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07.03.2006

11:21 Uhr

Interesse an Branche

Versorger wecken Phantasie

VonAndrè Kühnlenz

Übernahmen und Zusammenschlüsse bestimmen Europas Versorgerbranche. Die Übernahmewelle bei den europäischen Versorgern sorgt für eine überaus positive Stimmung. Die Aktienkurse profitieren davon.

DÜSSELDORF. Die Übernahmewelle bei den europäischen Versorgern sorgt für eine überaus positive Stimmung. Analysten sehen nach den jüngsten Kurssteigerungen weiteres Potenzial bei den Unternehmen der Branche, obwohl sich der Branchenindex Stoxx Versorger in den letzten Monaten deutlich besser entwickelte als der Stoxx 50. „Bisher haben wir Kursanstiege sowohl bei potentiellen Käufern als auch bei Übernahmekandidaten gesehen“, sagt Matthias Heck, Branchenanalyst beim Bankhaus Sal. Oppenheim. Das sei ein positives Zeichen, da bei Übernahmeversuchen oft der potentielle Käufer Abschläge hinnehmen muss. „Die Kurse wurden in der Vergangenheit von den Strompreisen getrieben“, sagt Heck. Solange diese hoch blieben, ist mit Rückschlägen kaum zu rechnen.

Nach der Offerte für den spanischen Versorger Endesa durch Eon verschärfen die Unternehmen ihre Versuche, mit Übernahmen ihre Wettbewerbsposition in Europa auszubauen. Auch in den französischen Markt kommt Bewegung. Die größtenteils in Staatsbesitz befindliche Gaz de France (GdF) übernimmt den belgisch-französischen Konzern Suez.

Für Unsicherheit sorgt allerdings das Verhalten verschiedener Regierungen. Sowohl Paris als auch Madrid versuchen, ihre Märkte gegen ausländische Käufer abzuschotten. So forcierte die französische Regierung die Übernahme von Suez durch GdF, um einen Übernahme durch die italienische Enel zu verhindern. Auch Madrid wehrt sich vehement gegen die Eon-Offerte für Endesa.

Der Grund, warum die Unternehmen durch Zukäufe wachsen wollen ist klar. Laut Heck haben sie die erfolgreiche finanzielle Restrukturierung abgeschlossen. Sie hätten sich von geschäftsfremden Zweigen getrennt, auch die Bilanzen sehen gesünder aus. Für Bernhard Jeggle, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) bereiten sich die Unternehmen mit den Übernahmen auf die vollständigen Liberalisierung des europäischen Strommarktes 2007 vor. „Bei den Versorgern kommt die Kostenstruktur verstärkt in den Fokus“, sagt Jeggle. Dabei werde die Unternehmensgröße immer wichtiger. „Um den Anschluss nicht zu verlieren, werden immer mehr Unternehmen gezwungen sein, dem Beispiel Eons zufolgen.“

Zu den Lieblingen der Analysten gehört vor allem Eon. Laut Sal. Oppenheim ist der Düsseldorfer Konzern immer noch günstig. 33 von den 39 Analysten, die Bloomberg beobachtet, empfehlen die Aktie zum Kauf. Fünf bewerten sie mit „Halten“, nur ein Analyst mit „Verkaufen“. Auch RWE hält Sal. Oppenheim für günstig.

Andere europäische Werte haben dagegen schon ein hohes Preisniveau erreicht. Die Essener National Bank hält viele Versorger bereits für teuer. Zum Kauf würde Analystin Ute Haibach einzig die spanische Iberdrola empfehlen, das Unternehmen gelte als begehrtes Übernahmeziel.

Als weitere Übernahmekandidaten gelten laut National Bank die spanische Enagas. Des weiteren könnte der italienische Eni-Konzern seinen rund 50-prozentigen Anteil am Joint Venture Snam Rete Gaz ausbauen. Vorstellbar sei auch, dass Electricite de France (EDF) die restlichen Anteile an der Energie Baden-Württemberg (EnBW) übernimmt. Sollte Eon mit der Endesa-Übernahme scheitern, könnte sich der deutsche Versorger wieder Scottish Power zuwenden. Auch am britischen Markt sei eine Konsolidierung zu erwarten. Wobei der sechstgrößte Versorger Europas National Grid mit der Übernahmen von Keyspan der Käuferseite zugerechnet wird.

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