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13.12.2012

12:17 Uhr

Wohnungsnot

Die Schattenseite des Immobilienbooms

VonJörg Hackhausen, Jens Hagen

In deutschen Metropolen werden die Wohnungen knapp – und immer teurer. Viele Menschen können sich das nicht mehr leisten. Was die Gründe sind und womit Mieter künftig rechnen müssen.

Mietskaserne: Für viele bald kaum bezahlbar. ZB

Mietskaserne: Für viele bald kaum bezahlbar.

DüsseldorfIn deutschen Städten wird es eng. Die Mieten steigen. Bezahlbare Wohnungen werden knapp. Wenn neu gebaut wird, dann sind es vor allem luxuriöse Apartments für Besserverdienende. Die Folge: Wer sich das teure Pflaster nicht mehr leisten kann, muss raus aus der Stadt. In zahlreichen Metropolen, wie beispielsweise in Hamburg und Berlin, gehen die Menschen bereits wegen des Wohnungsnotstandes auf die Straße. Sie sehen vor allem die Schattenseite des Immobilienbooms. Im Zuge der explodierenden Kaufpreise steigen auch die Mieten.

Nun springt auch die Politik auf das Thema auf. Die schwarz-gelbe Koalition will massive Mietsteigerungen in Ballungsräumen dämpfen. Bundesländer sollen Mieterhöhungen in bestimmten Städten oder Stadtvierteln stärker begrenzen können als bislang. Statt um 20 Prozent dürften Wohnungsmieten dann innerhalb von drei Jahren nur noch um maximal 15 Prozent steigen.

Prognose für Eigentumswohnungen bis 2015

Hamburg

Durchschnittspreis 2012: 2.352 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +15,7 Prozent

Quelle: Feri Eurorating Service AG

München

Durchschnittspreis 2012: 3.401 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +11,3 Prozent

Dresden

Durchschnittspreis 2012: 1.279 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +10,1 Prozent

Stuttgart

Durchschnittspreis 2012: 2.331 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +9,8 Prozent

Leipzig

Durchschnittspreis 2012: 1.148 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +9,6 Prozent

Freiburg

Durchschnittspreis 2012: 2.212 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +9,3 Prozent

Mannheim

Durchschnittspreis 2012: 1.813 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +8,8 Prozent

Frankfurt am Main

Durchschnittspreis 2012: 2.600 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +8,4 Prozent

Köln

Durchschnittspreis 2012: 2.268 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +8,3 Prozent

Berlin

Durchschnittspreis 2012: 1.894 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +8,0 Prozent

Hannover

Durchschnittspreis 2012: 1.131 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +7,6 Prozent

Augsburg

Durchschnittspreis 2012: 1.585 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +7,2 Prozent

Bonn

Durchschnittspreis 2012: 1.975 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +7,1 Prozent

Düsseldorf

Durchschnittspreis 2012: 2.459 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +6,8 Prozent

Chemnitz

Durchschnittspreis 2012: 766 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +4,8 Prozent

Die Devise lautet aber nicht nur Zuckerbrot, sondern auch Peitsche. Die Koalition hat heute im Bundestag auch Änderungen im Mietrecht beschlossen, die dem Vermieter zugute kommen. So soll die Miete demnach bei energiesparenden Sanierungen drei Monate lang nicht gemindert werden dürfen. Zwangsräumungen bei Mietprellerei sollen erleichtert werden.

Doch reichen all diese Änderungen aus, damit Wohnen in den Städten bezahlbar bleibt? Wie hoch könnten die Mieten in den nächsten Jahren weiter steigen? Und wie können Vermieter von dem Immobilienboom profitieren?

Dem Mieterbund gehen die Änderungen nicht weit genug. Die Bundesregierung müsse die Mieter vor drastisch steigenden Wohnkosten besser schützen, fordert Franz-Georg Rips, der Präsident der Mieter. Die Vermieter sehen das naturgemäß anders. „Wohnen ist in Deutschland zu billig“, sagt Rolf Elgeti. Er ist Chef von TAG Immobilien, einem der größten Wohnungsverwalter des Landes. Über zu hohe Miete könne sich niemand ernsthaft beschweren, behauptet Elgeti. Seine Firma verwaltet mehr als 50.000 Wohnungen, viele davon Plattenbauten in Ostdeutschland, weil bei denen die Aussichten auf Mietsteigerungen besonders gut seien.

Prognose für Mieten bis 2015

Hamburg

Durchschnittspreis 2012: 10,4 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +10,5 Prozent

Quelle: Feri Eurorating Services AG

München

Durchschnittspreis 2012: 12,6 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +9,5 Prozent

Frankfurt am Main

Durchschnittspreis 2012: 11,5 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +9,3 Prozent

Dresden

Durchschnittspreis 2012: 6,1 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +8,3 Prozent

Berlin

Durchschnittspreis 2012: 7,5 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +8,2 Prozent

Freiburg

Durchschnittspreis 2012: 8,9 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +7,7 Prozent

Augsburg

Durchschnittspreis 2012: 7,2 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +7,5 Prozent

Bonn

Durchschnittspreis 2012: 9,4 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +7,2 Prozent

Bremen

Durchschnittspreis 2012: 7,2 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +7,1 Prozent

Düsseldorf

Durchschnittspreis 2012: 9,6 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +7,1 Prozent

Leipzig

Durchschnittspreis 2012: 5,7 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +7,1 Prozent

Köln

Durchschnittspreis 2012: 9,2 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +6,9 Prozent

Münster

Durchschnittspreis 2012: 8,7 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +6,7 Prozent

Chemnitz

Durchschnittspreis 2012: 4,9 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +5,4 Prozent

Bochum

Durchschnittspreis 2012: 6,3 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +4,5 Prozent

Auf der einen Seite der besorgte Mieterpräsident, auf der anderen ein raffgieriger Vermieter – ist es wirklich so einfach? Nüchtern betrachtet gibt es vor allem einen Grund für die Misere: Das Angebot hält in den Metropolen nicht mit der Nachfrage schritt. Oder anders ausgedrückt: In Deutschland wird zu wenig gebaut. Die Zahl der Fertigstellungen und Baugenehmigungen steigt zwar, aber nicht schnell genug. Im Jahr 2011 lag die Zahl der Baugenehmigungen bei knapp 230.000. Das war zwar deutlich mehr als im Jahr davor, aber viel weniger als in den 1990er-Jahren. Damals wurden pro Jahr mehr als 500.000, teilweise 600.000 Baugenehmigungen erteilt.

Kommentare (15)

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holyowly

13.12.2012, 12:32 Uhr

Je mehr Regulierung im Immomarkt greift desto weniger private Investoren werden noch Immobilien vermieten. Das Feld wird internationalen Fonds und staatlicher Fürsorge überlassen.

Die Neuregelung heute könnte den Staat vor ganz neue Aufgaben stellen, wenn er erst selbst für Wohnungen sorgen muss, weil es keinen freien Wohnungsmarkt mehr gibt.

So wird aus vermeintlichen Immobilienbooms ganz schnell ein Immobilienbums...

Rene

13.12.2012, 13:13 Uhr

1) Der Autor gehört in die Wüste geschickt, da er die Determinanten und Kontexte verwechselt.
2) Erst muß mal "bezahlbar" und "boom" definiert werden. Einen VW halte ich auch nicht für "bezahlbar", ebenso wenig wie ein iPhone oder einen 3D-TV.
3) Wenn 20% in 3 Jahren "massiv" genannt werden darf, dann fallen mir andere Steigerungen ein, wo eher staatliche Preis-Planpolitik betrieben werden sollte, allen voran die Politiker-Diäten und Beamten-Pensionen.

Account gelöscht!

13.12.2012, 13:18 Uhr

Draghis Konzept funktioniert wie dies von seinem offensichtlichen Vorbild Bernanke. Die (seine) Inflation wird die Latte zum Mittelstand zu gehoeren hoeher legen. Aber dafuer wird die Latte in Armut zu leben einfacher und schneller zu durchschreiten sein. Also wenn dies kein brauchbares Konzept ist. Unseren Politikern scheint es zu gefallen.

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