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19.06.2015

07:42 Uhr

Wohnungen und Häuser

Euphorie und Rekorde am Immobilienmarkt

VonReiner Reichel

Die Mietpreisbremse kann den deutschen Immobilienboom nicht stoppen. Die Profi-Investoren erwarten weiterhin auf steigende Mieten und Preise.Warum die Preisrally weitergeht.

In Deutschland wir gebaut, aber nicht immer nach Bedarf. Getty Images

In Deutschland wir gebaut, aber nicht immer nach Bedarf.

DüsseldorfDeutschlands Immobilienbranche surft auf einer Euphoriewelle. Knapp 85 Prozent der 123 Immobilienfirmen, die dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) Auskunft gaben, nannten ihre Geschäftslage im zweiten Quartal 2015 "gut". Das ist der höchste Wert, seit das IW Köln den Stimmungsindex in exklusiver Kooperation mit dem Handelsblatt erstellt.

„Die Geschäftslage der Immobilienbranche ist insgesamt sehr gut“, interpretiert Michael Voigtländer, Leiter Kompetenzfeld Finanz- und Immobilienmärkte beim IW Köln, das Ergebnis. Wesentliche Treiber hinter dem Gesamtindex sind die Teilindizes für die Segmente Wohnen (94,1 Prozent) und Projektentwicklung (91,2 Prozent), deren Unternehmen ebenfalls noch niemals zuvor so begeistert von ihren Geschäften waren wie jetzt.

Die Wohnungsvermieter gehen der Umfrage zufolge zu 80 Prozent von weiter steigenden Mieten aus. Für Voigtländer ist klar: „Die Mietpreisbremse kann die gute Stimmung noch nicht eintrüben.“ Den gleichen Schluss zieht Immobilienscout24-Chefanalyst Michael Kiefer nach Analyse der auf der eigenen Immobilienplattform offerierten Wohnungen: „Bislang keine Bremswirkung bei den Angebotsmieten.“

Zumal die Bremse nichts am knappen, Mietsteigerungen provozierenden Wohnungsangebot ändert. „Die anhaltend hohe Zuwanderung sowie die starke Einkommensentwicklung erhöhen die Wohnungsnachfrage, insbesondere in den Metropolen“, stellt Wissenschaftler Voigtländer fest.

Die umsatzstärksten Wohnungsmärkte in Deutschland

Platz 10

Augsburg
Umsatz 2012: 497 Millionen Euro
Umsatz 2013: 466 Millionen Euro
Die Auswertung zeigt Umsätze beim Verkauf von Wohnungsimmobilien. Quelle: Accentro Wohneigentums-Report 2014. Basis: Daten der Gutachterausschüsse.

Platz 9

Nürnberg
Umsatz 2012: 542 Millionen Euro
Umsatz 2013: 518 Millionen Euro

Platz 8

Leipzig
Umsatz 2012: 491 Millionen Euro
Umsatz 2013: 588 Millionen Euro

Platz 7

Stuttgart
Umsatz 2012: 782 Millionen Euro
Umsatz 2013: 757 Millionen Euro

Platz 6

Düsseldorf
Umsatz 2012: 537 Millionen Euro
Umsatz 2013: 871 Millionen Euro

Platz 5

Frankfurt
Umsatz 2012: 1,3 Milliarden Euro
Umsatz 2013: 1,1 Milliarden Euro

Platz 4

Köln
Umsatz 2012: 1,15 Milliarden Euro
Umsatz 2013: 1,2 Milliarden Euro

Platz 3

Hamburg
Umsatz 2012: 1,75 Milliarden Euro
Umsatz 2013: 1,78 Milliarden Euro

Keine Differenzierung zwischen Neubau und Bestand.

Platz 2

München
Umsatz 2012: 3,8 Milliarden Euro
Umsatz 2013: 3,8 Milliarden Euro

Wohnungs- und Teileigentum.

Platz 1

Berlin
Umsatz 2012: 3,6 Milliarden Euro
Umsatz 2013: 4,3 Milliarden Euro

Im vergangenen Jahr wanderten 1,4 Millionen Menschen in Deutschland ein, nur einmal in den vergangenen 65 Jahren, 1992, waren es mit 1,5 Millionen Zuwanderern mehr. „Seit Beginn der Staatsschuldenkrise in der Euro-Zone im Jahr 2010 zogen per saldo 1,7 Millionen zu, so dass trotz einer schrumpfenden heimischen Bevölkerung die Gesamtbevölkerung um etwa eine halbe Million stieg“, schreibt die Deutsche Bank in einer kürzlich erschienenen Analyse.

Kommentare (1)

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Herr Moritz J. Mueller

19.06.2015, 10:54 Uhr

Grosse Märkte existieren nur dort wo das zirkulierende Kapital ausgeglichen verteilt ist. Wo, mit anderen Worten, grosse Kaufkraft in der Bevölkerung vorhanden ist. Die Einwohnerzahl sagt nichts darüber aus. Wenn man sich nun die Realität an schaut, so stellt man fest dass eine ausgeglichene Verteilung des zirkulierenden Kapitals nicht vorhanden ist. Eher mit der Zeit immer unausgeglichener wird. Und das die beschriebenen Szenarien wohl eher vom Wunschdenken der grossen Immobilienfirmen denn von der Realität diktiert sind. So gesehen ist das was gegenwärtig in der Immobilienbranche, dank der sehr niedrigen Zinsen hauptsächlich mit geliehenen Geld, passiert, nicht anderes als das Bilden einer riesige (Kredit-Schulden) Blase, deren Platzen, wieder einmal, vor programmiert ist.

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