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10.01.2017

14:56 Uhr

Wohnungsmarkt

Parteien buhlen um Mieter und Hauskäufer

VonSilke Kersting

Mieter entlasten und den Kauf der eigenen vier Wände erschwinglicher machen: Mit ihrem geplanten Maßnahmenpaket will die SPD gleich zwei Ziele auf einmal erreichen. Die Union kritisiert die Pläne als zu kurz gegriffen.

Der Wohnungsmarkt in Hamburg ist wie in anderen deutschen Großstädten äußerst umkämpft. dpa

Mietwohnungen in Hamburg

Der Wohnungsmarkt in Hamburg ist wie in anderen deutschen Großstädten äußerst umkämpft.

BerlinEs könnte ein gutes Jahr werden – sowohl für Mieter als auch für all jene, die sich ein Haus oder eine Wohnung kaufen wollen. Denn 2017 stehen Bundestagswahlen an. Und das erklärt, warum die Parteien der Großen Koalition gleichermaßen um Mieter und Wohnungskäufer buhlen. Sowohl SPD als auch CDU/CSU wollen die Belastung für Mieterhaushalte senken und Käufern den Erwerb der eigenen vier Wände erleichtern. Uneins sind sich die Noch-Koalitionäre allerdings darüber, welche Instrumente die geeigneten sind.

„Ich begrüße, dass nun endlich auch die SPD künftig Wohneigentümer stärker unterstützen will, statt sie wie bisher mit immer neuen Regulierungen zu belasten.“ So stichelt Jan-Marco Luczak, Mietrechtspolitiker der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, gegen die am Dienstag bekannt gewordenen Vorschläge der Sozialdemokraten, Mieter zu stärken und Käufer von Wohnungen zu entlasten. Für die Union sei schon lange klar: „Wir wollen gerade jungen Familien den Erwerb von selbstgenutztem Wohneigentum erleichtern, denn das ist auch eine solide private Altersvorsorge.“

Die SPD hat aus Anlass der bevorstehenden Klausur der Bundestagsfraktion ein Papier „Rechte der Mieterinnen und Mieter stärken“ erarbeitet. Angesichts der von vielen Experten als gescheitert bezeichneten Mietpreisbremse fordern die Sozialdemokraten im Wahljahr weitere Nachbesserungen und eine Einigung mit dem Koalitionspartner zum Streitthema Modernisierungsumlage. Diese Pläne werden schon länger diskutiert, bislang jedoch ohne vorzeigbares Ergebnis.

Welche Zusatzkosten Sie beim Hauskauf beachten müssen

Transaktionskosten

Wer beim Hauskauf nur mit dem Preis der Immobilie kalkuliert, kann am Ende eine böse Überraschung erleben. Denn oft kommen mit dem Erwerb weitere Kosten hinzu – die sogenannten Transaktionskosten. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung hat in der Studie „Wohn- und Immobilienmärkte in Deutschland 2016“ einen Leitfaden dazu mitgegeben, der auflistet, welche Zahlungen Immobilienkäufer neben dem Kaufpreis berücksichtigen sollten.

Grunderwerbsteuer

So muss jeder, der eine Immobilie kauft, neben dem Kaufpreis auch die Grunderwerbsteuer abführen. Seit 2006 legen die Bundesländer die Höhe selbst fest. In 14 Bundesländern liegt er zwischen 4,5 und 6,5 Prozent, in Bayern und Sachsen dagegen bei 3,5 Prozent. 2015 haben die Länder so 11,2 Milliarden Euro eingenommen, der Anteil an allen Ländersteuern beträgt damit mehr als 50 Prozent. Ausnahmen von der Grunderwerbsteuer können bei Schenkungen und Erbschaften vorliegen.

Notarielle Leistungen

Neben der Steuer muss bei einem Hauskauf zudem auch der Notar bezahlt werden. Diese Kosten für beispielsweise Erstellung des Kaufvertrags, Übertragung des Eigentums und die Zahlungsabwicklung sind gesetzlich festgelegt und bewegen sich bei einer Standardkonstellation im Bereich von etwa 0,8 und 1,2 Prozent des Objektpreises. Dabei gilt: Je teurer das Objekt, desto geringer die Rate.

Grundbuch

Das Neueintragen oder das Umschreiben des Grundbuches ist ein weiterer Kostenfaktor, mit dem Hauskäufer rechnen müssen. Auch diese Kosten sind gesetzlich festgelegt. Sie liegen – je nach Objektpreis – zwischen 0,4 und 0,6 Prozent des Kaufpreises.

Leistungen von Maklern

Nicht obligatorisch, aber dennoch sehr häufig muss auch ein Makler bezahlt werden. Zum Teil übernehmen diese auch Objektbewertungen und Preisverhandlungen. Schätzungen gehen davon aus, dass Makler bei knapp der Hälfte aller Verkäufe von selbstgenutzten Immobilien beteiligt sind. Die Provision richtet sich nach ortsüblichen Sätzen, ist aber auch verhandelbar. Die Maklervereinigung Immobilienverband Deutschland beziffert den gängigen Höchstsatz auf sechs Prozent des Kaufpreises zuzüglich Mehrwertsteuer. Das Bestellerprinzip, nach dem derjenige den Makler bezahlt, der ihn bestellt hat, gilt übrigens nur für Vermietungen.

Darüber hinaus will die SPD auch die Bedingungen für den Kauf von selbst genutztem Wohneigentum verbessern. „Schwierigkeiten bestehen hier oftmals bei den Erwerbsnebenkosten, die mittlerweile circa zehn Prozent der Erwerbssumme ausmachen“, heißt es in dem Papier, das dem Handelsblatt vorliegt. So plant die SPD, dass wie bei der Vermietung von Wohnungen künftig auch bei Immobilienverkäufen der Verkäufer die Maklerkosten tragen muss – nach dem Prinzip „Wer bestellt, der bezahlt“. Für den Notar würden derzeit beim Kauf einer Wohnung 1,5 Prozent fällig. Bei einer Immobilie im Wert von 400.000 Euro seien das bereits 6.000 Euro. „Da es sich um eine Standardleistung handelt, wollen wir künftig beim Erwerb selbst genutzten Wohnraums eine Pauschale gesetzlich festschreiben.“ Gleiches gelte für den Eintrag ins Grundbuch (0,5 Prozent der Kaufsumme), auch hier solle es eine Pauschale geben.

Vergabe von Immobilienkrediten: Regierung bessert Regelung nach

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Um Immobilienblasen vorzubeugen hat das Bundeskabinett eine strengere Regulierung für Immobilienkredite beschlossen. Die Bafin soll Vorgaben machen können. In einigen Punkten kam die Regierung Kritikern entgegen.

Luczak bezeichnete die Senkung der Baunebenkosten als „vernünftigen Ansatz“. Pauschalen seien denkbar, „aber dabei muss es gerecht bleiben: Es darf nicht sein, dass für eine Fünf-Millionen-Villa die gleiche Pauschale gezahlt werden muss wie beim Kauf einer kleinen Wohnung.“

Auch die Beschränkung der Pauschalen auf selbstgenutzte Immobilien greife zu kurz, sagte Luczak. „Wenn ein Eigentümer eine Immobilie erwirbt, um sie anschließend zu vermieten, dann verteuern hohe Baunebenkosten letztlich die Miete. Im Interesse von Mietern sollten die niedrigeren Pauschalen auch für zu vermietende Immobilien gelten“, forderte der CDU-Politiker.

Kommentare (2)

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Rainer von Horn

10.01.2017, 15:21 Uhr

Der Wohnungsmarkt ist derzeit ein Verkäufermarkt. Der Politik fehlt scheinbar die Phantasie, dass die Verkäufer zu zahlende Maklergebühren auf den Kaufpreis aufschlagen und dann am Markt auch noch durchsetzen könnten. Und die Länder haben die Erschwinglichkeit von Wohnimmobilien für junge Familien durch eine bis zu 6,50%ige Grunderwerbsteuer in den letzten drastisch verschlechtert, ebenso die Bundespolitik durch immer schärfere Energiestandards bei Neubauten. Das alles sind INVESTITIONSBREMSEN. Mir fehlen einfach die Argumente, warum eine so bürgerferne Politik gerade bei Mietern und jungen Immobilienersterwerbern punkten sollte. Allenfalls durch Versprechen vor der Wahl, die dann hinterher nicht eingehalten werden.

Account gelöscht!

10.01.2017, 15:36 Uhr

Welcher Wähler wählt auf Grund von Miete und Hauskauf eine Partei?!
Parteien, die heut das Versprechen und morgen das andere machen...???!

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