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26.02.2016

14:41 Uhr

Inflation in Deutschland

Günstiges Öl drückt Teuerungsrate auf Null

Der kräftige Rückgang der Ölpreise entlastet die Verbraucher in Deutschland. Die Inflationsrate sinkt auf den Nullpunkt, vor allem Heizöl und Kraftstoffe sind deutlich billiger als vor einem Jahr.

Für Verbraucher ist die Mini-Inflation ein kleines Konjunkturprogramm: Sie haben mehr Geld für den Konsum übrig. dpa

Inflation

Für Verbraucher ist die Mini-Inflation ein kleines Konjunkturprogramm: Sie haben mehr Geld für den Konsum übrig.

WiesbadenDer erneute Absturz der Energiepreise hat die Inflation in Deutschland im Februar wieder auf Null gedrückt. Noch im Januar hatte die Teuerungsrate auf niedrigem Niveau leicht angezogen, nun stagnieren die Verbraucherpreise nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes auf dem Niveau des Vorjahres. Das entlastet Verbraucher beim Tanken und Heizen - doch Währungshüter sehen das niedrige Preisniveau mit Sorge. Von Januar auf Februar 2016 stiegen die Verbraucherpreise nach Angaben der Wiesbadener Behörde vom Freitag um 0,4 Prozent. Details gibt es am 11. März.

Im Januar hatte die jährliche Teuerungsrate bei 0,5 Prozent gelegen, im Dezember bei 0,3 Prozent. Auf Jahressicht stagnierende Preise für Waren und Dienstleistungen hatte es in Deutschland zuletzt im September vergangenen Jahres gegeben.

Seit Monaten dämpfen niedrige Energiepreise den Preisauftrieb, in den vergangenen Wochen verstärkte sich dieser Effekt wieder deutlich. Die Preise für Kraftstoffe und Haushaltsenergie lagen nach vorläufigen Zahlen im Februar um 8,5 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Im Januar war die Differenz mit 5,8 Prozent deutlich geringer.

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Für Verbraucher ist das ein kleines Konjunkturprogramm: Sie haben mehr Geld für den Konsum übrig, was die wichtige Binnenkonjunktur anschieben kann. Zudem schwächte sich der Preisauftrieb bei Nahrungsmitteln weiter ab: Von 1,4 Prozent im Dezember und 0,9 Prozent im Januar auf 0,8 Prozent im Februar.

Währungshütern beobachten die Entwicklung mit Sorge. Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt für den Euroraum mittelfristig eine Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent an - weit genug entfernt von der Nullmarke. Denn dauerhaft niedrige oder gar sinkende Preise könnten die Konjunktur abwürgen, weil Verbraucher und Unternehmen in Erwartung weiter sinkender Preise Anschaffungen aufschieben.

Mit extrem niedrigen Zinsen und einer Flut billigen Geldes versucht die EZB gegenzusteuern. Doch weil das bisher nicht im gewünschten Maß wirkt, weckte EZB-Präsident Mario Draghi Hoffnungen auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik bei der nächsten EZB-Sitzung im März.

Der Werkzeugkasten der EZB

Leitzins

Das wichtigste Instrument ist der Leitzins, also der Zins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld ausleihen können, um es dann zum Beispiel als Kredit an Unternehmen und Verbraucher weiterzugeben. Im August 2016 liegt der EZB-Zins bei historisch niedrigen 0,0 Prozent. Niedrige Zinsen können die Konjunktur ankurbeln.

Einlagezins

In normalen Zeiten bekommen Geschäftsbanken von der EZB Zinsen für überschüssiges Geld, das sie bei der Zentralbank parken. Im Juni 2014 senkten die Währungshüter den Zins unter die Nullgrenze. Aktuell müssen die Kreditinstitute einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen. Das Ziel ist eine Schwächung des Euro und ein Abbau der Einlagen der Banken bei der EZB.

Geldspritzen

Ende 2011/Anfang 2012 unterstützte die EZB Banken mit Notkrediten (LTRO) im Volumen von einer Billion Euro. Die Kredite wurden zu Mini-Zinsen und für drei Jahre gewährt. 2014 folgten weitere Notkredite, allerdings diesmal in deutlich geringerem Umfang.

Kauf von Kreditpaketen

Seit Herbst 2014 kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und gebündelte Kreditverbriefungen (ABS). Das soll Geschäftsbanken Freiräume zur Vergabe von Krediten verschaffen.

Staatsanleihen Käufe

Im Mai 2010 begann die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen. Das „Securities Markets Programme“ (SMP) sollte den Anstieg der Renditen von Anleihen angeschlagener Euro-Länder bremsen. Bis Anfang 2012 kaufte die EZB Staatspapiere für rund 220 Milliarden Euro, zumeist italienische Anleihen. Im September 2012 ersetzte das Programm „Outright Monetary Transactions“ (OMT) diese Maßnahme: Die EZB erklärt sich dabei bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen bisher keine Anleihe.

Quantitative Lockerung

Für die sogenannte Quantitative Lockerung druckt sich die Zentralbank quasi selbst Geld und kauft damit in großem Stil Anleihen - Staatsanleihen und andere Papiere wie Unternehmensanleihen. Das tut die EZB seit März 2015. Bis mindestens Ende März 2017 wollen die Währungshüter auf diese Weise 1,74 Billionen Euro in den Markt pumpen. Das soll die Konjunktur ankurbeln und die anhaltend niedrige Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent befördern.

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann warnt vor Risiken. Er halte zwar gerade in der ersten Jahreshälfte „vorübergehend auch wieder Inflationsraten unter Null“ für denkbar, hatte Weidmann in dieser Woche gesagt. Hauptgrund für die niedrige Teuerung bleibe aber niedrige Ölpreis. Weidmann betonte: „Es besteht überhaupt kein Anlass zur Schwarzmalerei. Alles in allem sind die wirtschaftlichen Aussichten des Euroraums weiter nach oben gerichtet.“

Von

dpa

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