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27.03.2012

13:14 Uhr

Verbotene Fremdwährungs-Hypotheken

Tausende Ungarn bangen um ihre Häuser

2010 wurden in Ungarn Fremdwährungs-Hypotheken verboten. Daraufhin schnellten die Zahlungsverpflichtungen von Hausbesitzern in die Höhe, der Forint fiel auf ein Rekordtief. Tausende könnten jetzt ihre Häuser verlieren.

Die Ehrengarde hisst die ungarische Flagge: Der Immobilienmarkt des Landes ist zum Erliegen gekommen. dpa

Die Ehrengarde hisst die ungarische Flagge: Der Immobilienmarkt des Landes ist zum Erliegen gekommen.

BudapestAls Erzsebet Zolyom im vergangenen Mai eine Wohnung mit zwei Schlafzimmern im Zentrum von Budapest erbte, dachte sie, dass ihre finanziellen Sorgen damit vorbei seien. Genau das Gegenteil war jedoch der Fall: Sie steckt heute viel tiefer in Schulden als je zuvor. Nach einer kostspieligen Renovierung der Wohnung mit 87 Quadratmeter Wohnfläche hat sie noch immer keinen Käufer gefunden - auch wenn es anfangs zahlreiche Interessenten gab und sie mittlerweile den Verkaufspreis um fast ein Fünftel auf 23 Millionen Forint (79.000 Euro) reduziert hat. „Ich hatte damit gerechnet, die Wohnung wäre in Windeseile verkauft“, sagt die Geografie-Lehrerin. „Jetzt weiß ich, wie naiv das war. Es kommt mir wie ein grausamer Witz des Schicksals vor.“

Ungarns Markt für Wohnimmobilien ist zum Erliegen gekommen, nachdem die Fremdwährungs-Hypotheken, die ihn zuvor angetrieben hatten, 2010 verboten wurden. Zurück blieben Hausbesitzer, deren Zahlungsverpflichtungen hochschnellten, während der Forint gleichzeitig auf ein Rekordtief fiel. Potenzielle Käufer verabschiedeten sich vor diesem Hintergrund aus dem Markt.

Die sinkende Nachfrage hatte zur Folge, dass der Häuserbau im vergangenen Jahr auf das niedrigste Niveau seit Beginn der Datenaufzeichnung 1930 einbrach. Ungarische Banken mussten Hunderte Milliarden Forint an Verlusten verbuchen. Die Zahl der Immobilien-Transaktionen sackte 2011 auf 90.000 ab, verglichen mit 270.000 auf dem Höhepunkt des Immobilienbooms 2003, schätzt die Hypothekensparte von Ungarns OTP Bank. Es war das Jahr, bevor Ungarn und sieben weitere frühere kommunistische Staaten der Europäischen Union beitraten.

Seit 2008 sind die Immobilienpreise OTP zufolge im Durchschnitt um 15 Prozent gefallen. Bereinigt um die Inflation haben die Preise in den vier Jahren bis 2011 um 30 Prozent eingebüßt, erklärte der internationale Gutachterverband Royal Institute of Chartered Surveyors im Februar. Im vergangenen Jahr wurden in dem Land 12.655 Eigenheime gebaut, was einem Rückgang um 39 Prozent gegenüber 2010 entspricht.

Die Zahl ist geringer als in den Einbrüchen zwischen den beiden Weltkriegen und zu Beginn der kommunistischen Ära in den 40er und 50er Jahren, sagt Erika Csetenyi vom staatlichen Statistikamt. „Der Immobilienmarkt ist schachmatt gesetzt, und wir müssen alles in unseren Fähigkeiten Stehende tun, um ihn wieder in Gang zu bekommen“, sagt Daniel Gyuris, Hypotheken-Chef bei Ungarns größter Bank, OTP Bank Nyrt. „Zur aktuellen Marktlage hat geführt, dass die Leute Angst vor Arbeitslosigkeit haben und ein Haufen negativer Wirtschaftsnachrichten eintraf, während die Kreditvergabe aufgrund der extremen Risikoaversion einfror.“

Kommentare (4)

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Vertriebener

27.03.2012, 13:29 Uhr

Ungarn hat sehr viele "Ungarndeutsche", die bereits seit 4 und mehr Generationen in Ungarn lebten, direkt nach dem Krieg vertrieben und deren gesamtes Vermögen einbehalten. Die Ungarn könnten nun das Vermögen dieser Ungardeutschen in Deutschland auch einziehen, schließlich verdanken die Ungarndeutsche in Deutschland ihren Wohlstand nur der damaligen Vertreibung. Was einmal funktioniert hat, klappt ja vielleicht nochmal?

vielleicht-einTipp

27.03.2012, 15:33 Uhr

Wie wärs mit vermieten?

Freiheit

28.03.2012, 08:05 Uhr

man kann seine Wohnung nur verlieren, wenn man sie ganz bezahlt hat!

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