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23.10.2015

10:45 Uhr

Inflation der Euro-Zone

EZB-Beobachter senken Prognose

Eigentlich soll das Anleihekaufprogramm der EZB die Inflation der Euro-Zone ankurbeln. Dass es klappt, glauben Beobachter der Notenbank aber nicht – und senken ihre Inflationsprognosen für das laufende Jahr.

Erst 2020 soll sich laut Experten die Teuerungsrate in der Euro-Zone mit 1,9 Prozent wieder der Zielmarke der Notenbank von knapp zwei Prozent annähern. dpa

EZB

Erst 2020 soll sich laut Experten die Teuerungsrate in der Euro-Zone mit 1,9 Prozent wieder der Zielmarke der Notenbank von knapp zwei Prozent annähern.

FrankfurtVon der EZB befragte Experten haben wegen des anhaltend niedrigen Ölpreises ihre Inflationsprognosen für dieses und die nächsten Jahre gesenkt. Erst 2020 wird sich demnach die Teuerungsrate in der Euro-Zone mit 1,9 Prozent wieder der Zielmarke der Notenbank von knapp zwei Prozent annähern, wie aus einer am Freitag veröffentlichten Umfrage unter professionellen Beobachtern der Europäischen Zentralbank (EZB) hervorgeht. Für dieses Jahr senkten sie ihre Prognose auf 0,1 Prozent. Noch im Juli war für 2015 ein Plus von 0,2 Prozent erwartet worden.

Die Macht und die Mittel der EZB

Ziele

Die Europäische Zentralbank (EZB) soll Preisstabilität wahren, die Wirtschaftspolitik unterstützen und Finanzstabilität sichern.

Leitzinsanpassung

Leitzinsanpassungen sind das traditionelle Mittel, um die Wirtschaft und die Arbeitsnachfrage zu dämpfen oder zu stimulieren, und so die Lohnentwicklung und die Inflation stabil zu halten.

Negativzinsen

Negativzinsen von 0,1 Prozent berechnet die EZB den Banken für deren Guthaben bei der Notenbank. Jede Bank will ihre überzähligen Guthaben zu einer anderen Bank schieben, indem sie Wertpapiere kauft oder Kredite vergibt.

Langfristkredite

Langfristkredite vergibt die EZB seit Ende 2011 und ergänzt damit die normalen kurzfristigen Kredite. Das hilft den Banken bei der Finanzierung, da Bankanleihen teurer und für manche gar nicht mehr zu haben waren.

Pfandbriefe

Pfandbriefe und Kreditverbriefungen kauft die EZB den Banken seit Herbst 2014 ab. Auch das hilft bei der Refinanzierung und sorgt für mehr Bankguthaben bei der EZB, was die Bereitschaft zur Kreditvergabe erhöhen soll.

Käufe von Staatsanleihen

Käufe von Staatsanleihen als Mittel der Geldpolitik setzte die EZB erstmals 2010 ein, um die Renditen von Anleihen der Peripherieländer zu drücken, die damals kräftig nach oben schossen. Das gelang mit dem relativ kleinen Programm nur bedingt. Im September 2012 ersetzte die EZB dieses SMP-Programm durch das OMT-Programm. Sie erklärte sich dabei unter Bedingungen bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Bisher kam das Programm nicht zum Einsatz. Seit März 2015 erwirbt sie mit einem erweiterten Kaufprogramm im großen Stil Staatsanleihen. Der Gegenwert landet als Bankguthaben bei den Verkäufern, zum Beispiel Fonds, und als überschüssiges Guthaben auf den Zentralbankkonten der Banken. Das treibt vor allem die Kurse von Vermögenswerten wie Aktien, Anleihen und Immobilien in die Höhe. Indirekt soll das die Wirtschaft ankurbeln.

Notkredite

Notkredite (ELA) können nationale Zentralbanken des Euro-Raums ihren heimischen Banken gewähren, wenn diese nicht mehr genug gute Sicherheiten für normale EZB-Kredite haben. Die EZB muss diese ELA-Kredite genehmigen. Untersagt sie sie, etwa wenn Griechenland sich nicht mit den Gläubigern einigen kann, haben die Banken keinen Zugang zu Euro-Guthaben und Euro-Bargeld mehr, was zur Schließung und letztlich zum erzwungenen Austritt aus der Währungsunion führen kann.

Für die Jahre 2016 und 2017 rechnen die Experten zwar mit einer etwas stärkeren Preisentwicklung, angetrieben von einem moderaten Wirtschaftswachstum und einer konjunkturunterstützenden Geldpolitik. Aber auch hierfür schraubten sie ihre Prognosen auf 1,0 (zuvor: 1,3) Prozent und 1,5 (1,6) Prozent herunter. Sie erwarten dabei für 2016 ein Wirtschaftswachstum von 1,7 (1,8) Prozent und für 2017 von 1,8 (1,8) Prozent. Für dieses Jahr rechnen sie mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes um 1,5 (1,4) Prozent.

Von

rtr

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