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09.02.2014

16:21 Uhr

Wohnungsgesellschaft

LEG will solide wachsen

VonReiner Reichel

Wenig Leerstand, der kursfördernde Ausstieg des Großaktionärs Goldman Sachs und moderat steigende Mieteinnahmen: Bei der Wohnungsgesellschaft LEG deuten viele Zeichen auf Wachstum. Doch der Vorstand bleibt bescheiden.

LEG-Immobilie in Köln-Niehl: Gewinnsteigerung durch Mieterhöhungen. PR

LEG-Immobilie in Köln-Niehl: Gewinnsteigerung durch Mieterhöhungen.

DüsseldorfDie Wohnungsgesellschaft LEG will weiterhin unspektakulär wachsen. Und so gibt Vorstandschef Thomas Regel als Ziele erst einmal den Kauf von weiteren 10.000 Wohnungen und um zwei bis drei Prozent steigende Mieteinnahmen als Ziele für dieses Jahr aus. Wohl wissend: „Der Markt richtet Zielverfehlungen hart.“ Den Richter muss Hegel zurzeit nicht fürchten, denn seit Jahresanfang hat er bereits Verträge über den Kauf von 6.700 Einheiten geschossen.

Die beim Börsengang vor knapp einem Jahr gesetzten Ziele hat die LEG erfüllt oder übertroffen.

Eine Deckelung der Bestandsmieten und eine Bremse bei der Höhe der Neuvermietungsmieten, wie sie die Bundesregierung noch in diesem Jahr verabschieden will, können dem MDax-Unternehmen keinen Strich durch die Rechnung machen. Maximal 0,1 Prozentpunkte Mietwachstum würde die Einführung des neuen Mietrechts die LEG kosten.

Die größten Wohnimmobilien-Deals 2013

Platz 1

Verkäufer: GSW-Aktionäre
Käufer: Deutsche Wohnen
Wohneinheiten: 60.000
Preis: 3,3 Milliarden Euro
Quartal: 4. Quartal 2013
Target: 90-prozentiger Anteil an GSW

Platz 2

Verkäufer: Bayern LB
Käufer: Investorenkonsorium unter der Führung von Patrizia AG
Wohneinheiten: 32.000
Preis: 2,45 Milliarden Euro
Quartal: 2. Quartal 2013
Target: 92-prozentiger Anteil an GWB

Platz 3

Verkäufer: Goldmann Sachs/Whitehall, Perry
Käufer: Institutionelle Investoren
Wohneinheiten: 91.000
Preis: 1,34 Milliarden Euro
Quartal: 1. Quartal 2013
Target: Initial Public Offering, LEG NRW (57,5 Prozent)

Platz 4

Verkäufer: Terra Firma
Käufer: Institutionelle Investoren
Wohneinheiten: 180.000
Preis: 575 Millionen Euro
Quartal: 3. Quartal 2013
Target: Initial Public Offering, Deutsche Annington (15,5 Prozent)

Platz 5

Verkäufer: Blackstone
Käufer: Deutsche Wohnen AG
Wohneinheiten: 6.900
Preis: 370 Millionen Euro
Quartal: 2. Quartal 2013
Target: Wohnportfolio Berlin

Platz 6

Verkäufer: JP Residential
Käufer: Foncière des Régions
Wohneinheiten: 4.000
Preis: 351 Millionen Euro
Quartal: 3. Quartal 2013
Target: Wohnportfolio Berlin/Dresden

Platz 7

Verkäufer: Corestate Capital AG
Käufer: Diverse Käufer
Wohneinheiten: 3.700
Preis: 250 Millionen Euro
Quartal: 1. Quartal 2013
Target: Deutschlandweites Wohnportfolio

Platz 8

Verkäufer: Immeo Wohnen
Käufer: Adler Real Estate AG
Wohneinheiten: 4.040
Preis: 210 Millionen Euro
Quartal: 2. Quartal 2013
Target: Wohnportfolio NRW

Da Hegel das Mietwachstum eher bei drei als zwei Prozent sieht, dürfte auch der operativen Gewinn, branchenüblich als FFO I (Funds from Operations) ohne Verkaufsgewinne, in der erwarteten Spannbreite eintreffen: Er soll 2014 zwischen 2,93 und drei (2013: 2,62 bis 2,67) Euro je Aktie betragen. Anleger können auf dieser Basis ihre Dividendeneinnahmen kalkulieren, denn die LEG will 65 Prozent des FFO I ausschütten.

Obwohl die LEG-Wohnungen nahezu ausnahmslos über NRW verteilt sind, also ihre Mietblocks auch in strukturschwachen Regionen stehen, beträgt der Leerstand nur drei Prozent. Mit einer durchschnittlichen Monatsmiete von 316 Euro und einer Quadratmetermiete von 4,94 Euro gehört sie zu den preisgünstigen Vermietern.

Die Nachfrage nach preisgünstigen Wohnraum kann einen zusätzliche Schub erfahren, denn NRW wird überdurchschnittlich vom Zuzug aus anderen EU-Staaten nach Deutschland profitieren.

Die attraktivsten Immobilienmärkte Europas

Die Umfrage

Wie attraktiv sind die Immobilienmärkte Europas - das hat die Unternehmensberatung Ernst & Young 500 Investoren gefragt, die in den vergangenen Jahren auf ihrem nationalen Markt aktiv waren. Dabei sind folgende Ergebnisse herausgekommen:

Platz 1

Polen

Deutschlands östlicher Nachbar bietet der Umfrage zufolge den attraktivsten Standort für Immobilieninvestments. 67 Prozent der Befragten hielten Polens Immobilienmarkt für attraktiv, 33 Prozent gar für sehr attraktiv. Im Europäischen Vergleich sieht die Situation ähnlich aus: 85 Prozent der Befragten fanden beurteilten den Standort als gut oder sehr gut.

Platz 2

Deutschland

Auch Deutschland scheint Immobilienanlegern ein guter Standort zu sein. 67 Prozent der Befragten hielten den Immobilienmarkt hierzulande für attraktiv, nur ein Prozent gab sich skeptisch. Im Europäischen Vergleich hielten 59 Prozent der Befragten Deutschland für besonders attraktiv für Immobilienanlage.

Platz 3

Großbritannien

96 Prozent der Anleger beurteilten Immobilieninvestments auf der britischen Insel als attraktiv oder als sehr attraktiv. Auch im europäischen Vergleich war die Mehrheit dieser Meinung - lediglich zwei Prozent hielten den Markt für weniger lukrativ.

Platz 4

Schweden

30 Prozent der Befragten hielten Immobilieninvestments in Schweden für sehr attraktiv, weitere 65 Prozent zumindest für lohnend. Im Europäischen Vergleich schneidet das skandinavische Land weniger gut ab: Dort halten immerhin zehn Prozent der Befragten es für einen unattraktiven Standort.

Platz 5

Österreich

94 Prozent der Anleger hielten Investments auf dem österreichischen Immobilienmarkt für attraktiv oder sehr attraktiv, so die EY-Umfrage. Im europäischen Vergleich waren es 97 Prozent.

Platz 6

Russland

Rund ein Drittel der Befragten fand, dass sich das Investieren in den russischen Immobilienmarkt lohne. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern scheint das Land jedoch weniger attraktiv zu sein, lediglich 16 Prozent der Befragten fanden, dass sich auch im Europa-Vergleich Russland-Investments besonders lohnen.

Platz 7

Spanien

Für kein anderes Land in der Umfrage sind so viele Investoren der Meinung, dass sich Immobilienkauf lohne, wie für Spanien. 49 Prozent beurteilen den Standort als sehr attraktiv, im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sind 47 Prozent der Befragten dieser Meinung.

Platz 8

Luxemburg

Luxemburg beurteilen 35 Prozent der Befragten als besonders attraktiv, weitere 47 Prozent als attraktiv. Im Europavergleich sehen die Zahlen ähnlich aus: 92 Prozent finden den Standort sehr gut oder gut.

Platz 9

Türkei

Gerade im europäischen Vergleich schneidet die Türkei bei Immobilieninvestoren gut ab. 55 Prozent beurteilen den Markt als besonders attraktiv. Für sich genommen, beurteilen 45 Prozent den Markt als besonders gut. Rund ein Fünftel findet allerdings, dass sich das Investieren in die Türkei weniger lohnt.

Platz 10

Schweiz

Deutlich skeptischer blicken Investoren auf den Schweizer Markt. 20 Prozent halten ihn für sich genommen für wenig attraktiv, im Vergleich zu anderen EU-Staaten gar 30 Prozent. Zugleich sind 35 Prozent der Befragten der Meinung, dass sich Investments in die Schweiz lohnen.

Platz 11

Belgien

Über die Hälfte (54 Prozent) der befragten Investoren findet den belgischen Immobilienmarkt attraktiv, im Europavergleich 58 Prozent. Für besonders attraktiv halten den Markt ein Viertel der Befragten (Europavergleich: 21 Prozent).

Platz 12

Niederlande

Für nicht besonders attraktiv halten 33 Prozent der Befragten den niederländischen Immobilienmarkt - sowohl für sich genommen, als auch im Europavergleich. Immerhin: Über die Hälfte sind der Meinung, dass sich das Anlegen in dortige Häuser und Wohnungen lohne.

Platz 13

Ukraine

Wenn es um den Vergleich zu anderen Ländern Europas geht, ist die Ukraine für die Befragten das schlechteste Land. 44 Prozent halten es für weniger attraktiv. Für sich genommen steht die Ukraine aber gar nicht so schlecht da: Immerhin sind 57 Prozent der Immobilieninvestoren der Meinung, Anlegen würde sich in diesem Land lohnen.

Platz 14

Italien

61 Prozent der Befragten halten den italienischen Immobilienmarkt für attraktiv oder se, 39 Prozent sind der gegenteiligen Meinung. Im Europavergleich steht Italien weniger schlecht da: Dort finden 27 Prozent der Investoren, dass sich der Markt besonders lohne.

Platz 15

Frankreich

Das Schlusslicht im EY-Rating ist Frankreich. 40 Prozent der Investoren halten den Markt für sich genommen für unattraktiv. Im Europavergleich sinkt diese Zahl allerdings auf 18 Prozent.

Vom Ausstieg des Großaktionärs Goldman Sachs erwarte Hege weitere Impulse für den Kurs. Am 22. Februar veräußerte ein Fonds der Investmentbank die restlichen 15,2 Millionen LEG-Aktien für knapp 670 Millionen Euro. Seitdem hat sich der Kurs besser entwickelt als der MDax, in dem die LEG gelistet ist.

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