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15.05.2017

16:41 Uhr

Verwahrloste Mietshäuser

Das lukrative Geschäft mit Schrottimmobilien

VonKatharina Matheis
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Hunderte Südosteuropäer leben in Duisburg in Häusern voller Müll und Chaos, ohne Strom und Wasser. Dennoch wollen sie nicht raus. Über das hochlukrative Geschäft mit den Elendsimmobilien.

Die Häuser sind teilweise unbewohnbar und dementsprechend billig. Ob sich der Kauf solcher Immobilien auszahlt, bleibt offen. dpa

Schrottimmobilien

Die Häuser sind teilweise unbewohnbar und dementsprechend billig. Ob sich der Kauf solcher Immobilien auszahlt, bleibt offen.

Nun also steht Elwis auf der Straße vor dem Mehrfamilienhaus, in dem er zuletzt Unterschlupf gefunden hat, und holt sein Handy aus der Hosentasche. Der 45-Jährige wählt die Nummer von Nazanin Kordi. Die Maklerin aus Düsseldorf ist in diesem Moment in ihrem Büro an der Königsallee. Wenige Minuten später sitzt sie in ihrem silbernen Porsche auf dem Weg nach Duisburg-Marxloh. Zwischen den beiden liegt eine halbe Stunde Autofahrt, die zwei Welten voneinander trennt.

Elwis steckt sein Handy ein und läuft zu der Menschenmenge auf dem Gehweg. Eine Schar Reporter hat sich dort um eine blonde Frau versammelt. Es ist Daniela Lesmeister, die Chefin des Duisburger Ordnungsamts. In druckreifen Sätzen spricht sie in das Mikrofon der Fernsehjournalisten: „Wir mussten das Haus für unbewohnbar erklären.“

Elwis drängt sich durch die Reportermenge und ruft über die Köpfe hinweg: „Ich will auch eine Frage stellen. Warum müssen wir raus?“ Die Journalisten drehen sich um. Die Beamtin wirkt einen Moment lang irritiert. Dann zeigt sie auf die andere Straßenseite. „Wenden Sie sich bitte an den Mitarbeiter dort drüben, dort sind auch Dolmetscher“, sagt sie. Sie zeigt auf rund ein Dutzend Menschen, die wenige Meter weiter stehen. Es ist die Taskforce Problemimmobilien. So nennt Daniela Lesmeister ihre Einsatztruppe. Mit ihr will sie das bekämpfen, was man hier in Duisburg als Schrotthäuser bezeichnet. Berühmt wegen des Mülls. Berüchtigt wegen der Bewohner: Menschen aus Südosteuropa, überwiegend Rumänen und Bulgaren. Kaum jemand spricht Deutsch. Über 40 Prozent beziehen Sozialleistungen. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, genau wie die Armut.

Die Politik versucht, dagegenzuhalten. Vor drei Jahren verabschiedete die Landesregierung Nordrhein-Westfalens ein Gesetz, das den Städten erlaubt, die Häuser zu kontrollieren. Die Aktionen laufen meistens ab wie an diesem Morgen. Einige Polizisten sichern die Straße, während sich die Einsatztruppe formiert. Das Team aus rund zwölf Leuten besteht aus Ordnungsamt, Feuerwehr, TÜV, Familienkasse, Arbeitsamt, manchmal auch dem Zoll. Bevor sie das Haus begehen, besprechen sie sich ein paar Minuten lang im Kreis wie eine Fußballmannschaft. Dann gehen sie geschlossen rein. Im Treppenhaus liegen angebissene Brötchen, Zigarettenstummel und leere Flaschen. Die Wände waren irgendwann mal weiß, das Geländer irgendwann mal blau. Zwei Polizisten klopfen an eine Tür. Sie öffnet sich einen Spalt breit, eine junge Frau schaut in die Runde von Beamten. Ein ärmelloses Top spannt sich über den schwangeren Bauch. Nach einigen Sekunden stehen drei kleine Kinder um ihre Knie.

Sie geht zur Seite, und die Beamten treten ein. Die Zimmer sind kaum eingerichtet. Entlang der Wände stehen Sofas, mehrere Matratzen liegen im Wohn- und Schlafzimmer. Am Ende wird das Team feststellen, dass in dieser und den sieben weiteren Wohnungen des Hauses über 82 Personen angemeldet sind. Nach einer Stunde hängt eine Mitarbeiterin einen weißen Zettel an die Eingangstür: „Derzeit ist das Gebäude aufgrund einer drohenden Gefahr für Leib und Leben unbewohnbar.“

Kommentare (1)

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Herr Peter T. Kroeger

16.05.2017, 15:04 Uhr

Leider ist Art. 14 (2) GG,. Eigentum verpflichtet... allenthalben in Vergessenheit geraten, genau wie Unrechtsbewusstsein, Menschenrechte, Soziale Marktwirtschaft und Bundesrepublik sowie Gemeinwesen. Bleibt noch der finale knock-out des sozialen Friedens abzuwarten bevor wir Bürgerkrieg bekommen?

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