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19.01.2010

12:25 Uhr

Interview mit Gottfried Heller

„Wir werden keine Hyperinflation bekommen“

VonRalf Drescher

Die Aktienmärkte werden noch lange von niedrigen Zinsen profitieren, erwartet Gottfried Heller, Seniorpartner der Vermögensverwaltung Fiduka und langjähriger Partner von Andre Kostolany. Im Gespräch mit dem Handelsblatt beschreibt er die Nöte der Notenbanken, warum steigende Arbeitslosigkeit für die Börsen keine Gefahr ist und in welchen Bereichen für Anleger die größten Chancen locken.

Gottfried Heller gründete 1970 mit Andre Kostolany die Fiduka Depotverwaltung und ist heute Seniorpartner. Für Aktien ist Heller weiter optimistisch. Fiduka

Gottfried Heller gründete 1970 mit Andre Kostolany die Fiduka Depotverwaltung und ist heute Seniorpartner. Für Aktien ist Heller weiter optimistisch.

Herr Heller, den Aktienmärkten scheint nach der Rally des vergangenen Jahres die Luft auszugehen. Wie bewerten Sie die Lage an den Börsen?

Die aktuelle Situation ist kurzfristig etwas undurchsichtig. Wir haben die psychologische Hürde von 6 000 Punkten geknackt, sind dann aber wieder runtergefallen, weil sich abzeichnet, dass die Berichtssaison der Unternehmen ein durchwachsenes Bild zeigen wird. Alcoa hat die Erwartungen eher enttäuscht, während Intel besser als erwartet abgeschnitten hat. Dieses Bild könnte sich in den kommenden Wochen verfestigen: Technologieunternehmen dürften eher positive Ergebnisse liefern, während sich in den Bilanzen der Industrieunternehmen noch Probleme zeigen.

Was heißt das für die weitere Kursentwicklung?

Eine kleine Korrektur an der Börse sollte niemanden überraschen, ein Rückschlag von bis zu zehn Prozent ist jederzeit möglich. Unter dem Strich gehe ich aber schon davon aus, dass wir Ende des ersten Quartals höhere Kurse sehen werden als aktuell.

Und wie sind die längerfristigen Aussichten?

Die Grundsituation ist unverändert positiv für Aktien: Wir haben sehr viel Liquidität an den Märkten bei extrem niedrigen Zinsen. Die Konjunktur hat allmählich Tritt gefasst und die Unternehmen werden deutliche Gewinnsteigerungen zeigen. Im Schnitt rechnen Analysten mit einem Gewinnwachstum um 25 bis 30 Prozent in diesem Jahr. Selbst wenn man unterstellt, dass die Analysten am Anfang eines Jahres stets etwas zu optimistisch sind und ihre Schätzungen im Jahresverlauf etwas zurücknehmen, sollten wir immer noch auf einen Zuwachs von 15 bis 20 Prozent kommen. Wenn man davon ausgeht, dass die Kurs-Gewinn-Verhältnisse zumindest stabil bleiben, bedeutet das ein sehr ordentliches Potenzial für Aktien.

Sind die aktuellen Bewertungen, die die KGVs widerspiegeln, denn angemessen?

Im Gegensatz zum Jahr 2000 sind die Märkte gewiss nicht überteuert. Damals hatten wir im Dax ein KGV über 30, jetzt liegen wir bei Werten um die 12. Das ist im historischen Vergleich eher noch günstig und ich kann mir gut vorstellen, dass wir auch mal KGV-Werte von 14 bis 15 sehen werden. Zudem verfügen Aktien über ein Sicherheitsnetz nach unten, da die Dividendenrenditen bei einer Reihe von Unternehmen ein bis zwei Prozentpunkte über der Rendite von Staatsanleihen liegen. Als Ertragsbringer sind viele Aktien damit deutlich attraktiver als Staatsanleihen.

Trotzdem ziehen die Anleihemärkte enorm viel Kapital an.

Das ist richtig, dieses Jahr werden sich Staaten und Unternehmen gewaltige Summen über den Bondmarkt leihen. Wenn man davon ausgeht, dass das Angebot auf eine ausreichende Nachfrage trifft - wonach es bisher aussieht -, ist das natürlich negativ für den Aktienmarkt, weil dieses Geld an anderer Stelle fehlt. Andererseits ist Liquidität angesichts der extrem expansiven Politik der Notenbanken wirklich reichlich vorhanden und so schnell dürfte sich das auch nicht entscheidend ändern.

Kommentare (6)

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aruba

19.01.2010, 19:00 Uhr

Guten Tag,......Wir haben alle schon mal Mist erzaehlt; auch Herr Heller. Jedoch ich mag den Herrn, er hatte schon mit Geld zu tun, da sassen die vorlauten Rotzloeffel ( Experten, Second-Hand Manager, back-Steet Dealer, Junior Client-Verbrater und aehnliches Gesindel )noch in Pampers herum. besten Dank

BackermeisterBullerjahn

19.01.2010, 21:21 Uhr

@ aruba
ihre Kommentare sind herzhaft erfrischend. Danke ihnen dafür. Ja die heutigen Experten - nicht nur im Finanzwesen - sind mit Vorsicht zu genießen. Man vertritt angelernte Meinungen, deren Wahrheitsgehalt durch Akklamation vieler begründet ist. Dabei erklärte schon um das Jahr 2000 ein amerikanischer Nobelpreisträger für Chemie in einem interview des SZ-Magazins: "Wenn 95% aller Fachleute die identische Meinung zu einem Thema haben, ist sie mit großer Wahrscheinlichkeit falsch."

neoliberaler

19.01.2010, 21:35 Uhr

"Phase der Entschuldung" - ich weiß nicht recht. Das wäre natürlich die logische Konsequenz der vergangenen Jahrzehnte. Nur nachhaltig ist diese Deflationierung m.M.n. nicht. Die Staatensquoten nehmen stark zu. Und mit ihnen die Staatsschulden. Das wird die Papier(schnipsel)währungen killen. ist nur eine Frage der Zeit.

ich persönlich stehe voll und ganz hinter folgendem Zitat:


"Mir persönlich sind viele kleine Versprechen lieber, die ich je nach Laune ablehnen oder akzeptieren kann, als ein einziges riesengroßes Versprechen, das ich glauben muss, und das von jemandem kommt der mich in den Gulag stecken kann wenn ich aufmucke weil er's bricht."

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