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07.05.2012

13:53 Uhr

Interview

„Mir ist Griechenland egal“

VonSebastian Schaal

Nach den Wahlen in Griechenland und Frankreich sind die europäischen Börsen zwischenzeitlich in den Keller gerutscht. Fondsmanager Jürgen Meyer erklärt, warum er trotzdem langfristig mit steigenden Kursen rechnet.

Jürgen Meyer ist Leiter Europäische Aktien bei der SEB Asset Management. Pressefoto

Jürgen Meyer ist Leiter Europäische Aktien bei der SEB Asset Management.

Herr Meyer, Griechenland hat bei der Wahl die Regierungsparteien abgestraft. Wie bewerten Sie das Risiko für die Märkte, wenn die aktuelle Reform-Koalition in Athen nicht weiterregiert?

Das Risiko halte ich für sehr überschaubar. Die Betroffenen sind primär das griechische Volk selbst und die Kreditgeber Griechenlands. Und die machen nur einen sehr kleinen Teil der Marktteilnehmer aus.

In den kommenden Wochen steht die nächste Milliarden-Kreditrate für Griechenland an. Was könnte passieren, wenn diese Rate an einen führungslosen Staat nicht ausbezahlt wird?

Das betrifft vor allem Personen und Institutionen, die griechische Staatsanleihen besitzen, die an diesem Tag zurückgezahlt werden sollen. Das ist primär ein Problem dieser Leute. Mir ist das – plakativ gesagt – egal.

Fahrplan: So geht es weiter in Griechenland

Land am Tropf

Griechenland muss bis Mitte Mai eine handlungsfähige Regierung haben. Spätestens Anfang Juni kommt wieder die Geldgeber-Troika nach Athen, um über weitere Maßnahmen zur Stabilisierung der Wirtschaft zu sprechen. Zudem braucht Athen dringend wieder neues Geld - bis Ende Juni sollen es 30 Milliarden Euro sein. Davon sind sieben Milliarden für Renten und Löhne im staatlichen Bereich und 23 Milliarden für die Stabilisierung des Bankenbereichs nach dem Schuldenschnitt bestimmt. Finden die Kontrolleure keine handlungsfähige Regierung in Athen vor, könnten sie den Geldhahn zudrehen und Griechenland wäre Ende Juni pleite.

Koalitionsverhandlungen

Das Verfahren zur Bildung einer Koalitionsregierung ist genau definiert im Artikel 37 der griechischen Verfassung. Demnach wird Staatspräsident Karolos Papoulias den Chef der stärksten Partei Nea Dimokratia (ND), Antonis Samaras, mit Sondierungen beauftragen. Die konservative Nea Dimokratia bekam knapp 18,9 Prozent und 108 Abgeordnete. Das Mandat gilt für drei Tage.

Klare Reihenfolge

Scheitern diese Verhandlungen, erhält der Chef des Bündnisses der Radikalen Linken (Syriza), Alexis Tsipras, ein dreitägiges Sondierungsmandat. Die Partei wurde überraschend erstmals in ihrer Geschichte zweitstärkste Kraft - mit 16,8 Prozent und 52 Abgeordneten. Sollte auch dieser Versuch scheitern, bekommen die Sozialisten als drittstärkste Partei das Mandat für drei Tage. Sie bekamen 13,2 Prozent und 33 Abgeordnete.

Konservative und Sozialisten sind bereit zu koalieren. Sie haben aber nicht die nötige Mehrheit von 151 Abgeordneten im 300-köpfigen Parlament. Sie sind damit auf die Kooperation rechtspopulistischer und linker Parteien angewiesen.

Splittergruppen bleiben Außenseiter

Das Bündnis der Radikalen Linken scheint nicht bereit zu sein, mit den zwei Traditionsparteien zusammenzuarbeiten. Dies lehnen bislang auch die rechtsorientierten Populisten der Partei der Unabhängigen Griechen (33 Abgeordnete) sowie die kleinere Partei der Demokratischen Linken (19) ab. An eine Kooperation mit den erstmals ins Parlament gewählten Faschisten (21) oder den Kommunisten (26) denkt niemand.

Das Worst-Case-Szenario

Neuwahlen stehen bevor, wenn all diese Sondierungen ohne Ergebnis bleiben. Dann würde der Präsident alle Parteivorsitzenden zu einer letzten Sondierungsrunde zusammenbringen. Dabei würde er ein letztes Mal prüfen, ob eine Koalitionsregierung gebildet werden kann. Sollte auch dies scheitern, dann wird das eben erst gewählte Parlament aufgelöst und es werden Neuwahlen binnen 30 Tagen angesetzt. Das Land würde solange von einer Übergangsregierung - voraussichtlich unter Leitung des Präsidenten eines der höchsten Gerichtshöfe - geführt.

Auch Frankreich hat gewählt. Sind die Wachstumspläne von Francois Hollande eine Gefahr für die Wirtschaft?

Im Wahlkampf hat er angekündigt, weniger sparen und stattdessen mehr investieren zu wollen. Wachstum heißt immer Geld ausgeben. Geld, das man nicht hat. Das heißt letztendlich Geld drucken und das bedeutet Inflation.

Was bedeutet die Inflation für die Anleger?

Inflation ist schlecht für Leute, die Anleihen besitzen, und für Sparer. Für Aktienbesitzer ist es eigentlich egal, denn wenn mehr Geld im Umlauf ist, können Unternehmen typischerweise die Preise erhöhen. Damit bleiben sie und ihre Aktionäre am Ende schadlos. Sie profitieren davon nicht, reichen die Inflation quasi weiter.

Nach den Wahlen hat ein Analyst geschrieben, er gehe von einer „stark schwankenden, eher abwärts gerichteten Börsenphase“ aus. Schließen Sie sich dem an?

Das kann ich nicht nachvollziehen. Im Gegenteil, wenn wir mit mehr Inflation rechnen sollten, ist das letztendlich für Aktionäre ein Non-Event, während fast alle anderen Anlageklassen darunter leiden. Sie verlieren an Kaufkraft, wenn sie ihre Anleihen – sofern es nicht gerade griechische sind – zurückbezahlt bekommen.

Wenn der französische Präsident die Konjunktur stimulieren will und Geld ausgibt, geschieht das meistens über Investitionen in die Infrastruktur. Das ist dann gut für die Unternehmen, die in diesem Bereich tätig sind. Auch der Konsum profitiert davon, weil das für Beschäftigung sorgt.

Kommentare (11)

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oiseasy

07.05.2012, 14:52 Uhr

JAJA, die Finanzmarktkrise betraf ja auch nur einige wenige Banken, die US-Subprime-Darlehen vergeben hatten.

Griechenland kann uns daher in der Tat egal sein, denn die Krise bleibt ja zweifelsohne auf Griechenland beschränkt. Und wenn Griechenland aus der Eu und dem Euro rausbricht, werden Portugal und Spanien ohne jeden Zweifel trotzdem stehen wie die Felsen ind Brandung und die Bevölkerung dort, wird natürlich zwifelsohne, genau so wie im restlichen disziplinierten europa jedwede Sparmaßnahmen erdulden und keine Protstparteien wählen. Schließlich sind die Piraten, die Linke und die NPD ja auch keine Protstparteien, sie werden in Deutschland ja auch gar nicht gewählt.

JetztRausAusDemEuroUndESM

07.05.2012, 15:28 Uhr

Sozialisten wissen nur eines vom Gelde: wie man das Geld anderer ausgibt! In Holland und Finnland weiss man, dass nun auch Frankreich das Geld der anderen will, nur die Deutschen tun so, als ob alles prima ist.

Frankreich wird Deutschland in den finanziellen Abgrund und in den politischen Moloch der EUdSSR hinunterziehen, wenn Deutschland nicht endlich den Mut fasst, den Fehler Euro, EUdSSR und ESM zu beenden und sich mit einer neuen Deutschen-/Nordmark freizuschwimmen, der dann die anderen soliden Wirtschaften wie Osterreich, Skandinavien, die Niederlande und vielleicht die Schweiz beitreten wurden.

Weg mit dem Euro, dem ESM und der EUdSSR und wieder hin zu einem Europa der Nationen und Vaterlander, die eigenverantwortlich wirtschaften und sich regieren konnen.

DeutscheMarkWieder

07.05.2012, 15:31 Uhr

Ganz genau! Deutschland muss sich selbst retten. Wer noch einigermasses schwimmen kann, muss sich jetzt freischwimmen, sonst wird es von den Ertrinkenden egosistisch mitheruntergezogen.

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