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05.07.2012

09:50 Uhr

Interview

„25 Prozent Vertriebskosten sind keine Seltenheit“

VonBarbara Moormann

Die üppigen Provisionen gefährden die Rentabilität vieler Anlagen, sagt Rechtsanwalt Mathias Nittel. Welche Produkten für Berater besonders attraktiv sind und wie viel die Kunden zahlen müssen.

Mathias Nittel ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht in Heidelberg. PR

Mathias Nittel ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht in Heidelberg.

Herr Nittel, in welchen Bereichen liegen die höchsten vereinnahmten Provisionen, die Sie kennen?

Bei Private Placements von Aktien sind mir schon Provisionen von bis zu 40 Prozent zu Ohren gekommen. Im Bereich der geschlossenen Fonds verdient der Vertrieb aber auch viel Geld. 25 Prozent der Anlegergelder als Vertriebskosten sind bei Schiffsfonds keine Seltenheit. Der Berater oder die beratende Bank oder Sparkasse erhält davon in der Regel zwischen 10 Prozent und 15 Prozent.

An wen fließt das Geld?

Bei geschlossenen Fonds fließen die für die Anwerbung der Anleger vorgesehenen Gelder meist an eine zur Initiatorengruppe gehörende Gesellschaft, die offiziell Vertriebsbeauftragte ist. Diese teilt die Provisionen mit den eigentlichen Vermittlern, den Banken, Sparkassen und sonstigen als Berater auftretenden Vertrieben.

Welche Banken kommen Ihnen besonders "geschäftstüchtig" vor?

Ich kann nur sagen, welche Banken besonders häufig als Berater unserer Mandanten in Erscheinung treten. Da fällt mir spontan die Commerzbank ein, aber auch zahlreiche Volksbanken und Sparkassen.

Wann fallen Provisionen eher bescheiden aus?

Grundsätzlich kann man sagen, dass die Höhe der Provisionen die Höhe des Risikos des Anlageprodukts wiederspiegelt. Für wenig riskante Produkte fließen daher niedrigere Provisionen.

Welche Fälle erscheinen Ihnen besonders krass?

Die Provisionshöhe für Schiffsfonds finde ich persönlich sehr erschreckend. Denn es geht hier ja zu allererst auch um das Vertrauen der Kunden von Banken und Sparkassen, die diese Institute als objektive Berater wahrgenommen haben. Sieht man dann, dass für eine halbstündige qualitativ schlechte „Beratung“ zur Anlage von 20.000 Euro locker 2.000 bis 3.000 Euro an Provisionen hinter dem Rücken der arglosen Kunden an die Bank fließen, habe ich damit persönlich ein Problem.

Kommentare (6)

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BeratenderBerater

05.07.2012, 10:13 Uhr

"Lassen Sie sich im Umgang mit Ihrem (Finanz-)Berater von einem (juritischen) Berater (gegen Fixhonorar) beraten". Tolle Beratung.

Account gelöscht!

05.07.2012, 11:40 Uhr

Der Interviewte ist ja auch ein solcher Anwalt, also ist es in seinem ureigensten Interesse, wenn Leute ihre von der Bank erhaltenen Anlagevorschläge zu ihm bringen.

Würde mich mal interessieren, wie sein Gebührentableau wohl aussieht. :-)

Rechtsberatung

05.07.2012, 11:53 Uhr

"Da fällt mir spontan die Commerzbank ein, aber auch zahlreiche Volksbanken und Sparkassen. "

Lesen Sie Ihren "Aufklärungsbogen" als Kunde gründlich und streichen Sie alles, was mit Provisionsanteilen der Bank für Anlageempfehlungen zu tun hat !

Diese Können Sie dann notfalls wieder einklagen!

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