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10.02.2014

15:18 Uhr

Zuwanderungsdebatte

Votum gefährdet den Schweizer Immobilienmarkt

VonPatrick Schwarz

„Wohnungsknappheit“ war ein zentrales Argument der Befürworter einer Schweizer Einwanderungsbeschränkung. Die Immobiliengesellschaft Jones Lang LaSalle befürchtet: Das Gegenteil könnte eintreten.

Die Beschränkung der Zuwanderung könnte weitreichende Folgen habe: Jones Lang LaSalle befürchtet, dass die Immobilienpreise wie hier in Bern sinken könnten. obs

Die Beschränkung der Zuwanderung könnte weitreichende Folgen habe: Jones Lang LaSalle befürchtet, dass die Immobilienpreise wie hier in Bern sinken könnten.

Seit 2006 kommen jedes Jahr mehr als 80.000 Einwanderer in die Schweiz. Gleichzeitig steigen die Mieten -  um etwa 19 Prozent in den letzten sieben Jahren. So ist es nicht verwunderlich, dass die Befürworter der Initiative für die Beschränkung der Einwanderung im Vorfeld der Abstimmung diese Statistik ins Feld führten. Das Gegenteil könnte mit der Annahme der Initiative nun aber eintreten – befürchtet die Immobiliengesellschaft Jones Lang LaSalle.

„Eine sehr starke Reduktion der Zuwanderung, etwa aufgrund zu scharfer Kontingente oder einer Kündigung der bilateralen Verträge mit der EU, könnte im Wohnungsmarkt rasch zu einem Überangebot führen“, heißt es in einer Pressemitteilung des Immobilienunternehmens. Im Klartext bedeutet das: Weniger Migranten führen zu einer geringeren Nachfrage nach Wohnungen, günstigeren Mieten und schlechterer Bewertung von Immobilien in der Schweiz.

Die attraktivsten Immobilienmärkte Europas

Die Umfrage

Wie attraktiv sind die Immobilienmärkte Europas - das hat die Unternehmensberatung Ernst & Young 500 Investoren gefragt, die in den vergangenen Jahren auf ihrem nationalen Markt aktiv waren. Dabei sind folgende Ergebnisse herausgekommen:

Platz 1

Polen

Deutschlands östlicher Nachbar bietet der Umfrage zufolge den attraktivsten Standort für Immobilieninvestments. 67 Prozent der Befragten hielten Polens Immobilienmarkt für attraktiv, 33 Prozent gar für sehr attraktiv. Im Europäischen Vergleich sieht die Situation ähnlich aus: 85 Prozent der Befragten fanden beurteilten den Standort als gut oder sehr gut.

Platz 2

Deutschland

Auch Deutschland scheint Immobilienanlegern ein guter Standort zu sein. 67 Prozent der Befragten hielten den Immobilienmarkt hierzulande für attraktiv, nur ein Prozent gab sich skeptisch. Im Europäischen Vergleich hielten 59 Prozent der Befragten Deutschland für besonders attraktiv für Immobilienanlage.

Platz 3

Großbritannien

96 Prozent der Anleger beurteilten Immobilieninvestments auf der britischen Insel als attraktiv oder als sehr attraktiv. Auch im europäischen Vergleich war die Mehrheit dieser Meinung - lediglich zwei Prozent hielten den Markt für weniger lukrativ.

Platz 4

Schweden

30 Prozent der Befragten hielten Immobilieninvestments in Schweden für sehr attraktiv, weitere 65 Prozent zumindest für lohnend. Im Europäischen Vergleich schneidet das skandinavische Land weniger gut ab: Dort halten immerhin zehn Prozent der Befragten es für einen unattraktiven Standort.

Platz 5

Österreich

94 Prozent der Anleger hielten Investments auf dem österreichischen Immobilienmarkt für attraktiv oder sehr attraktiv, so die EY-Umfrage. Im europäischen Vergleich waren es 97 Prozent.

Platz 6

Russland

Rund ein Drittel der Befragten fand, dass sich das Investieren in den russischen Immobilienmarkt lohne. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern scheint das Land jedoch weniger attraktiv zu sein, lediglich 16 Prozent der Befragten fanden, dass sich auch im Europa-Vergleich Russland-Investments besonders lohnen.

Platz 7

Spanien

Für kein anderes Land in der Umfrage sind so viele Investoren der Meinung, dass sich Immobilienkauf lohne, wie für Spanien. 49 Prozent beurteilen den Standort als sehr attraktiv, im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sind 47 Prozent der Befragten dieser Meinung.

Platz 8

Luxemburg

Luxemburg beurteilen 35 Prozent der Befragten als besonders attraktiv, weitere 47 Prozent als attraktiv. Im Europavergleich sehen die Zahlen ähnlich aus: 92 Prozent finden den Standort sehr gut oder gut.

Platz 9

Türkei

Gerade im europäischen Vergleich schneidet die Türkei bei Immobilieninvestoren gut ab. 55 Prozent beurteilen den Markt als besonders attraktiv. Für sich genommen, beurteilen 45 Prozent den Markt als besonders gut. Rund ein Fünftel findet allerdings, dass sich das Investieren in die Türkei weniger lohnt.

Platz 10

Schweiz

Deutlich skeptischer blicken Investoren auf den Schweizer Markt. 20 Prozent halten ihn für sich genommen für wenig attraktiv, im Vergleich zu anderen EU-Staaten gar 30 Prozent. Zugleich sind 35 Prozent der Befragten der Meinung, dass sich Investments in die Schweiz lohnen.

Platz 11

Belgien

Über die Hälfte (54 Prozent) der befragten Investoren findet den belgischen Immobilienmarkt attraktiv, im Europavergleich 58 Prozent. Für besonders attraktiv halten den Markt ein Viertel der Befragten (Europavergleich: 21 Prozent).

Platz 12

Niederlande

Für nicht besonders attraktiv halten 33 Prozent der Befragten den niederländischen Immobilienmarkt - sowohl für sich genommen, als auch im Europavergleich. Immerhin: Über die Hälfte sind der Meinung, dass sich das Anlegen in dortige Häuser und Wohnungen lohne.

Platz 13

Ukraine

Wenn es um den Vergleich zu anderen Ländern Europas geht, ist die Ukraine für die Befragten das schlechteste Land. 44 Prozent halten es für weniger attraktiv. Für sich genommen steht die Ukraine aber gar nicht so schlecht da: Immerhin sind 57 Prozent der Immobilieninvestoren der Meinung, Anlegen würde sich in diesem Land lohnen.

Platz 14

Italien

61 Prozent der Befragten halten den italienischen Immobilienmarkt für attraktiv oder se, 39 Prozent sind der gegenteiligen Meinung. Im Europavergleich steht Italien weniger schlecht da: Dort finden 27 Prozent der Investoren, dass sich der Markt besonders lohne.

Platz 15

Frankreich

Das Schlusslicht im EY-Rating ist Frankreich. 40 Prozent der Investoren halten den Markt für sich genommen für unattraktiv. Im Europavergleich sinkt diese Zahl allerdings auf 18 Prozent.

Jones Lang LaSalle betont, dass den Immigranten nicht die Alleinschuld für hohe Mieten gegeben werden kann. Das robuste Wirtschaftswachstum, welches mit der Einwanderung einherging, sei ebenfalls ein wichtiger Treiber gewesen. Das Immobilienunternehmen glaubt, dass die Mietpreise aufgrund vieler neuer Wohnungsbauprojekte auch ohne die Annahme der Initiative allmählich gesunken wären. Es bestehe nun vielmehr die Gefahr, dass die Mieten und die Bewertungen von Immobilien viel stärker als erhofft sinken.

Dies würde von Privatpersonen bis zu Pensionskassen all jene treffen, die einen größeren Anteil ihrer Vermögenswerte in Schweizer Immobilien halten. In einer ersten Phase würden wohl insbesondere Objekte mit Vermietungsschwierigkeiten zu kämpfen haben, doch eine solche Krise werde kaum isoliert bleiben. Deshalb müsse nun ein zu abrupter Rückgang des Zustroms ausländischer Arbeitskräfte verhindert werden.



Kommentare (27)

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StandingOvations

10.02.2014, 15:27 Uhr

Eindeutig eine gute Nachricht, also das Schweizer Votum wirkt schon am ersten Tag danach positiv ... ich hoffe nun, dass viele Bürger sich auch in Deutschlanbd trauen, im Sinne ihrer Interessen zu wählen [...]

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

pendler

10.02.2014, 15:29 Uhr

Griechenland und der Euro gefährdet uns auch.

Und?

Bitte etwas mehr Respekt, wenn es um echte Demokratie geht.

heine

10.02.2014, 15:40 Uhr

Richtig, man kann nur AfD wählen, wenn man nicht von der unseligen Allianz von CDU/CSU/FDP/Grüne und (ja, auch Die Linke gehört dazu) erdrückt werden will.
Wäre das schön: ~10% für die AfD am 25.5.14. Vielleicht gibt es dann mal ein Umdenken bei den Etablierten.

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