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18.10.2016

12:06 Uhr

Wohnungspreise

Der Immobilien-Wahnsinn geht weiter

VonReiner Reichel

Der Immobilien-Boom nimmt immer mehr Züge einer Blase an. In Köln steigen die Preise für Einfamilienhäuser um gut zehn Prozent, Grundstückspreise in München um fast 17 Prozent. Eine Wohnform legt seit Jahren stärker zu.

Immobilienpreise

Top-10: Wo wohnt man am teuersten?

Immobilienpreise: Top-10: Wo wohnt man am teuersten?

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DüsseldorfMietpreisbremse, Baugenehmigungen auf einem 16-Jahres-Hoch, immer mehr fertig gestellte Wohnungen - doch den Aufwärtstrend am deutschen Immobilienmarkt scheint all das kaum dämpfen zu können. Mieten und Preise steigen vielerorts immer höher, als gäbe es von Natur aus nur eine Richtung.

Der Maklerverband IVD hat die Immobilienpreise in 370 deutschen Städten ausgewertet. Ein Ergebnis: In keiner der Städte in den fünf Größenklassen ab 30 000 bis mehr als 500 000 Einwohnern sind die Preise für Wohnungen mit mittlerem Wohnwert im Schnitt weniger als fünf Prozent geklettert. In Städten mit mehr als einer halben Million Einwohner waren die Preissteigerungen am heftigsten. Für Bestandswohnungen mussten 2016 dort fast 9,5 Prozent mehr bezahlt werden, für Neubauten 7,6 Prozent. Was sich dramatisch liest, ist aber nur eine Fortsetzung der Trends aus den Vorjahren. Für Bestandswohnungen kletterten die Preise von 2014 auf 2015 um 7,5 Prozent und für Neubauapartments um knapp 7,7 Prozent.

Welche Zusatzkosten Sie beim Hauskauf beachten müssen

Transaktionskosten

Wer beim Hauskauf nur mit dem Preis der Immobilie kalkuliert, kann am Ende eine böse Überraschung erleben. Denn oft kommen mit dem Erwerb weitere Kosten hinzu – die sogenannten Transaktionskosten. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung hat in der Studie „Wohn- und Immobilienmärkte in Deutschland 2016“ einen Leitfaden dazu mitgegeben, der auflistet, welche Zahlungen Immobilienkäufer neben dem Kaufpreis berücksichtigen sollten.

Grunderwerbsteuer

So muss jeder, der eine Immobilie kauft, neben dem Kaufpreis auch die Grunderwerbsteuer abführen. Seit 2006 legen die Bundesländer die Höhe selbst fest. In 14 Bundesländern liegt er zwischen 4,5 und 6,5 Prozent, in Bayern und Sachsen dagegen bei 3,5 Prozent. 2015 haben die Länder so 11,2 Milliarden Euro eingenommen, der Anteil an allen Ländersteuern beträgt damit mehr als 50 Prozent. Ausnahmen von der Grunderwerbsteuer können bei Schenkungen und Erbschaften vorliegen.

Notarielle Leistungen

Neben der Steuer muss bei einem Hauskauf zudem auch der Notar bezahlt werden. Diese Kosten für beispielsweise Erstellung des Kaufvertrags, Übertragung des Eigentums und die Zahlungsabwicklung sind gesetzlich festgelegt und bewegen sich bei einer Standardkonstellation im Bereich von etwa 0,8 und 1,2 Prozent des Objektpreises. Dabei gilt: Je teurer das Objekt, desto geringer die Rate.

Grundbuch

Das Neueintragen oder das Umschreiben des Grundbuches ist ein weiterer Kostenfaktor, mit dem Hauskäufer rechnen müssen. Auch diese Kosten sind gesetzlich festgelegt. Sie liegen – je nach Objektpreis – zwischen 0,4 und 0,6 Prozent des Kaufpreises.

Leistungen von Maklern

Nicht obligatorisch, aber dennoch sehr häufig muss auch ein Makler bezahlt werden. Zum Teil übernehmen diese auch Objektbewertungen und Preisverhandlungen. Schätzungen gehen davon aus, dass Makler bei knapp der Hälfte aller Verkäufe von selbstgenutzten Immobilien beteiligt sind. Die Provision richtet sich nach ortsüblichen Sätzen, ist aber auch verhandelbar. Die Maklervereinigung Immobilienverband Deutschland beziffert den gängigen Höchstsatz auf sechs Prozent des Kaufpreises zuzüglich Mehrwertsteuer. Das Bestellerprinzip, nach dem derjenige den Makler bezahlt, der ihn bestellt hat, gilt übrigens nur für Vermietungen.

Seit Jahren steigen die Preise für Eigentumswohnungen stärker als für Einfamilienhäuser. Daran hat sich auch in diesem Jahr nichts geändert. Der nachvollziehbare Grund: Wohnungen werden sowohl von Eigennutzern wie von Kapitalanlegern nachgefragt. Viele Menschen schwenken auf der Suche nach der richtigen Altersvorsorge von Staatsanleihen auf Beton und Steine um. Sie wollen Miete statt Zinsen kassieren und erleben gerade, wie die Wohnungswerte schnell steigen.

„Die Preise sind stärker gestiegen als in den vergangenen fünf Jahren“, sagt Jürgen M. Schick, Präsident des IVD. „Je grösser die Stadt, desto höher sind die Preise.“

Zahlen des Marktforschungsinstituts Empirica belegen diesen Trend. Das Institut hat Indizes für die Preisentwicklung von Eigentumswohnungen, Einfamilienhäusern und Mieten gebildet. Der Index für Eigentumswohnungen stieg im dritten Quartal 2016 gegenüber dem Vorquartal um 2,2 Prozent, der für Einfamilienhäuser um 1,8 Prozent und der Mietindex um 0,9 Prozent. Das bedeutet aber auch, dass sich die Käufer von Eigentumswohnungen von sinkenden Mietrenditen nicht bremsen lassen. Ob Eigennutzer oder Vermieter – alle müssen mit dem Phänomen leben, dass die Wohneigentumspreise schneller steigen als die Mieten und Einkommen.

Inzwischen warnen Experten vor einer Überhitzung. „Der Immobilienboom nimmt immer mehr Züge einer Blase an“, sagt Ralph Solveen von der Commerzbank. Problematisch sei, dass die Preise sich von anderen wichtigen Faktoren abkoppelten. „Seit 2010 steigen die Preise schneller als Mieten, Verbraucherpreise und das Einkommen der privaten Haushalte.“ Und am billigen Geld der EZB werde sich wohl in absehbarer Zeit nichts ändern, meint Solveen. Da aber die Zinsen für Hypothekenkredite kaum noch fallen könnten, nehme bei weiter steigenden Preisen die Gefahr einer Korrektur zu.

Kommentare (16)

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Herr Old Harold

18.10.2016, 13:11 Uhr

Grund und Boden kann nicht vermehrt werden.

Geld dagegen unbegrenzt.

Die Immobilienpreise wachsen daher nicht in den Himmel, sondern der Wert des Geldes nimmt rapide ab.

Und das haben die Immobilienkäufer richtig erkannt. Im Gegensatz zu den von den Bankern so verlachten "Dummsparern", die ihr sauer verdientes Geld noch immer an Banken und Versicherungen zur Aufbewahrung geben.

Herr Holger Narrog

18.10.2016, 13:52 Uhr

Hallo Herr Yoski...auch Edelmetalle bieten keinen Schutz vor staatlicher Enteignung.

Ich würde mich nicht wundern wenn man wegen irgendwelcher vermeintlicher Terroristen, Geldwäsche Goldkäufer und Goldverkäufer registriert. Dann kann Ihnen Fr. Merkels Steuerbeamter per PC mitteilen wieviel Gold sie besitzen. Ein Folgeschritt kann sein, dass Kauf- und Verlaufssteuern und MwSt auch auf Goldmünzen erhoben werden und/oder dass ein Verkauf nur mit Registrierung möglich ist.

Wenn Sie in Deutschland wohnen ist das beste sparen, dass sparen in Erinnerungen (Bsp. Urlaub). Erinnerungen kann Ihnen kein Steuerbeamter und kein Frauengericht nehmen.

Novi Prinz

18.10.2016, 14:14 Uhr

Zwischen Wohn-und Haft ist nur ein kleiner Schritt.

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