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23.03.2006

12:19 Uhr

Vertrauen verloren

Sicheres Investment ist ein Traum

VonRichard Haimann

Jahrzehntelang galten offene Immobilienfonds als sicheres Investment. Doch seit erst die Deutsche Bank ihren Grundbesitz-Invest und anschließend auch Kanam ihre beiden offenen Fonds schlossen, ist der einst gute Ruf stark angekratzt.

HB DÜSSELDORF. Mehr als eine halbe Million Anleger verloren zeitweise ihren Zugriff auf Einlagen im Gesamtwert von mehr als 9,2 Milliarden Euro - dabei war bisher die Zusage täglicher Verfügbarkeit eines der wichtigsten Verkaufsargumente. Entsprechend groß ist die Verunsicherung: Mehr als fünf Milliarden Euro sind seit Beginn der Krise im Dezember vergangenen Jahres aus der Assetklasse geflossen.

Die Liquiditätskrise des Deka-Immobilienfonds im Herbst 2004 wurde von der Branche noch als "singuläres Problem" abgetan. Jetzt rangen sich die im Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) organisierten Kapitalanlagegesellschaften erstmals zu einem größeren Reformpaket durch.

Doch in welchem Umfang dies letztendlich in die Tat umgesetzt wird, bleibt abzuwarten. Denn eine der zentralen Forderungen kann nur das Bundesfinanzministerium bei der anstehenden Reform des Investmentgesetzes umsetzen. Danach sollen die unabhängigen Sachverständigen, die regelmäßig die Fondsimmobilien bewerten, nicht mehr von den Gesellschaften, sondern von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) beauftragt werden.

An der derzeitigen Bewertungspraxis entzündet sich seit langem die Kritik der Analysten. "Die Krise des deutschen Immobilienmarktes hat sich nie in entsprechend umfangreichen Abwertungen niedergeschlagen", rügt Stefan Loipfinger, Herausgeber des Branchendienstes Fondstelegramm.

Die Deutsche Bank löste die Schließung ihres Grundbesitz-Invest im vergangenen Dezember gar durch die Ankündigung umfangreicher Wertberichtigungen aus. Anleger zogen daraufhin mehr als 400 Millionen Euro aus dem Fonds, so dass dieser ein paar Tage später geschlossen werden musste. Das Problem: Der Gesetzgeber verbietet es den Fonds, Immobilien unter Verkehrswert zu veräußern. Kann ein Fonds trotz hoher Mittelabflüsse Objekte nicht zum Verkehrswert veräußern, sind Abwertungen unumgänglich.

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