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20.09.2013

09:00 Uhr

Indien

Notenbankchef überrascht mit Zinserhöhung

Damit hätte an den indischen Finanzmärkten niemand gerechnet: Die indische Zentralbank erhöht den Leitzins. Grund dafür sind laut dem indischen Notenbankchef Inflationsgefahren. Die Rupie war im August eingebrochen.

Für Überraschungen gut: Indiens neuer Notenbankchef Raghuram Rajan. ap

Für Überraschungen gut: Indiens neuer Notenbankchef Raghuram Rajan.

BerlinDie indische Zentralbank hat die Finanzmärkte auf der ersten Sitzung unter ihrem neuen Gouverneur Raghuram Rajan mit einer Zinserhöhung überrascht. Der Leitzins werde von 7,25 auf 7,50 Prozent angehoben, teilte sie am Freitag in Mumbai mit. Rajan begründete den Schritt mit Inflationsgefahren. Die heimische Währung Rupie war im August um 20 Prozent auf ein Rekordtief eingebrochen, was Importe verteuert und die Inflation anheizt. Investoren hatten Geld aus Schwellenländern abgezogen, weil sie auf eine Zinswende in den USA setzten.

„Der Gouverneur sorgt sich ganz klar um die Inflation“, sagte der Chefvolkswirt von PhillipCapital, Anjali Verma. Die Teuerungsrate war im August auf das Sechs-Monats-Hoch von 6,1 Prozent geklettert. Indien kämpft zudem mit einem Rekorddefizit in der Leistungsbilanz. Weil das Land mehr konsumiert als es produziert, muss die Lücke durch ausländisches Geld geschlossen werden. Indien ist deshalb besonders anfällig für den Abfluss von Kapital. Höhere Zinsen können das Land für Investoren attraktiver machen.

Gefährliche Inflation

Was ist Inflation?

Der Begriff stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „Sich-Aufblasen“. Der Begriff bezeichnet einen andauernden starken Anstieg des Preisniveaus: Waren- und Dienstleistungspreise steigen insgesamt an, blasen sich quasi auf. Die Kaufkraft des Geldes sinkt, da man weniger Waren und Dienstleistungen als zuvor für den gleichen Geldbetrag kaufen kann. Wenn die Preise nur einzelner Güter steigen, herrscht noch keine Inflation. Kennzeichnend für eine Inflation ist vielmehr, dass das Geld generell und fortlaufend an Kaufkraft verliert. Das Eurosystem hat definiert, dass eine jährliche Inflationsrate von unter zwei Prozent noch mit dem Ziel der Preisstabilität vereinbar ist.

Quelle: Deutsche Bundesbank, Bundeszentrale für politische Bildung.

Wie wird die Inflation gemessen?

Am häufigsten wird zur Messung der Inflation der Verbraucherpreisindex (früher Preisindex für die Lebenshaltung) als Maßstab für Preisveränderungen herangezogen. Der Verbraucherpreisindex wird anhand eines Verbrauchsschemas, des sogenannten Warenkorbs, berechnet, der alle Güter und Dienstleistungen enthält, die den typischen Verbrauchsgewohnheiten eines Durchschnittshaushalts entsprechen. Dazu gehören Güter des täglichen Bedarfs wie Lebensmittel, Bekleidung oder Mieten und langlebige Gebrauchsgüter wie Kraftfahrzeuge oder Möbel genauso wie Dienstleistungen (z. B. Friseurbesuche oder Versicherungen). In der Regel wird der Warenkorb ungefähr alle fünf Jahre neu festgesetzt, weil sich die Konsumgewohnheiten der Verbraucher verändern oder neue Waren und Dienstleistungen angeboten werden. Die Berechnung der Preisveränderung für die Lebenshaltung erfolgt durch die Ermittlung der Preise für die einzelnen Güter des Warenkorbes. Diese Preise werden dann als Indexzahl, bezogen auf ein Basisjahr (derzeit Preisbasis 2005 = 100), ausgedrückt.

Wann spricht man von Hyperinflation?

Eine Hyperinflation ist eine Inflation mit gigantischen Preissteigerungen. Die Inflationsraten liegen mindestens bei 50 Prozent, meist sogar höher. Ist eine Hyperinflation im Gange, nimmt die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes ständig zu. Das liegt daran, dass jeder sein Geld möglichst sofort ausgibt, um weiteren Preissteigerungen zuvorzukommen. Die Folge ist eine immer schnellere Nachfrage und immer schnellere Preissteigerungen, bis schließlich das Vertrauen der Bevölkerung in die inländische Währung total verloren geht. Spätestens in dieser Situation weicht die Bevölkerung auf wertbeständiges ausländisches Geld oder auf knappe Sachgüter als Ersatzwährung aus (z. B. amerikanische Zigaretten nach dem Zweiten Weltkrieg in Westdeutschland), um sich auf dem Schwarzmarkt mit notwendigen Gütern zu versorgen.

Schützen Immobilien vor Inflation?

Dass Stein und Beton gegen die Geldentwertung helfen stimmt nur bedingt. Denn die Preise von Eigentumswohnungen und Häusern steigen vor allem in Metropolen. Der Maklerverband IVD hat festgestellt, dass die Preise für Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser von 1977 bis 2010 stärker gestiegen sind als die Inflation, aber vor allem in Metropolen und nicht in Kleinstädten oder auf dem Land.

Schützt Gold vor einer Inflation?

Gold gilt als besonders sicher, weshalb Anleger gerade aus Furcht vor fallenden Börsenkursen und Angst vor steigender Inflation hier zugreifen. Allerdings raten Verbraucherschützer regelmäßig zur Vorsicht: Denn die künftige Entwicklung des Goldpreises ist reine Spekulation. Zwar spricht aus ihrer Sicht nichts dagegen, in Gold zu investieren. Allerdings gibt es einiges zu beachten: Da Gold in Dollar gehandelt wird, besteht ein Währungsrisiko. Wer Goldbestände aus Sicherheitsgründen nicht daheim lagern will, muss zudem Kosten für ein Schließfach einkalkulieren.

Schützen Aktien vor einer Inflation?

Neben Immobilien und Edelmetallen gelten auch Aktien als verlässlicher Schutz. Die Idee dahinter: Steigt das allgemeine Preisniveau, schlägt sich das früher oder später auch in den Preisen und Kursen realer Vermögenswerte nieder. Einigkeit herrscht unter Experten aber auch darin, dass dieser Zusammenhang erstens nur tendenziell gilt und zweitens vor allem langfristig.

Von

rtr

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