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13.08.2014

15:32 Uhr

Verdächtig günstige Miete

Wie ich fast auf einen Wohnungsbetrüger hereinfiel

VonJörg Hackhausen

Wenn eine Wohnungsanzeige zu schön klingt, um wahr zu sein, dann ist Vorsicht geboten. Betrüger schalten Anzeigen, die nur ein Ziel haben: Die Abzocke von verzweifelten Wohnungssuchenden. Ein Erfahrungsbericht.

In deutschen Großstädten ist die Nachfrage nach Mietwohnungen größer als das Angebot - das machen sich Betrüger zunutze. (Symbolbild) dpa

In deutschen Großstädten ist die Nachfrage nach Mietwohnungen größer als das Angebot - das machen sich Betrüger zunutze. (Symbolbild)

KölnIch könnte behaupten, ich hätte gleich gemerkt, dass hier etwas nicht stimmt. Die Sache war ja auch ziemlich durchschaubar. Das weiß ich jetzt. Aber im ersten Moment stand da dieses verlockende Angebot: eine Wohnung mitten im Zentrum von Köln, vier Zimmer, gut 100 Quadratmeter, 1050 Euro pro Monat.

Wer sich in letzter Zeit ein wenig mit Wohnungssuche in einer deutschen Großstadt beschäftigt hat, weiß, dass das ein echter Schnäppchenpreis ist. Ich jedenfalls war ganz erstaunt, nach längerer Suche doch noch auf so ein günstiges Angebot zu stoßen, gefunden im Internet bei Immobilienscout24.

Die Fotos sehen wirklich toll aus: lichtdurchflutete Zimmer, Parkettboden, ein luxuriöses Bad, voll ausgestattete Küche, Einbauschränke. Ein Angebot, bei dem alles passt. Also heißt es schnell sein. Über das Kontaktformular schicke ich meine Anfrage ab.

Deutschlands teuerste Wohnstraßen

Platz 15

Altestadt (Altstadt), Düsseldorf
Höchstpreise: 13.500 Euro je Quadratmeter

Platz 14

Rottach-Egern, Tegernsee

Höchstpreise: 15.000 Euro je Quadratmeter

Platz 13

Bad Wiessee (Ortsteil Abwinkel), Tegernsee

Höchstpreise: 15.000 Euro je Quadratmeter

Platz 12

Flemingstraße (Bogenhausen-Herzogpark), München

Höchstpreise: 15.000 Euro je Quadratmeter

Platz 11

Große Elbstraße (Hafenrand), Hamburg

Höchstpreise: 15.000 Euro je Quadratmeter

Platz 10

Am Zirkus, Werderscher Markt (Mitte), Berlin

Höchstpreise: 15.000 Euro je Quadratmeter

Platz 9

Harvestehuder Weg (Harvestehude), Hamburg

Höchstpreise: 16.000 Euro je Quadratmeter

Platz 8

Strandpromenade (Juist), Juist

Höchstpreise: 16.400 Euro je Quadratmeter

Platz 7

Maria-Theresia-Straße (Alt-Bogenhausen), München

Höchstpreise: 18.000 Euro je Quadratmeter

Platz 6

Königinstraße, Seestraße, Mandlstraße (Schwabing), München

Höchstpreise: 20.000 Euro je Quadratmeter

Platz 5

Südliche Seestraße (Ostufer Ammerland), Starnberger See

Höchstpreise: 25.000 Euro je Quadratmeter

Platz 4

Müllerstraße (Glockenbachviertel), München

Höchstpreise: 25.000 Euro je Quadratmeter

Platz 3

Heideweg/Heidewinkel, Wiesenweg (Kampen), Sylt

Höchstpreise: 28.000 Euro je Quadratmeter

Platz 2

Ostheideweg (Kampen), Sylt

Höchstpreise: 30.000 Euro je Quadratmeter

Platz 1

Hobokenweg (Kampen), Sylt

Höchstpreise: 35.000 Euro je Quadratmeter

Quelle

Engel & Völkers, Analyse des Luxuswohnimmobilienmarkts 2012/13

Der Mietmarkt in Köln ist angespannt, sagen die Experten. Die Nachfrage sei größer als das Angebot. Was daraus folgt ist reine Marktwirtschaft: in den vergangenen fünf Jahren sind die Mieten im Schnitt um rund 30 Prozent gestiegen, am stärksten legten sie in den innerstädtischen Vierteln zu, etwas weniger am Stadtrand. In München, Hamburg und Berlin sind die Steigerungen noch extremer.

Die Antwort auf meine Anfrage kommt schnell. Schon nach einem Tag meldet sich ein gewisser Rune Hasling aus Dänemark. Er stellt sich vor als 65-jähriger Rentner und bedankt sich für das Interesse an seiner Wohnung, die erst vor wenigen Monaten renoviert worden sei. Er und seine Frau hätten sie einst gekauft, um sie – Sommer wie Winter – als Ferienwohnung zu nutzen. Jetzt wollten sie lieber die Welt bereisen, weshalb er die Wohnung vermiete.

Hasling schreibt auf Englisch. Seine Deutschkenntnisse seien nicht wirklich gut, erklärt er. Bei der Wohnungsanzeige habe ihm sein deutscher Nachbar in Kopenhagen geholfen.

Der Däne schlägt ein persönliches Treffen vor, um sich näher kennenzulernen. Er schickt ein Foto mit, das ihn und seine Frau zeigen soll, mit Jeans, Turnschuhen, Käppi und einem Prospekt in der Hand, so als seien die beiden gerade im Urlaub unterwegs. Ein wirklich nettes, vertrauenswürdiges Ehepaar, so scheint es. Die Mail endet mit den Worten: „With kindly danish regards“, „mit freundlichen dänischen Grüßen“.

Kommentare (5)

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Frau Anna Rosinus

14.08.2014, 07:52 Uhr

So penetrant und dreist derartige Betrugsversuche klingen mögen, sie sind traurige Realität. Mindestens ein Mal pro Monat, wenn nicht sogar pro Woche habe ich in der Zeit der aktiven Suche Immoscout einen vergleichbaren Betrugsfall gemeldet. Markante Erkennungszeichen: die Fotos sind zu hübsch oder man kennt sie bereits, Frauen werden im Kontakt vorgeschickt, die Vermieter arbeiten im Ausland und schreiben auf Englisch, die Mail-Adressen und Namen sind Fake: bspw. Sachiko Harumi wie auch hier beschrieben: http://www.watchlist-internet.at/kleinanzeigen-betrug/achtung-vor-tophome-findercom/

Frau Marisa F.

14.08.2014, 08:49 Uhr

Ähnlicher Betrug in der Immobranche ist die Masche mit dem Kauf auf "Probe". Hierzulande mehrmals passiert. Der rote Faden zieht sich vom Rhein-Main Gebiet bis nach Baden Baden. Wohnung oder Haus wird besichtigt (meist über Makler), für sehr gut befunden und man vereinbart dann eine Nutzungsgebühr für 6 Monate. Nach Ablauf dieser Frist muss der "Käufer" entscheiden, ob er die Wohnung oder das Haus haben will. Nutzungsgebühr wird nicht bezahlt, was den Eigentümer zu rechtlichem Beistand zwingt. Leider ist unsere Justiz nicht imstande, dieser Widrigkeit den Garaus zu machen. Im Gegenteil, ich hatte z.B. 8 Monate den Kampf, diese Person aus dem Haus zu bekommen, was mich eine ganze Menge Geld gekostet hat. Also, auch hier bitte Vorsicht walten lassen. Ich spreche aus Erfahrung!

Frau Johanna Brauningen

14.08.2014, 09:59 Uhr

Ich glaube nicht, dass Immobilienscout24 von sich aus diese Angebote rausfiltert. Dies wäre, wie von Dem Portal geschildert, mit Leichtigkeit möglich, geschieht aber m.E. nicht. Auf der Jagd nach eindrucksvoller Anzahl von Angeboten , nimmt man das Problem wohl wissend in Kauf und reagiert nur auf Nutzerhinweisen. Hier wäre ein investigativer Journalisteneinsarz hilfreich.

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