hürden“ zu groß seien. Der Vorschlag sorgte für viel Kritik, unter anderem widersprach auch Bauministerin Barbara Hendricks.

Auch Michael Held, Geschäftsführer der Terragon Investment, hat gegenüber Handelsblatt Online dem Gewerkschaftschef widersprochen. Für den Experten setzt Feigers Vorschlag an der „falschen Stelle“ an. Die „Kosten“ die Feiger als Grund angeführt hat, weshalb Senioren nicht umziehen, sind für Held nur „selten ein Grund“ gegen einen Umzug.

Top-7-Wohnimmobilienmärkte

München

Mietpreise 2014: plus 3,3 Prozent
Mietpreise 2013: plus 6,8 Prozent
Kaufpreise 2014: plus 5,9 Prozent
Kaufpreise 2013: plus 11 Prozent

Berlin

Mietpreise 2014: plus 2,0 Prozent
Mietpreise 2013: plus 6,7 Prozent
Kaufpreise 2014: plus 5,1 Prozent
Kaufpreise 2013: plus 8,0 Prozent

Köln

Mietpreise 2014: plus 1,7 Prozent
Mietpreise 2013: plus 4,5 Prozent
Kaufpreise 2014: plus 4,5 Prozent
Kaufpreise 2013: plus 7,2 Prozent

Stuttgart

Mietpreise 2014: plus 2,4 Prozent
Mietpreise 2013: plus 6,9 Prozent
Kaufpreise 2014: plus 8,4 Prozent
Kaufpreise 2013: plus 9,6 Prozent

Hamburg

Mietpreise 2014: plus 1,3 Prozent
Mietpreise 2013: plus 3,7 Prozent
Kaufpreise 2014: plus 3,7 Prozent
Kaufpreise 2013: plus 7,5 Prozent

Frankfurt

Mietpreise 2014: minus 1,3 Prozent
Mietpreise 2013: plus 2,5 Prozent
Kaufpreise 2014: plus 8,7 Prozent
Kaufpreise 2013: plus 7,1 Prozent

Düsseldorf

Mietpreise 2014: minus 0,1 Prozent
Mietpreise 2013: plus 2,4 Prozent
Kaufpreise 2014: plus 11,1 Prozent
Kaufpreise 2013: plus 10,8 Prozent

Quelle

Quelle: Frühjahrsgutachten des Zentralen Immobilien Ausschuss (ZIA), Preissteigerungen jeweils im Vergleich zum Vorjahr.
Die Zahlen beziehen sich jeweils auf das Gesamtjahr. (Die im Gutachten für 2014 genannten Werte bezogen sich nur auf die ersten drei Quartale.)

Er hat eine andere Ursache ausgemacht: Das „wirkliche Problem“ sei das „fehlende Angebot an Wohnungen, die für das Wohnen im Alter geeignet sind“. Nur 1,6 Millionen von insgesamt um die 21 Millionen Wohnungen besitzen einen Aufzug schätzt der Experte. In der Altersgruppe über 65 sind 3,7 Millionen Menschen bewegungseingeschränkt. Allein in dieser Gruppe „fehlen 2,1 barrierefreie oder -arme Wohnungen“, erklärt Held.

Die Forderung des CDU-Bundestagsabgeordneten Karsten Möhring, den Wohnungsbestand an die Bedürfnisse der älteren Menschen anzupassen, ist laut dem Experten deshalb „nicht falsch.“ Die aktuelle Förderung der KfW-Bank zum Umbau von Wohnungen in barrierefreie Wohnräume, geht in die „richtige Richtung“. Zwar hilft das, den Bedarf zu mindern, dennoch kann auch eine „Erweiterung der KfW-Förderung“ das Problem nicht komplett lösen.

Der Experte fordert deshalb, dass die KfW auch bei Neubauten die barrierefreie Wohnfläche fördert. Nur „vier-bis fünf Prozent der neugebauten Wohnungen, werden aktuell barrierefrei errichtet“, sagt Held. Das liegt auch an den höheren Kosten pro Quadratmeter für eine barrierefreie Wohnung, erklärt er weiter. „Ein Zuschuss von 5000 Euro pro barrierefreier Wohnung wäre ein sinnvoller Impuls“, gibt Held an.

Ein KfW-Zuschuss für barrierefreie Wohnungen wäre deshalb „eine sehr effiziente Fördermaßnahme.“ Sollte „genügend Wohnraum zum modernen Wohnen im Alter verfügbar sein, werden mehr Senioren ihre zu großen Wohnungen für junge Familien räumen – auch ohne Umzugsprämie“, ist der Experte überzeugt.

Mit Material von dpa.

Kommentare (2)

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Herr J.-Fr. Pella

11.02.2015, 10:15 Uhr

Bester Vorschlag:
Herr Feiger geht mit gutem Beispiel voran:

Er stellt sein großes Haus zur Verfügung und zieht in eine kleinere Wohnung.
Sobald dies vollzogen ist, kann er sich ja nochmals melden.
Am besten mit einem Interview in der Springerpresse.

Herr Franz Paul

11.02.2015, 11:00 Uhr

Das ist in der Tat der bestmögliche Vorschlag in diesem Zusammenhang.

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