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13.11.2013

16:16 Uhr

Unbezahlbare Wohnungen

Die Schattenseite des chinesischen Immobilien-Booms

Immobilien in China werden unbezahlbar. In Relation zum Einkommen sind Wohnungen in Großbritannien oder Japan sogar günstiger. Der Schuldige für die Schieflage ist schnell ausgemacht: der chinesische Staat.

Smogverseuchte Luft in Shanghai: Der Einwohnerzuwachs in Chinas Metropolen sorgt nicht nur für schlechte Luft, sondern auch für unbezahlbare Wohnungen. Reuters

Smogverseuchte Luft in Shanghai: Der Einwohnerzuwachs in Chinas Metropolen sorgt nicht nur für schlechte Luft, sondern auch für unbezahlbare Wohnungen.

PekingIm September legten die Preise mit neun Prozent so stark zu wie seit drei Jahren nicht mehr. In den großen Städten lag der Zuwachs fast doppelt so hoch. Die Bemühungen Chinas, über Einschränkungen etwa beim Kauf von Zweitwohnungen den Markt abzukühlen, laufen ins Leere. Und sollte das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei bei seiner bis Dienstag laufenden Plenarsitzung keine grundlegenden Reformen der Kommunen anstoßen, dürfte sich an dem Boom vorerst nichts ändern.

Denn es gibt einen Interessenskonflikt, den die Verwaltungen auf den unterschiedlichen Ebenen haben. In der Hauptstadt fürchtet die Regierung soziale Unruhen, wenn sich viele Chinesen kein Eigenheim mehr leisten können. Oberstes Ziel daher: Wohnen muss bezahlbar bleiben. Anders sieht es bei den Städten und Gemeinden aus, für die der Verkauf von Bauland eine wichtige Einnahmequelle ist: „Die Kommunen wollen nicht, dass die Preise fallen“, sagt Zhou Xiaoyun vom Forschungsinstitut China Land Surveying and Planning Institute.

Wo wohnt man günstig - und wo teuer?

Günstig, Platz 6

Vogtlandkreis
Der Vogtlandkreis im Westen von Sachsen kann mit günstigen Grundstückspreisen aufwarten: In der Gemeinde Ellefeld etwa kostet der Quadratmeter 295,5 Euro.

Günstig, Platz 5

Uckermark
Die brandenburgische Uckermark landet auf Platz fünf der günstigsten Regionen Deutschlands. In der Gemeinde Templin wohnt es sich besonders günstig: Hier zahlt man nur 343,8 Euro.

Günstig, Platz 4

Bad Kissingen
Der Kreis Bad Kissingen liegt im bayerischen Unterfranken, nahe an der Grenze zu Hessen und Thüringen. In der Gemeinde Zeitlofs zahlt man wenigsten: nämlich nur 248,3 Euro.

Günstig, Platz 3

Wartburgkreis
Der Wartburgkreis liegt in Thüringen an der Grenze zu Hessen. Günstigster Wohnort ist die Gemeinde Treffurt: Dort kostet der Quadratmeter 242,9 Euro.

Günstig, Platz 2

Kreis Haßberge
Der Kreis Haßberge liegt nördlich des Mains im bayerischen Unterfranken. In der Gemeinde Kirchlauter kostet der Quadratmeter 232,4 Euro.

Günstig, Platz 1

Mansfeld-Südharz
In der Region Mansfeld-Südharz bei Leipzig wohnt es sich am günstigsten - vor allem in der Gemeinde Sandersleben: Dort kostet der Quadratmeter 192,8 Euro. Aber auch in Blankenheim (233,5 Euro), Hettstedt (259,5 Euro) und Friedeburg (267,7 Euro) sind die Preise niedrig.

Teuer, Platz 6

Bitburg-Prüm
Der Kreis Bitburg-Prüm ist der am dünnsten besiedelste Landkreis von Rheinland-Pfalz. Doch im rund 400 Einwohner großen Ort Kruchten kostet der Quadratmeter laut Immobilienscout24 4882,9 Euro.

Teuer, Platz 5

Hamburg
Ein Quadratmeter in der Hamburger Hafencity kostet 5760,2 Euro. Ein wenig günstiger lebt es sich im Bezirk Harvesthude (5168,8 Euro).

Teuer, Platz 4

Norderney
Die ostfriesische Insel Norderney wartet mit hohen Grundstückspreisen auf. Für einen Quadratmeter zahlt man 6578,8 Euro.

Teuer, Platz 3

München
Der Münchener Bezirk Lehel landet auf dem dritten Platz. Dort kostet der Quadratmeter 6947,6 Euro. Auch die Bezirke Altstadt (6918 Euro), Maxvorstadt (5848,2 Euro), Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt (5445,1 Euro) und Schwabing-West (5441,5 Euro) haben hohe Grundstückspreise.

Teuer, Platz 2

Rathsweiler
Im Kreis Krusel in Rheinland-Pfalz liegt der Ort Rathsweiler: Dort kostet der Quadratmeter 6951,3 Euro.

Teuer, Platz 1

Sylt
Die Gemeinde Kampen auf der Insel Sylt hat die teuersten Grundstückspreise Deutschlands: Der Quadratmeter kostet hier 12.605 Euro.

Quelle

Quelle: Immobilienscout24; Referenzobjekt: eine Wohnung mit 80 Quadratmetern, 3 Zimmer, 30 Jahre alt.

Am größten sind die Probleme in Peking und der Finanzmetropole Shanghai. Hier lockt die Aussicht auf gute Jobs immer mehr Menschen an. Schon jetzt kostet nach Berechnungen des Internationalen Währungsfonds eine 70-Quadratmeter-Wohnung in Peking etwa das 20-fache eines durchschnittlichen Haushaltseinkommens. Trotzdem greifen Immobilienkäufer zu. „Die Preise sind zwar schon hoch, aber sie steigen immer weiter. Wenn ich jetzt nicht zuschlage, werde ich mir nie eine eigene Wohnung leisten können“, sagt Lu Biao, ein 27-jähriger IT-Ingenieur.

In den ersten zehn Monaten des Jahres verkaufte Peking 14,9 Millionen Quadratmeter Bauland an Investoren – mehr als im gesamten Jahr 2012, wie Reuters aus offiziellen Daten berechnet hat. Die Einnahmen sind fast doppelt so hoch wie 2012. Das ist das stärkste Plus seit mindestens sechs Jahren. Dabei hat die Stadtverwaltung schon gegengesteuert und zusätzliches Bauland ausgewiesen, wie sie erklärte. Doch offensichtlich kann das den Anstieg der Preise nicht dämpfen. Im Mai kaufte ein Bauträger Land zum Rekordpreis von umgerechnet 2300 Euro pro Quadratmeter – vier Mal so viel wie 2007. Wenn man die üblichen Kalkulationen der chinesischen Immobilienwirtschaft als Grundlage nimmt, wird ein Quadratmeter der neuen Wohnungen mehr als 4500 Euro kosten.

Landesweit stiegen nach Daten des Finanzministeriums die Einnahmen der Kommunen aus Landverkäufen in den ersten neun Monaten des Jahres um 50 Prozent auf 330 Milliarden Euro. „Steigende Immobilienpreise sind nicht unkontrollierbar, aber sie sind derzeit nicht unter Kontrolle“, sagt Cao Jianhai, Volkswirt bei einem staatlichen Forschungsinstitut. Doch ob das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei den Schritt wagt, die Gemeindefinanzen auf eine neue Grundlage zu stellen und damit den Durchbruch schafft, ist offen.

Von

rtr

Kommentare (2)

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GuteFrage

13.11.2013, 17:26 Uhr

..70-Quadratmeter-Wohnung in Peking etwa das 20-fache eines durchschnittlichen Haushaltseinkommens...
Monats oder Jahreseinkommen?

Account gelöscht!

13.11.2013, 17:47 Uhr

bei einem Quadratmeterpreis von mehreren 1000 EURO wird es vermutlich das Jahreseinkommen sein..

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