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16.02.2011

17:30 Uhr

Interview Bert Flossbach

"Der große Knall kommt erst noch"

VonChristian Panster

Die Aktienkurse steigen, der Euro hält sich stabil. Doch die Ruhe ist trügerisch, sagt der Vermögensverwalter Bert Flossbach. Der Showdown der Schuldenkrise stehe noch bevor, eine Pleite Griechenlands sei unvermeidbar.

Vermögensverwalter Bert Flossbach: "Ein drastischer Schuldenschnitt ist die einzige Möglichkeit."

Vermögensverwalter Bert Flossbach: "Ein drastischer Schuldenschnitt ist die einzige Möglichkeit."

FrankfurtBert Flossbach gründete 1998 gemeinsam mit seinem Partner Kurt von Storch die Vermögensverwaltung Flossbach & von Storch. Das Unternehmen zählt zu den führenden unabhängigen Vermögensverwaltungen in Deutschland. Die Kölner betreuen ein Kundenvermögen von rund 3,5 Mrd. Euro. In den vergangenen Jahren wurden sie mehrfach ausgezeichnet für ihre Anlagstrategie. Wie sich Anleger im Moment am besten verhalten sollten, erklärt Bert Flossbach im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Handelsblatt: Herr Flossbach, die Stimmen, Griechenland müsse umschulden, werden lauter. Was denken Sie?

Natürlich müssen die Griechen umschulden, das steht außer Frage. Erstaunlich ist für mich, dass es so lange gebraucht hat, bis sich diese Erkenntnis durchgesetzt hat. Die offiziellen Zahlen des griechischen Staatsbudgets sind eine indirekte Bankrotterklärung. Das Staatsdefizit betrug 2010 trotz aller Sparbemühungen 19,5 Mrd. Euro. 2011 sollen es 19,8 Mrd. sein. Darin sind Zinsausgaben von 15,9 Mrd. enthalten, was eine angenommene Durchschnittsverzinsung der Staatsschulden von optimistischen 4,8 Prozent bedeutet. Auch die soeben veröffentlichen Haushaltszahlen für Januar zeigen, wie dramatisch die Situation ist. Die Staatseinnahmen sind gegenüber dem Vorjahr um 9 Prozent gefallen. Da die griechische Wirtschaft mangels Wettbewerbsfähigkeit bestenfalls stagniert, schießt die Schuldenquote weiter nach oben. Ende 2012 wird sie über 150 Prozent des BIP betragen. Spätestens dann muss auch die Politik einsehen, dass Griechenland völlig überschuldet und ein Schuldenschnitt unvermeidbar ist. Solange dürfte es aber nicht mehr dauern.

Warum setzt sich diese Erkenntnis erst jetzt durch?
Weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Außerdem dürfen Sie nicht vergessen, dass diejenigen, die die mediale Diskussion prägen, ihre ganz eigene Agenda, ihre ganz eigenen Pläne verfolgen. Ein Investmentbanker, der sein Geld mit Anleiheemissionen Griechenlands verdient, wird sich bestimmt nicht hinstellen und sagen: Liebe Investoren, seid bloß vorsichtig, der Staat ist völlig Pleite und wird seine Bonds nie wieder zurück zahlen können.

Was ist mit den Politikern?

Die Politik versteckt sich hinter den Daten und Zahlen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und hofft , dass alles schon irgendwie gut werden möge. Aber das wird es nicht. Zumal die IWF-Daten fehlerhaft und teilweise unplausibel sind. Mehreinnahmen der Lottolizenzen wurden doppelt gerechnet und 12 Mrd. Einsparpotenzial nicht näher konkretisiert. Bereits im Mai letzten Jahres haben wir den IWF um Stellungnahme gebeten. Auf eine Antwort warten wir noch heute.

Würde ein Schuldenschnitt um die Hälfte ausreichen?

Nein, bei weitem nicht. Um auf ein tragbares Schuldenniveau von maximal 50 Prozent des BIP zu kommen müssten etwa zwei Drittel der Schulden gestrichen werden. Auch das kann noch zuviel sein, wie das Beispiel Argentinien zeigt, wo schon gut 50 Prozent Schuldenquote Zweifel an der Solvenz aufkommen ließen und den Staat in den Bankrott zwangen. Fakt ist, je länger man wartet, desto höher fällt der Schnitt aus.

Also was tun?

Ein Ende mit Schrecken ist besser als ein Schrecken ohne Ende. Ein drastischer Schuldenschnitt würde auch den Moral Hazard im Banksystem bekämpfen und wäre wahrscheinlich die einzige Möglichkeit, das ganz dicke Ende zu vermeiden.

Kommentare (3)

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yieldhunter

17.02.2011, 16:57 Uhr

Hm, Investmentbanker (die ihr Geld mit griechischen Bonds verdienen) verfolgen Eigeninteressen! Ah-ha! Und unser Bert, der das Geld mit der Verwaltung großer Privatvermögen verdient... der macht so etwas nicht. Gott sei Dank gibt es noch Philantropen. Übrigens - um von adäquater Vermögensverwaltung in der finanziellen Endzeit zu partizipieren bietet das Unternehmen nach meinem Kenntnisstand auch Fonds für Jedermann an! Wenn man den Zynismus mal beiseite lässt, scheinen mir einge Punkte durchaus plausibel. Dennoch scheint mir der Artikel mal wieder ein tolles Beispiel für gelungenes Product Placement. Gewinnen tut hier nur der Interviewte - Leser und der Interviewer verlieren.

Wirtstier

17.02.2011, 17:22 Uhr

Wie sagte mal ein Dieter Hildebrandt...Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft derselben läßt...oder auch ein Georg Schramm..."Interessensverbände machen die Politik. Die ziehen die Fäden, an denen politische Hampelmänner hängen, die uns auf der Bühne der Berliner Puppenkiste Demokratie vorspielen dürfen. Diese Politfiguren dürfen dann in den öffentlich-rechtlichen Bedürfnisanstalten bei den Klofrauen Christiansen und Illner ihre Sprechblasen entleeren. Und wenn bei der intellektuellen Notdurft noch was nachtröpfelt, dann können sie sich bei Beckmann und Kerner an der emotionalen Pissrinne unter das Volk mischen."

Account gelöscht!

17.02.2011, 19:53 Uhr

Ja, der "Rettungsschirm" wurde schon mal vorsorglich vergrößert, sicher nicht ohne Grund. Nun schaun wir auf den Goldpreis und warten ab, wer als Nächster den Finger hebt. Spanien? Man könnte meinen, es ist die Ruhe vor dem Sturm... Die Kanzlerin lügt nicht, aber die Wahrheit sagt sie auch nicht, der Frefel am deutschen Volk ist der gleiche. Wen soll man wählen? Ich hoffe, die Leute haben Mut zur taktischen Protestwahl udn das Volk verteilt Denkzettel!

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