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16.09.2012

16:27 Uhr

Wohnungsbau in Berlin

Wenn Neukölln plötzlich hip wird

VonChristian Hunziker

In Berlin gilt: Was heute im Trend liegt, ist morgen schon out. Diese Weisheit zählt auch bei Immobilien. Investoren bauen daher nicht in Mitte und Prenzlauer Berg, sondern in Treptow, Lichtenberg und Neukölln.

Luxusapartments wie diese in Berlin Mitte könnten demnächst auch in Neukölln stehen. Reuters

Luxusapartments wie diese in Berlin Mitte könnten demnächst auch in Neukölln stehen.

BerlinDas vielleicht spektakulärste Wohnungsbauprojekt Berlins soll im östlichen Stadtteil Treptow Gestalt annehmen. Dort plant das Unternehmen Agromex ein Hotel und zwei Wohnhochhäuser mit Blick über die Stadt – 18 Jahre, nachdem ein Masterplan für dieses Gebiet vorgelegt wurde. „Die Zeit ist reif, dieses Quartier, das von einer unmittelbaren Spreelage profitiert, zu vollenden“, sagt Agromex-Geschäftsführer Franz Rembold.

Das Vorhaben in Treptow ist eines von mehreren, die zeigen, dass Berlins Wohnungsmarkt nicht nur in den beliebten Wohnlagen von Mitte, Prenzlauer Berg, Friedrichshain, Charlottenburg und Wilmersdorf angezogen hat. „Aufgrund des knappen Grundstücksangebots und der dynamischen Preisentwicklung wird sich die Markttätigkeit weiter in die Cityrandlagen ausbreiten“, sagt der auf Eigentumswohnungen spezialisierte Makler Nikolaus Ziegert.

Zu beobachten ist das nicht nur in Treptow, sondern auch in Lichtenberg. Dieser in weiten Teilen von Plattenbauten dominierte Stadtteil hatte lange nicht den besten Ruf. Mittlerweile aber sind auch dort Wohnungsentwickler aktiv. So errichtet die CG-Gruppe aus Leipzig mit dem Carré Parkaue insgesamt rund 300 Wohnungen – nur wenige Hundert Meter östlich vom vor allem bei jungen Leuten begehrten Stadtteil Friedrichshain. Doch selbst vor ausgesprochenen Randlagen schrecken Immobilienprofis nicht mehr zurück. So soll im Stadtteil Buch und damit schon fast in Brandenburg in den nächsten zwei Jahren das Ludwig-Hoffmann-Quartier mit 210 Eigentumswohnungen entstehen.

Wie schnell Wohnlagen an Beliebtheit gewinnen können, beweist das Beispiel Kreuzkölln. So nennen die Berliner den nördlichen, an Kreuzberg angrenzenden Teil des Bezirks Neukölln. Obwohl dieser noch vor kurzem als sozialer Brennpunkt verschrien war, stiegen dort nach Angaben des Beratungsunternehmens CBRE die Wohnungsmieten im vergangenen Jahr um 15 Prozent. Rackham F. Schröder vom Maklerhaus Engel & Völkers beobachtet, dass dabei besonders diejenigen Straßenzüge nachgefragt werden, die an den zu einem Park umgewandelten ehemaligen Flughafen Tempelhof angrenzen. Doch auch andere Wohnviertel in der Innenstadt verändern sich. „Wedding und Tiergarten sind weiter im Aufwärtstrend“, sagt Schröder. Tiergarten profitiert dabei von der Nähe zum Hauptbahnhof.

Erhebliche Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt wird auch das bedeutendste Berliner Infrastrukturprojekt haben: „Im Zuge der Eröffnung des neuen Flughafens in Schönefeld werden einzelne Standorte neu zu bewerten sein“, ist Stavros Efremidis, Sprecher des Vorstands des Wohnungsunternehmens KWG, überzeugt. Für Marco Mendler, Geschäftsführer des Wohnungsprivatisierers Alt+Kelber, steht fest, dass „die Nähe der südlichen Bezirke zum künftigen Flughafen sich langfristig positiv auswirken wird“.

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