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20.03.2017

06:10 Uhr

Wohneigentum

Absurde Immobilienwelt

VonReiner Reichel

Eine Studie der Sparda-Banken lässt Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser auf den ersten Blick günstig erscheinen. Im Details zeigt sich: Zum Durchschnittspreis gibt es in München nur 44 Quadratmeter.

In den deutschen Metropolen steigen die Preise für Wohneigentum besonders stark an. dpa

Wohnungen in Hamburg

In den deutschen Metropolen steigen die Preise für Wohneigentum besonders stark an.

DüsseldorfDeutschlands Wohnungen sind doch gar nicht so teuer, könnte denken, wer die ersten Zeilen der Studie der Sparda-Banken „Wohnen in Deutschland 2017“ liest. Im Schnitt bezahlt der Deutsche 242.000 Euro für seine Wohnimmobilie. Die weiteren Durchschnittswerte besagen, dass er zum Kauf etwa sechs Jahresnettoeinkommen benötigt. Für das Geld erhält er 126 Quadratmeter und bezahlt demnach sogar weniger als 2000 Euro für den Quadratmeter. „Die Studie zeigt, dass in großen Teilen Deutschlands Wohneigentum erschwinglich ist“, interpretiert Uwe Sterz, Vorstandsmitglied des Verbandes der Sparda-Banken, das Ergebnis.

Wohnungen in Millionenstädten wie München kann er damit nicht gemeint haben. Die Menschen dort wagen von solchen Preisen nicht einmal zu träumen. In den besseren Gegenden der Isar-Metropole dürften 2000 Euro in etwa dem Grundstücksanteil am Quadratmeterpreis einer Neubauwohnung entsprechen. München ist Deutschlands teuerste Großstadt über die auch die Sparda-Banken-Studie sagt, dass dort die Preise seit 2005 um 81,4 Prozent gestiegen sind.

Ein paar Zeilen weiter wird klar, wie weit die vom Institut der Wirtschaft Köln (IW) ermittelten Preise in Deutschland auseinander klaffen. Dort heißt es: „Die kleinsten erschwingliche Immobilien gibt es im Landkreis München, die größten im Landkreis Stendal.“ In der bayerischen Landeshauptstadt gibt es für die 242.000 Euro gerade einmal 44 Quadratmeter, im Landkreis noch drei Quadratmeter weniger. Im sachsen-anhaltinischen Stendal, ziemlich genau in der Mitte zwischen Wolfsburg und Berlin, sind es 299 Quadratmeter. Und in München müssen mehr als doppelt so viele Jahresnettoeinkommen für eine Wohnung aufgebracht werden wie im Schnitt über das ganze Land.

Das Ergebnis basiert darauf, dass in den sieben größten Städte Deutschlands – Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, München und Stuttgart – sowie in allen 63 kreisfreien Städte mit 100.000 bis 600.000 Einwohnern der Eigentumswohnungsmarkt untersucht wurde. In den 292 Landkreise blickten die Experten auf den Markt für Einfamilienhäuser.

Ein Blick auf die vom Marktforschungsinstitut F+B Forschung und Beratung für Wohnen quartalsweise ermittelten Eigentumswohnungspreise bestätigt in etwa die Preis-Größenordnung. Für das vierte Quartal 2016 nennt F+B für München einen Durchschnittspreis von 5740 Euro pro Quadratmeter. Stendal kommt mit 980 Euro pro Quadratmeter auf Platz 474 in der 494 Plätze umfassenden Liste der Städte mit mehr als 25.000 Einwohnern. Am billigsten ist Zeitz im Süden von Sachsen-Anhalt mit 710 Euro pro Quadratmeter. Die Berechnungen der Sparda-Bank-Studie basieren in Teilen auf Daten von F+B.

Kommentare (3)

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Rainer von Horn

20.03.2017, 11:24 Uhr

240 TEUR für 44qm?

Na da würde ich mir lieber eine 20qm-Residenz von Tabbert oder Dethleffs oder Westfalia zulegen.
Ist bedeutend billiger und im Kriegsfall ist man mobil. :)

Frau Edelgard Kah

20.03.2017, 12:53 Uhr

Sehr geehrter Herr Reichel,

für einen Bürger und Leser Ihres Blattes ist es ausgesprochen mißlich und ärgerlich, dass fast alle Untersuchungen oder Verlautbarungen über den Wohnungsmarkt von Vertretern der Wohnungswirtschaft oder den finanzierenden Banken stammen. Dass von Interessenvertretern keine neutralen Informationen zu erwarten sind, versteht sich von selbst.

Natürlich können auch Sie nicht viel daran ändern. Aber ein Plus an kritischem Hinterfragen sollten Sie schaffen.

Beispiel gefällig? Nehmen Sie die Studie der Sparda-Banken, die die Preise von Metropolen und gottverlassenen Gegenden zu einem Durchschnittspreis zusammenrechnet. Warum muß man solchen Unfug überhaupt präsentieren?

Oder nehmen Sie die Umfrage bei Kaufinteressenten, wonach die Entfernung zwischen Wohn- und Arbeitsort nicht mehr als 30 Kilometer betragen sollte. Mich stört, dass Sie diese "Wünsch-Dir-Was-Veranstaltung" unkommentiert abdrucken. Dabei weiß eigentlich jeder, dass es bei einer guten S-Bahn- oder Nahverkehrszugverbindung auf die Straßenkilometer überhaupt nicht ankommt.

Frau Edelgard Kah

20.03.2017, 14:47 Uhr

Sehr geehrter Herr Reichel,

noch einmal zu Ihrem Artikel. Weite Passagen befassen sich mit der Frage, wer kann sich eine Immobilie leisten. Anscheinend spielen dabei die höchst unterschiedlichen Preise in ländlichen Regionen und Großstädten überhaupt keine Rolle.

Und anscheinend muß jeder eine Immobilie erwerben, das ist für jeden der Sinn des Lebens.

Ob man dabei in den Großstädten mit Null- oder Minusrenditen oder gar mit deftigen Verlusten herauskommt, interessiert die Vertreter der Immobilienwirtschaft einen feuchten Staub.

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