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16.12.2011

08:58 Uhr

Inflation

Wenn sich Geld in Luft auflöst

VonJörg Hackhausen, Ingo Narat

Die Angst der Deutschen vor Inflation sitzt tief. Sie fürchten, dass das Ersparte durch Geldentwertung aufgefressen wird. Woher kommt diese Angst? Und wie berechtigt ist sie?

Aufgefressen: Die Deutschen fürchten um ihr Geld. picture-alliance / dieKLEINERT.d

Aufgefressen: Die Deutschen fürchten um ihr Geld.

Düsseldorf, FrankfurtEuropa hat einen riesigen Schuldenberg angehäuft. In zehn Jahren sind die Schulden in der Euro-Zone fast auf das Doppelte angewachsen. Zu lange haben die Staaten über die Verhältnisse gelebt, und mussten auch noch für die Rettung von Banken teuer bezahlen. Am Ende wird jemand für diese Schulden aufkommen müssen. Wer dieser jemand wird, ist auch schon klar: jeder Bürger, Sparer, Arbeitnehmer. Die Frage ist nur, auf welche Art und Weise. 

Würde man die Schulden des Staates auf die Bürger umrechnen, dann wäre jeder Deutsche mit einem Schlag mit 25.000 Euro verschuldet. Wenn der Euro-Rettungsschirm hinzukommt, wächst dieser Betrag über die Garantien des Bundes auf 30.000 Euro an. Eine vierköpfige Familie ist demnach mit mehr als 120.000 Euro verschuldet. „Viele deutsche Familien wären sofort insolvent, wenn sie zusätzlich zu ihren sonstigen Lasten diese Schulden bezahlen müssten“, sagt Jörg Schubert, Vorstand der Bantleon Bank.

Die wenigsten Experten glauben, dass sich die Schulden allein durch Sparmaßnahmen in den Griff bekommen lassen. Erstens sind Sparmaßnahmen - die Kürzung von Löhnen und staatlichen Leistungen sowie Steuererhöhungen – nicht gerade einfach durchzusetzen. Zweitens können sie eine schwächelnde Volkswirtschaft erst Recht abwürgen. Aber was ist die Alternative?

Ein harter Schnitt ist die eine Möglichkeit, die Schulden zu reduzieren. Der Schuldner erklärt, dass er seine Schulden oder einen Teil davon nicht mehr zurückzahlen wird. Den Schaden haben die Gläubiger - nicht nur die Großkopferten, sondern auch die kleinen Sparer. Sie sind entweder direkt betroffen, wenn sie entsprechende Staatsanleihen gekauft haben, oder indirekt, wenn ihre Lebensversicherung in eben diese Papiere investiert hat. Im Fall von Griechenland soll diese Variante durchexerziert werden. Doch die Widerstände sind groß. Einen solchen Schuldenschnitt dürfte es so schnell nicht wieder geben, schon gar nicht für größere Staaten.

Anlagetipps: So vermeiden Sie Pleiten

1. Streuen

Streuen Sie Geldanlagen breit, packen Sie nie mehr als ein Drittel der Anlagesumme in ein Einzelinvestment.

2. Vorsicht vor Krediten

Verkauft der Anbieter einer Immobilie oder eines Finanzprodukts den Kredit gleich mit, sollte vorher ein Anwalt das Angebot prüfen.

3. Weitere Meinungen

Ziehen Sie eine weitere Meinung von einem Profi hinzu, den Sie beauftragen.

4. Lesen Sie Verträge

Lesen Sie Verträge. Nur das gilt, nicht das, was Vermittler im Gespräch erzählen.

5. Risiko

Präsentiert der Verkäufer Rechenbeispiele, in denen sich die Anlage von selbst finanziert, lassen Sie die Finger davon. Wer viel verdienen will, trägt viel Risiko.

6. Vor Ort prüfen

Bevor Sie sich an Immobilien beteiligen, prüfen Sie vor Ort, wie sie vermietet sind

7. Baulicher Zustand

Besichtigen Sie Immobilien und lassen Sie den baulichen Zustand begutachten.

8. Spezialisierter Anwalt

Fragen Sie im Zweifel einen spezialisierten Anwalt. Ein Steuerberater bestätigt, dass der Steuervorteil greift, ein Anwalt kennt die Fallstricke der Anlage.

9. Vorausschau

Schauen Sie zuerst auf das Risiko und dann auf die mögliche Rendite. Legen Sie fest, wann Sie Ihr Geld wieder benötigen.

10. Kein Zeitdruck

Lassen Sie sich eine Chance entgehen, statt unter Zeitdruck zu unterschreiben.

11. Produkte, die Sie verstehen

Kaufen Sie nur Produkte, die Sie verstehen. Das klingt banal, passiert aber viel zu selten.

12. Beratungsprotokoll

Lassen Sie sich immer das Beratungsprotokoll aushändigen. Prüfen Sie, ob der Inhalt stimmt.

13. Schriftliche Bestätigung

Sagt der Berater, ein Produkt sei sicher, verlangen Sie die schriftliche Bestätigung der Aussage. Gibt er sie nicht, lassen Sie die Finger vom Geschäft.

14. Prospekte

Lassen Sie sich den Prospekt aushändigen, und lesen Sie ihn vor Unterzeichnung des Vertrages gründlich. Suchen Sie im Prospekt nach Risikohinweisen.

15. Keine Telefonangebote

Legen Sie auf, wenn Sie unverlangt ein Angebot per Telefon bekommen.

Die andere Möglichkeit der Entschuldung geht über Inflation. Ein paar Jahre mit höherer Inflation - schon fällt die Tilgung der Schulden leichter, das Vermögen der Sparer allerdings schmilzt dahin. Während eine Staatspleite mit einem Schlag kommt, zehrt Geldentwertung das Vermögen schleichend auf. Das Ergebnis ist zwar dasselbe. Aber für die Politik dürfte dieser Weg der verlockendere sein, da niemand dem Wähler erklären muss, warum das Geld mit einem Mal weg ist.

Für den Staat hätte das nicht nur den Vorteil, dass die Zinslast nicht mehr so bedrohlich erscheint, die allgemeine Teuerung führt auch dazu, dass mehr Menschen mehr Steuern bezahlen. Schließlich basiert das Steuersystem auf nominalen Größen. Wenn sich das Durchschnittseinkommen auf dem Papier erhöht, muss ein höherer Anteil an Steuerpflichtigen den Maximalsatz bezahlen; Stichwort: „kalte Progression“.

Kommentare (38)

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Pro-D

16.12.2011, 09:17 Uhr

Hmm, spielt das wirklich eine rolle, wenn man Immobilien besitzt, oder sich aktiv als Investor betätigt? In der aktuellen entwicklung sehe ich eine mafga-chance, für alle, die nicht nur arbeiten, sondern sich auch aktiv darum kümmern, dass ihr Geld für sie arbeitet.

Ich finde, gerade in der heutigen Zeit ist es doch sehr einfach, sich über das Internet alle Daten zu beschaffen, die man so als aktiver Investor benötigt. Und eigentlich sollte es doch jeder wissen, dass man Sparbuch-Sparer mit Dummheti gleich setzen kann.

Außerdem, die chronischen Meckerköppe hier, einfach Short gehen und an dem angeblich drohendem Weltuntergang sich eine goldene Nase verdienen.


Freischwimmer

16.12.2011, 09:32 Uhr

Die Ursache für die angebliche Angst der Deutschen vor Geldentwertung sehe ich vor allem in der Art und Weise, wie das Thema medial immer wieder transportiert wird: Nämlich als würde die Inflationsangst genetisch vererbt werden oder meine Ur-Ur-Oma immer noch abends am Lagerfeuer von der großen Inflation von 1923 erzählen. Vielleicht sollte sich der Journalismus seiner eigenen Rolle in der Sache einmal bewusst werden.

Account gelöscht!

16.12.2011, 09:38 Uhr

@Pro-D

Ich seh dies auch so. In der heutigen Zeit mit all diesen Informationen ist es so einfach wie nie zuvor. Also wer da nicht von der reinen Spekulation grossartig leben kann, macht einfach was falsch ;-)

Sparer - dies sind die Leute, die sich am Weltspartag freuen einen Kugelschreiber zu erhalten, nachdem sie ganzes Jahr mit negativer Realverzinsung abgezockt wurden. Ist leider so aber durch die Politik unterstuetzt, bzw. ueberhaupt erst ermoeglicht.

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