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18.08.2016

13:54 Uhr

Wohnungsmarkt

Deutschland will bauen

VonReiner Reichel

Seit 16 Jahren wurden nicht so viele Wohnungsbauten genehmigt wie im ersten Halbjahr dieses Jahres. Doch genehmigt ist nicht gebaut, warnen Experten und sind sicher, dass Wohnraum weiter knapp und teuer bleibt.

Die Zahl der Baugenehmigungen ist deutlich gestiegen. dpa

Aufbau eines Fertighauses

Die Zahl der Baugenehmigungen ist deutlich gestiegen.

DüsseldorfIn den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden so viele Baugenehmigungen für Wohnungen erteilt wie zuletzt vor 16 Jahren. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes wurden von Januar bis Juni 182.800 Wohnungen genehmigt, 30,4 Prozent mehr als in der gleichen Vorjahresperiode. Rund 80.000 Wohnungen sollen in Mehrfamilienhäusern entstehen, was gleichfalls einem Plus von gut 30 Prozent entspricht.

Doch von einem Wohnungsbauboom ist keine Rede – nicht bei den Wohnungsverbänden und Marktforschern. Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW: „Die Zahl der Wohnungsbaugenehmigungen reicht immer noch nicht aus, um den Bedarf von jährlich 400.000 neuen Wohnungen gerade in den wachsenden Ballungsräumen zu decken“, stellt Gedaschko fest und ergänzt: „Genehmig ist noch lange nicht gebaut.“

Preisentwicklung von Luxusimmobilien weltweit (2016)

Vancouver

Preissteigerung Juni 2015 bis Juni 2016:

plus 36,4 Prozent

Die Studie vergleicht die Entwicklung der Immobilienpreise für Luxusobjekte (Top-fünf-Prozent des Markts) in 37 Großstädten weltweit. Quelle: Knight Frank

Schanghai

Preissteigerung Juni 2015 bis Juni 2016:

plus 22,5 Prozent

Kapstadt

Preissteigerung Juni 2015 bis Juni 2016:

plus 16,1 Prozent

Toronto

Preissteigerung Juni 2015 bis Juni 2016:

plus 12,6 Prozent

Melbourne

Preissteigerung Juni 2015 bis Juni 2016:

plus 11 Prozent

Paris

Die französische Hauptstadt führt die fünf Städte mit der schlechtesten Preisentwicklung an.

Preisentwicklung Juni 2015 bis Juni 2016:

minus 2,7 Prozent

Delhi

Preisentwicklung Juni 2015 bis Juni 2016:

minus 4,9 Prozent

Moskau

Preisentwicklung Juni 2015 bis Juni 2016:

minus 5,2 Prozent

Taipeh

Preisentwicklung Juni 2015 bis Juni 2016:

minus 7,7 Prozent

Hongkong

Preisentwicklung Juni 2015 bis Juni 2016:

minus 8,4 Prozent

Der BFW Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen warnt vor „falschem Spiel mit schönen Zahlen“. Durch den Anstieg der Baugenehmigungszahlen werde die Wohnungsknappheit in den Ballungszentren nicht geringer, kommentiert BFW-Präsident Andreas Ibel die Zahlen.

Reiner Braun, Vorstand des Immobilienmarktforschers Empirica, stimmt ihm zu: „Selbst wenn alle genehmigten Gebäude sofort gebaut würden, dauert es zwei bis drei Jahre, bis sie fertiggestellt sind.“ Nach Empirica-Rechnungen müssten von 2015 bis 2020 jedes Jahr 360.000 Wohnungen fertiggestellt werden. Diese Zahl sei im vergangenen Jahr unterschritten worden und auch im ersten Halbjahr 2016 seien nicht so viele Gebäude bezugsreif geworden wie nötig.

GdW-Präsident Gedaschko nutzt den Kommentar zur Genehmigungsstatistik zu einem Seitenhieb auf die Politik. Steigende Grunderwerbsteuern, hohe Anforderungen an die Energieeffizienz kombiniert mit den Vorhaben den Mietspiegel zu verbreitern und die Modernisierungsumlage zu schmälern führten dazu, „dass die Neubautätigkeit nicht ausreichend an Fahrt aufnehmen kann“.

Die Bundesregierung bereitet gegenwärtig Gesetze vor, wonach die vergangenen acht Jahre statt wie bisher die letzten vier Jahre in die Mietspiegelberechnung einfließen sollen. Die Folge wären sinkende Mietspiegelmieten. Die wiederum sind maßgeblich für die in den meisten Großstädten gültige Mietpreisbremse. Sie begrenzt Mieterhöhungen bei Wiedervermietung. Der Vermieter darf vom neuen Mieter die Mietspiegelmiete plus maximal zehn Prozent verlangen.

Kommentare (12)

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Rainer von Horn

18.08.2016, 14:17 Uhr

Hendricks hat Recht. Das Grundgesetz muss geändert werden, damit der Bund beim Plattenbau in die Vollen gehen kann. Schliesslich geht Mutti ja auch bei der Migration in die Vollen. Und bei der Gelegenheit könnte das Grundgesetz dann auch migrationstechnisch an die neuen Realitäten angepasst werden. Uund auch was den Einsatz der Bundeswehr im Innern anbelangt. Denn wenn als Arbeitsmarktprogramm Flüchtklinge auch bei der Bundeswehr unterkommen sollen, muss das sein. Denn die neuen Arbeitskräfte sind ja bereits im Innern.
Also, los gehts, es gibt viel zu tun!
:)

Account gelöscht!

18.08.2016, 14:21 Uhr

Rainer von Horn@
Welches Grundgesetz ? Das ist doch obsolete seit die Göttliche am Ruder ist.

Herr Peter Noack

18.08.2016, 14:29 Uhr

Wohnraum bleibt knapp???
So ein schmarrn! Der Leerstand an Wohnungen in den Dörfern steigt immer mehr und auch in schrumpfenden Regionen des Ostens oder in NRW steigt der Leerstand. Es ist an Dummheit kaum zu übertreffen, wenn wenige Ballungsräume in Hessen, Bayern, Baden Württemberg sowie Hamburg und Berlin als Kronzeugen für eine Immobilienblase herhalten müssen.
So lange Mieten wirtschftlich interesanter ist als Wohneigentum, müssen die Mieten eben stärker steigen als die Kaufpreise. Natürlich kann der Staat als Bund, Länder und Kommunen so vieleWohnungen bauen, dass der Wohnungsmarkt zusammenbricht. Können kann er das. Soll er das auch wollen?
An diesem Thema scheitern Wirtschaft und Wirtschaftswissenschaft regelmäßig.

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