Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.11.2015

09:39 Uhr

Vonovia versus Deutsche Wohnen

Neue Sticheleien im Übernahme-Poker

VonReiner Reichel

Der Dax-Neuling Vonovia legt im dritten Quartal starke Zahlen vor. Doch am Ende geht es wieder um die geplante Übernahme von Deutsche Wohnen. Vonovia-Chef Buch wittert Synergien. Andere sind da anderer Meinung.

Der Dax-neuling kann seine Prognose anheben. dpa

Vonovia

Der Dax-neuling kann seine Prognose anheben.

DüsseldorfAm liebsten hätte Rolf Buch, Chef des Dax-30-Neulings Vonovia, in der Telefonkonferenz heute Morgen nur über die erfolgreichen ersten drei Quartale des größten deutschen Wohnungsvermieters gesprochen. Doch, dass das operative Ergebnis aus der Vermietung (FFO I) in dieser Zeit gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum um mehr als das Doppelte auf 432 Millionen Euro stieg und mit 93 Cent je Aktie bereits nach neun Monaten die Dividende für das laufende Jahr verdient wurde, interessierte weit weniger als die geplante Übernahme der Nummer zwei im Markt, Deutsche Wohnen.

„Wir sind davon überzeugt, dass das Angebot für alle Beteiligten sehr attraktiv ist“, sagte Buch. Er hat Synergien in Höhe von 84 Millionen Euro jährlich aus der Übernahme in Aussicht gestellt. Die werden von Deutsche-Wohnen-Chef Michael Zahn vehement bezweifelt. „Es ist schwer für Vonovia, Synergien zu zeigen“, hatte er vor wenigen Tagen gesagt. Zahn sieht vor allem Nachteile für die Aktionäre durch ein höheres Risiko, weil die Verschuldung der Vonovia steigt und höher ausfällt als die der Deutsche Wohnen. Darüber hinaus erwartet er in dem fusionierten Unternehmen ein weniger fokussiertes Portfolio mit höheren Verwaltungskosten je Einheit und ein geringeres Mietpreiswachstum.

Vonovia will Deutsche Wohnen: Finale im Häuserkampf

Vonovia will Deutsche Wohnen

Premium Finale im Häuserkampf

Gier nach Größe: Der Immobilienkonzern Vonovia will seinen größten Konkurrenten für 14 Milliarden Euro übernehmen. Das Angebot für die Deutsche Wohnen ist der Höhepunkt der Fusionswelle auf dem umkämpften Markt.

Buch nahm die Kritik gelassen. „Ich mache mir null Sorgen über die Synergien“, sagt er in der Telefonkonferenz und verwies darauf, dass die Vorteile aus der Gagfah-Übernahme mit 130 Millionen Euro jährlich höher als die zuvor angenommenen 84 Millionen Euro ausfallen und im Zusammenspiel mit der später zugekauften Südewo (ehemalige Wohnungen der Landesbank Baden-Württemberg) inzwischen 142 Millionen Euro betragen. Seit April tragen die 144.000 Wohnungen der Gagfah zum Ergebnis der Vonovia bei.

Darüber hinaus hatte Zahn Steuernachteile im Falle einer Übernehme für die eigenen Aktionäre ins Spiel gebracht. So ist er davon überzeugt, dass die Steuern, die Aktionäre auf die Barkomponente der Übernahmeofferte zahlen müssen, die Prämie auf den Kurs auffressen. Zusätzlich gingen 70 Prozent der steuerlichen Verlustvorträge in Höhe von einer Milliarde Euro verloren. Buch konterte nun: Die Steuern seien für die Übernahme „nicht wirklich relevant.“  

Größte börsennotierte Wohnungsvermieter in Deutschland

Vonovia (ehemals Deutsche Annington)

360.000 vermietete Wohnungen (inkl. Gagfah)

Stand: Anfang September 2016

Deutsche Wohnen

158.000 Wohnungen

Stand: Anfang September 2016

LEG Immobilien

130.000 Wohnungen

Stand: Anfang September 2016

TAG Immobilien

76.000 Wohnungen

Stand: Anfang September 2016

Grand City Properties

82.000 Wohnungen

Stand: Anfang September 2016

Der Marktführer hat eine gemischte Aktien- und Bar-Offerte abgegeben: für elf Deutsche-Wohnen-Titel soll es sieben Vonovia-Papiere und 83,14 Euro in bar geben. Zum Zeitpunkt des Angebots waren dies rund 26 Euro je Aktie – ein Preis, den Deutsche-Wohnen-Lenker Zahn auch als deutlich zu niedrig erachtet. Für ihn hat das Vonovia-Angebot ohnehin nur das Ziel, die Fusion der Deutsche Wohnen mit der LEG Immobilien zu torpedieren.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×