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30.10.2015

12:03 Uhr

Inflation Euro-Zone

Langsam wird es teurer

Die Inflation der Euro-Zone bewegt sich im Oktober auf Nullniveau. Die Wirkung von Draghis Anleihenkaufprogramm bleibt überschaubar. Dass die Rate nicht weiter fällt, könnte die Notenbanker aber beruhigen.

Die Teuerungsrate der Euro-Zone liegt bei Null. IMAGO

Inflation

Die Teuerungsrate der Euro-Zone liegt bei Null.

LuxemburgWie sehr sich die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihrem Anleihenkaufprogramm auch bemüht, die Preise in der Euro-Zone anzukurbeln – sie steigen so gut wie gar nicht. Doch nun sehen die europäischen Statistikbehörden einen (zugegebenermaßen kleinen) Hoffnungsschummer: Die jährliche Inflationsrate erreichte im Oktober nach einer ersten Schätzung 0,0 Prozent, wie die europäische Statistikbehörde Eurostat am Freitag in Luxemburg am Freitag mitteilte. Im Vormonat hatte sie noch bei minus 0,1 Prozent gelegen.

Dass die Preise weiterhin niedrig bleiben, ist vor allem dem billigen Öl zu verdanken. Energie war im Oktober 8,7 Prozent günstiger als ein Jahr zuvor, nach einem Rückgang von 8,9 Prozent im September. Lebens- und Genussmittel waren dagegen 1,5 Prozent teurer. Dienstleistungen verteuerten sich um 1,3 Prozent, Industriegüter um 0,4 Prozent.

Lässt man die Preissteigerungen für Energie sowie die Nahrungs- und Genussmittel aus der Rechnung raus, stieg die Kerninflationsrate von 0,9 auf 1,0 Prozent. Sie gibt den grundlegenden Preistrend besser an als die Gesamtinflation.

Die Macht und die Mittel der EZB

Ziele

Die Europäische Zentralbank (EZB) soll Preisstabilität wahren, die Wirtschaftspolitik unterstützen und Finanzstabilität sichern.

Leitzinsanpassung

Leitzinsanpassungen sind das traditionelle Mittel, um die Wirtschaft und die Arbeitsnachfrage zu dämpfen oder zu stimulieren, und so die Lohnentwicklung und die Inflation stabil zu halten.

Negativzinsen

Negativzinsen von 0,1 Prozent berechnet die EZB den Banken für deren Guthaben bei der Notenbank. Jede Bank will ihre überzähligen Guthaben zu einer anderen Bank schieben, indem sie Wertpapiere kauft oder Kredite vergibt.

Langfristkredite

Langfristkredite vergibt die EZB seit Ende 2011 und ergänzt damit die normalen kurzfristigen Kredite. Das hilft den Banken bei der Finanzierung, da Bankanleihen teurer und für manche gar nicht mehr zu haben waren.

Pfandbriefe

Pfandbriefe und Kreditverbriefungen kauft die EZB den Banken seit Herbst 2014 ab. Auch das hilft bei der Refinanzierung und sorgt für mehr Bankguthaben bei der EZB, was die Bereitschaft zur Kreditvergabe erhöhen soll.

Käufe von Staatsanleihen

Käufe von Staatsanleihen als Mittel der Geldpolitik setzte die EZB erstmals 2010 ein, um die Renditen von Anleihen der Peripherieländer zu drücken, die damals kräftig nach oben schossen. Das gelang mit dem relativ kleinen Programm nur bedingt. Im September 2012 ersetzte die EZB dieses SMP-Programm durch das OMT-Programm. Sie erklärte sich dabei unter Bedingungen bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Bisher kam das Programm nicht zum Einsatz. Seit März 2015 erwirbt sie mit einem erweiterten Kaufprogramm im großen Stil Staatsanleihen. Der Gegenwert landet als Bankguthaben bei den Verkäufern, zum Beispiel Fonds, und als überschüssiges Guthaben auf den Zentralbankkonten der Banken. Das treibt vor allem die Kurse von Vermögenswerten wie Aktien, Anleihen und Immobilien in die Höhe. Indirekt soll das die Wirtschaft ankurbeln.

Notkredite

Notkredite (ELA) können nationale Zentralbanken des Euro-Raums ihren heimischen Banken gewähren, wenn diese nicht mehr genug gute Sicherheiten für normale EZB-Kredite haben. Die EZB muss diese ELA-Kredite genehmigen. Untersagt sie sie, etwa wenn Griechenland sich nicht mit den Gläubigern einigen kann, haben die Banken keinen Zugang zu Euro-Guthaben und Euro-Bargeld mehr, was zur Schließung und letztlich zum erzwungenen Austritt aus der Währungsunion führen kann.

Wegen der anhaltend schwachen Teuerung steuert die Europäische Zentralbank (EZB) auf eine zusätzliche Lockerung ihrer Geldpolitik zu. Mit 0,0 Prozent liegt die Inflation im gemeinsamen Währungsraum weiter deutlich unter dem Zielwert der EZB für die Preisstabilität. Die Notenbank strebt mittelfristig knapp zwei Prozent an.

Wie die EZB darauf reagieren soll – darüber sind sich die Notenbankexperten uneinig. In der vergangenen Woche kündigte EZB-Chef Mario Draghi auf der Pressekonferenz der EZB an, innerhalb des Mandates zu handeln und im Dezember zu prüfen, inwieweit die bisherige Politik der Notenbank angemessen ist. Als eine Möglichkeit gelten eine Ausweitung der Wertpapierkäufe. Auch eine weitere Absenkung des Zinses für Bankeinlagen bei der EZB, der bereits negativ ist, ist denkbar.

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