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11.02.2012

10:09 Uhr

Währungsrisiko

Vorsicht bei England-Fonds

VonReiner Reichel

Immobilien in London gehören für offene Immobilienfonds zum guten Ton. Schließlich ist die britische Hauptstadt der liquideste Markt in Europa. Doch die Preise sind hoch und Währungsschwankungen ein Dauerrisiko.

Londoner Finanzviertel: Die Phasen, in denen Anleger Gewinne durch Verkäufe mitnehmen, sind in keinem Markt in Europa so kurz wie in London. Reuters, Sascha Rheker

Londoner Finanzviertel: Die Phasen, in denen Anleger Gewinne durch Verkäufe mitnehmen, sind in keinem Markt in Europa so kurz wie in London.

DüsseldorfVolkstümlich ausgedrückt: Auf dem Londoner Investmentmarkt geht immer etwas. Die Bürogebäudemärkte in der City und im Westen der Stadt waren die ersten in Europa, die sich nach der Finanzkrise erholten. Doch sind die Phasen, in denen Anleger Gewinne durch Verkäufe mitnehmen oder zu günstigen Preisen einkaufen können, in keinem Markt in Europa so kurz wie in London.

So hätte der eingefrorene Kanam Grundinvest gerne bereits im vergangenen Jahr vier Gebäude in London verkauft und damit insgesamt eine bis 1,2 Milliarden Pfund erlöst. Doch potenzielle Käufer wissen, dass der Fonds bis Mai verkaufen muss, wenn er seine Auflösung verhindern will, und nutzen den wachsenden Zeitdruck des Verkäufers.

Ein weiteres Problem der London-Investments sind Währungskursschwankungen. Besonders drastisch haben die Zeichner von geschlossenen London-Fonds der Bonner IVG das Risiko schwankender Währungen zu spüren bekommen. Zwischen 2004 und 2008 beteiligten sie sich als Kommanditisten, die nur mit ihrer Einlage haften, an fünf Fonds, die in London Immobilien für mehr als 1,2 Milliarden Euro erwarben. Damals kostete ein Pfund zwischen 1,40 und 1,50 Euro.

Doch seit Anfang 2009 pendelt das Pfund in etwa zwischen 1,10 und 1,20 Euro. Das heißt: Zur Ausschüttung in Euro bleibt von den Mietüberschüssen nach Abzug der Kreditzinsen viel weniger übrig als geplant, so dass an die Anleger auch in jedem Fall weniger ausgezahlt wurde als prognostiziert.

Fonds werben Einlagen in Pfund ein

Aktuell sind zwei geschlossene London-Fonds am Markt. Beide sammeln – anders als die meisten früheren Großbritannien-Fonds – bereits das Kommanditkapital in Pfund ein. Wer ohnehin über Guthaben in Pfund verfügt und auch Auszahlungen in Pfund gebrauchen kann, geht kein Währungsrisiko ein.

Hannover Leasing (HL) wirbt mit dem Fonds „Wachstumswerte Europa 6“ etwa 80 Millionen Pfund Eigenkapital für das 139 Millionen Pfund teure Bürogebäude 30 Crown Place ein. Einschließlich Nebenkosten und Agio hat der Fonds ein Volumen von 160 Millionen Euro. KGAL ist mit dem „Property Class England 3“ am Markt. Der inklusive Agio 132 Millionen Pfund schwere Fonds investiert 116 Millionen Pfund in ein Büroobjekt in der Gracechurch Street, 64 Millionen Pfund kommen aus Einlagen der Anleger. Die Ratingagentur Scope hat den HL-Fonds mit „sehr gut“, den KGAL-Fonds mit „gut“ bewertet.

Kommentare (1)

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PRhodan

11.02.2012, 11:02 Uhr

Offene Immobilienfonds müssen ihre Investments in Fremdwährungen absichern, geschlossene Fonds müssen nicht, könnten aber. Wie riskannt gerade Yen-Finanzierungen sein können, zeigen diverse nicht ausschüttende Schifffonds von MPC. Währungsabsicherungen unterblieben mit Verweis auf die Devisenprognosen von u. a. von der Deutschen Bank oder der Postbank. So saßen die MPC-Verantwortlichen wie das Kaninchen vor der Schlange, als der Yen entgegen aller Bankprognosen (wann lagen die mit ihren Devisenprognosen schon mal richtig?)gegenüber dem US-$ immer weiter stieg. Auf die Frage, warum sie bei Erreichen kritischer Marken keine Absicherungsgeschäfte vorgenommen haben, kam die Antwort: "wir spekulieren doch nicht"! Noch Fragen? Die können es nicht!

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