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09.01.2008

08:00 Uhr

Zertifizierte Nachhaltigkeit

Lange Suche nach einem Öko-Siegel für Gebäude

VonSusanne Bergius

Japaner und Briten, Franzosen und Italiener haben es längst: Das Öko-Siegel für Gebäude. Nun will Deutschland nachziehen und ein einheitliches Zertifikat für nachhaltiges Bauen definieren. Die deutsche Version soll dabei nicht so PR-orientiert sein wie die der Nachbarländer, sondern auf soliden, wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen.

Das Wohnen soll grüner werden. Foto: Archiv

Das Wohnen soll grüner werden. Foto: Archiv

BERLIN. Leed heißt in den USA das offizielle Kürzel für „Leadership in Energy and Environmental Design“. Und dies will möglichst ergattern, wer jenseits des großen Teichs als Unternehmen auf sich hält. Das Zertifikat ist eine Benchmark für umweltschonende, energieeffiziente und gesundheitsverträgliche Gebäude. Da sie weniger Risiken bergen, bietet die Allianz-Tochter Fireman's Fund eine Gebäudeversicherung mit niedrigeren Prämien an. In Deutschland gibt es sie nicht, weil kein anerkannter Standard existiert, wie Allianz-Vorstand Joachim Faber dem Handelsblatt erklärte. Das wird sich bald ändern. Nachdem auch Japan, Großbritannien, Frankreich und Italien Öko-Siegel für Gebäude definiert haben, zieht Deutschland 2008 nach.

Aber anders als im Ausland, wo PR-orientierte Modelle überwiegen, wird es hierzulande ein solides, auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhendes Qualitätssystem geben. Die hohen Anforderungen beinhalten umweltschonende Rohstoffnutzung, höchste Energieeffizienz, gesunde Materialien und Raumluft, Barrierefreiheit und technisch wie wirtschaftlich optimierte, auf die gesamte Lebensphase bezogene Konzepte.

Unklar ist jedoch, ob ein einheitliches Zertifikat oder eine staatliche Plakette und ein privatwirtschaftliches Siegel eingeführt werden. Darum ringen Bundesbauministerium, Experten des seit 2002 beratenden Runden Tisches und die im Juni gegründete Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB). Gab es vor Monaten noch echte Konkurrenz, einigten sich die Parteien kürzlich auf grundlegende Aspekte und stimmten die Kriterien ab. Der Stand der Dinge ändert sich rasant.

Die von 80 Architekten, Ingenieuren, Wissenschaftlern, Baufirmen und Investoren gebildete DGNB will mit einem Qualitätslabel umweltfreundliche, Ressourcen sparende, gesunde und wirtschaftliche Gebäude auszeichnen. Eigentlich wollte sie im Januar das erste Zertifikat an das von Gründungsmitglied Hines, einem internationalen Immobilienentwickler, erstellte Karolinen Karree in München vergeben. Aber noch fehlt das Label. Darum wird es zunächst mit einem Stern prämiert. Die DGNB musste zurückrudern, weil auch das Bauministerium ein Zertifizierungssystem entwickelt.

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